Studien wie das Energiewendebarometer der Industrie- und Handelskammern und das Monitoring des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigen: Bezahlbarkeit ist entscheidend für den Erfolg der Energiewende. Als Übertragungsnetzbetreiber in Baden-Württemberg sorgt TransnetBW dafür, dass das Stromnetz stabil bleibt und Erzeugung und Verbrauch über große Entfernungen verbunden werden. Das ist die Grundlage für wettbewerbsfähige Strompreise, verlässliche Produktion und neue Investitionen – und damit für eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft.
Eine wichtige Kennzahl für die Qualität der Stromversorgung ist die Dauer von Stromunterbrechungen. Die Stromversorgung in Deutschland ist sehr zuverlässig: 2024 lag die Unterbrechungsdauer im Übertragungsnetz bei null Minuten, im Schnitt aller Netzebenen bei nur 11,7 Minuten. Damit ist das deutsche Stromnetz eines der zuverlässigsten im europäischen Vergleich.
Die Energiewende verändert die Spielregeln
Mit dem Kohleausstieg geht gesicherte Erzeugungsleistung verloren. Gleichzeitig wächst der Anteil erneuerbarer Energien, deren Einspeisung wetterabhängig ist. Dadurch nehmen die Schwankungen im Stromsystem zu. Es braucht deshalb neue Werkzeuge für die Netzstabilität, und zugleich bietet dieser Wandel Chancen: Neben einer besseren Klimabilanz erhöht sich durch eine erneuerbare Stromerzeugung auch die Resilienz durch verringerte internationale Abhängigkeiten.
In Zukunft wird es häufiger sonnige und windreiche Tage geben, an denen Photovoltaik- und Windanlagen mehr Strom erzeugen, als aktuell benötigt wird. Eine solche sogenannte „Hellbrise“ kann sich negativ auf die Netzstabilität auswirken. Um das Stromnetz in Balance zu halten, müssen die Netzbetreiber künftig häufiger steuernd eingreifen und Erzeugungsanlagen abregeln. Der gesetzliche Rahmen dafür wurde bereits geschaffen, nun müssen Regeln und Prozesse definiert und angewendet werden, um diese Erzeugungsüberschüsse sinnvoll zu nutzen.
Das Gegenstück zur „Hellbrise“ ist die sogenannte „Dunkelflaute“ – also längere Zeiträume mit wenig Sonne und Wind. Um diese sogenannten Dunkelflauten abfedern zu können, braucht es den Neubau von Kraftwerken. Doch Kraftwerke, die nur über kurze Zeiträume gebraucht werden, rechnen sich wirtschaftlich kaum. Das Merit-Order-Prinzip führt dazu, dass diese Anlagen nur wenige Stunden im Jahr laufen – bei gleichzeitig hohen Investitionskosten. Eine Kraftwerksstrategie mit lokaler Komponente könnte dafür sorgen, dass trotzdem neue Kraftwerke entstehen. Gesicherte Leistung soll möglichst dort entstehen, wo sie zur Versorgungssicherheit und zum Lösen von Engpässen beiträgt. In Baden-Württemberg, wo in den vergangenen Jahren viele Atom- und Kohlekraftwerke außer Betrieb gegangen sind und die Industrie besonders stark ist, besteht dringender Bedarf.
Flexibilität als Schlüssel
Im nächsten Schritt braucht es einen Kapazitätsmarkt, der nicht nur Kraftwerke, sondern auch Speicher und flexible Verbraucher für ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit vergütet. Gerade das Lastmanagement bietet großes Potenzial: Wenn Industrie und auch Haushalte, beispielsweise beim Laden von E-Autos, soweit möglich ihren Stromverbrauch zeitlich flexibel gestalten und auf die Netzsituation reagieren, kann das das Stromnetz entlasten. Hier setzt auch das Forschungsprojekt DataFleX an: In einem Konsortium arbeitet TransnetBW daran, bislang getrennte Datenökosysteme zu verknüpfen. Ziel ist es, dezentrale Flexibilitäten systematisch in das Energiesystem einzubinden – ein wichtiger Baustein für eine effiziente Energiewende.
Der Ausbau von Batteriegroßspeichern schreitet bereits rasant voran. Nun müssen regulatorische Rahmenbedingungen folgen, die netzdienliches Verhalten sicherstellen und gleichzeitig Investitionen attraktiv machen. Speicher sind entscheidend, um Schwankungen auszugleichen und erneuerbare Energien optimal zu nutzen. Diese müssen im Kapazitätsmarkt unter Berücksichtigung ihrer technischen Fähigkeiten und aus Systemsicht bestmöglich integriert werden.
Kosteneffizienter Netzausbau
All diese Maßnahmen greifen nur, wenn das Stromnetz mithält. Der Netzausbau sorgt dafür, dass Strom dort ankommt, wo er gebraucht wird. TransnetBW arbeitet derzeit an rund 170 Projekten, um das Netz zukunftsfähig umzubauen. Dazu gehören die großen Gleichstromvorhaben wie SuedLink und ULTRANET. Allein SuedLink wird künftig etwa 10 Millionen Haushalte klimafreundlich mit Strom versorgen.
Der im Dezember vorgelegte Netzentwicklungsplan legt seinen Fokus auf die Kosten und bildet damit aktuelle technologische und wirtschaftliche Entwicklungen ab. Er geht teilweise von einem geringeren und langsamer wachsenden Strombedarf aus, ebenso von einem moderateren Ausbau von Photovoltaik und Windenergie. Die getroffenen Annahmen basieren auf Studien und Abfragen zur Entwicklung des Verbrauchs, zur Erzeugung, des Handels und zur Speicherung von Strom. Grundlage für die bedarfsgerechte Netzplanung ist dabei die Marktabfrage für Großverbraucher der Strom Übertragungs-, der Gas-Fernleitungs- und der Wasserstofftransportnetzbetreiber.
Fazit: drei Erfolgsfaktoren für die Energiewende
Drei Aspekte sind von entscheidender Bedeutung: der kosteneffiziente Netzausbau, eine Kraftwerksstrategie für gesicherte Leistung in Baden Württemberg sowie ein Kapazitätsmarkt. So besteht die Versorgungsicherheit bei gleichzeitiger Stärkung der Resilienz und Klimaneutralität – zentrale Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft und eine nachhaltige Energieversorgung.