die WIRTSCHAFT | Das Magazin
Nr. 6927598
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Interview

„Unsere Devise: Sie haben die Frage, die AHKs liefern die Antwort“

Das Netz der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs), die als „Schwesterorganisationen“ der IHKs zum Kammernetzwerk der deutschen Wirtschaft gehören, unterstützt deutsche Unternehmen dabei, die Chancen internationaler Märkte für sich zu nutzen. Über die Servicemarke „DEinternational“ bieten die AHKs einheitliche und professionelle Dienstleistungen für Unternehmen, die den Markteintritt oder das Auslandsgeschäft erleichtern. Als Leiterin DEinternational bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), dem Dachverband der IHKs und der AHKs, koordiniert Sophie Lwin-Waldschmidt das Dienstleistungsportfolio der AHKs und entwickelt es mit ihnen weiter. Im Interview erklärt sie, wie deutsche KMUs bei der Erschließung neuer Märkte von diesen Dienstleistungen profitieren können.
Für viele KMUs ist der Schritt in einen völlig neuen Markt eine große Hürde. Wie hilft das weltweite Netzwerk der Auslandshandelskammern dabei, diese erste Unsicherheit zu überwinden?
Fremde Sprachen und Kulturen, andere Regularien und Wettbewerbssituationen – natürlich gibt es jede Menge Hürden, denen deutsche Unternehmen im Ausland begegnen. Durch unsere starke lokale Präsenz – an 150 Standorten weltweit – können wir die deutsche Wirtschaft direkt vor Ort begleiten. Unsere AHK-Teams sind sowohl sprachlich als auch kulturell im Gastland und in Deutschland verwurzelt und können für die Unternehmen wertvolle Brücken bauen. Sie verfügen außerdem über eine breite Fachtiefe und starke Netzwerke, was sicherstellt, dass Sie als deutsche Firma schnell dort landen, wo Sie hinwollen. Für KMUs ist das besonders wertvoll, da sie häufig begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen für die Erschließung von Auslandsmärkten zur Verfügung haben und bei den AHKs als One-Stop-Shop nicht nur ein umfassendes und fair bepreistes Leistungsangebot finden, sondern auch gleich einen Ansprechpartner, der weiß, was die deutschen Unternehmen wollen.
Die AHKs bieten von der Marktstudie bis zur Geschäftspartner­vermittlung sehr vieles an. Welche konkreten Services werden am häufigsten nachgefragt, wenn ein Unternehmen erstmals einen neuen Markt sondiert?
Wie so oft im Leben heißt es auch bei dieser Frage: Es kommt darauf an. Während wir in exotischeren Märkten auch mit breiten Marktinformationen noch wertvolle Einblicke für deutsche Unternehmen schaffen, sind in Europa zunehmend Dienstleistungen aus dem Bereich Recht und Steuern, zum Beispiel die Lohnbuchhaltung, gefragt. Global gesprochen ist die beliebteste Dienstleistung sicherlich unsere sogenannte Geschäftspartnervermittlung, also die Identifizierung geeigneter Produzenten oder Vertriebspartner für deutsche Firmen in Auslandsmärkten.
Könnten Sie an einem Beispiel skizzieren, wie eine typische „Reise“ eines Unternehmens aussieht, das mit Ihrer Hilfe erfolgreich in einem neuen Land Fuß gefasst hat?
Gerade erst haben uns wieder neue Erfolgsgeschichten aus den AHKs erreicht. In Australien zum Beispiel hat ein deutsches Logistikunternehmen ein Beratungsprojekt vor Ort gewonnen. Dafür musste eine australische Tochtergesellschaft gegründet werden, was einige administrative und regulatorische Hürden mit sich brachte. Hier wusste die AHK Australien sofort zu helfen. Mittlerweile ist das Unternehmen sogar Mitglied in der AHK Australien geworden und erhält darüber wichtige und exklusive Einblicke in die jüngsten Wirtschaftsentwicklungen vor Ort.
Das AHK-Netzwerk umspannt über 90 Länder mit sehr unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen. Ein Markteintritt in den USA erfordert sicher andere Schritte als in Vietnam oder Nigeria. Inwieweit unterscheiden sich die Dienstleistungen der einzelnen Auslandshandelskammern vor Ort? Gibt es einen weltweiten Standard, auf den sich Unternehmen verlassen können, oder entwickeln die AHKs komplett individuelle Lösungen je nach Markt?
Die Zeit von Unternehmern ist knapp. Sie haben keine Zeit, sich durch ellenlange Studien zu arbeiten. Deshalb ist unsere Devise: Sie haben die Frage, die AHKs liefern die Antwort. Dabei arbeiten die AHKs immer vom Problem des Unternehmens herkommend. Natürlich orientieren wir uns bei der Angebotserstellung auch an einem internen Dienstleistungskatalog, denn das gibt den Unternehmen und uns Vergleichbarkeit und erleichtert die Bepreisung. Am Ende ist es aber entscheidend, dass wir das bestehende Problem des Unternehmens gelöst haben – egal, ob die Lieferung des Unternehmens im amerikanischen Zoll feststeckt oder eine neue Produktionsstätte in Osteuropa gefunden werden soll.
Bedeutet das für ein KMU, dass es in Singapur denselben Service-Katalog bei der AHK vorfindet wie bei den drei AHKs in Brasilien, oder setzen die Kammern vor Ort ganz eigene Schwerpunkte?
Nicht in jedem Land bieten wir alle Dienstleistungen an. Das hat verschiedene Gründe: vor allem die Nachfrage der Unternehmen nach bestimmten Services, zum Teil aber auch die Verfügbarkeit von entsprechender Fachexpertise vor Ort. Wie bereits erwähnt, haben sich die AHKs an ihren Standorten starke und breite Netzwerke aufgebaut, die es stets ermöglichen, die notwendige Fachexpertise für das deutsche Unternehmen zu organisieren, auch in Fällen, wo wir diese nicht eigenständig anbieten.
Interview: Amir Alizadeh
IHK Ulm
Olgastraße 95-101
89073 Ulm
Tel. 0731 173-0
E-Mail: info@ulm.ihk.de

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