Die wichtigsten Absatzmärkte für Deutschland sind die Länder der Europäischen Union (EU), die USA, China, Großbritannien und die Schweiz. Im Lauf des Jahres 2025 wechselten sich die Volksrepublik China und die Vereinigten Staaten mehrmals als wichtigster Drittlands-Handelspartner Deutschlands ab. Beiden Ländern gemeinsam ist jedoch, dass die deutschen Exporte sowohl nach China als auch in die USA 2025 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. Dies gilt für alle wichtigen Exportgütergruppen Deutschlands – Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile, Maschinen, elektrische Ausrüstungen sowie sonstige Fahrzeuge und Maschinen. Dies ist eine direkte Folge der US-Handelspolitik sowie der Spannungen zwischen den beiden Ländern – den USA und China –, die die Welthandelsordnung unter Druck setzt und für die international orientierte deutsche Wirtschaft eine gefährliche Entwicklung darstellt.
Die weltweite Verunsicherung belastet auch die Geschäfte deutscher Unternehmen an ihren internationalen Standorten. Nach Ergebnissen der Umfrage „AHK World Business Outlook“, die im Herbst 2025 veröffentlicht wurde, bewerteten deutsche Unternehmen an ihren internationalen Standorten ihre Geschäftslage schwächer als noch im Frühjahr 2025. Sie spüren negative oder stark negative Auswirkungen der US-Handelspolitik auf ihre Geschäfte, wobei die Betroffenheit sich regional erheblich unterscheidet. Weltweit geben zwei Drittel der deutschen Unternehmen mit US-Geschäft Zölle als Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit an. Die Unternehmen sehen sich mit einer Vielzahl konjunktureller und wirtschaftspolitischer Risiken konfrontiert, das häufigste sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Dennoch zeigen sich deutsche Unternehmen an ihren internationalen Standorten wieder investitionsfreudiger: Etwa 30 Prozent gaben an, in den kommenden zwölf Monaten höhere Investitionen zu planen; mehr als die Hälfte der Unternehmen beabsichtigt, das Investitionsniveau beizubehalten. Die Investitionsdynamik deutscher Unternehmen im Ausland nimmt wieder an Fahrt auf. Handelskonflikte treiben die Lokalisierung, also den Ausbau der Produktionskapazitäten im Ausland, zusätzlich an.
Länder und Märkte im Fokus
Doch wo gibt es noch Möglichkeiten für deutsche Unternehmen? In einigen Regionen wird der Zugang schwieriger, andere Märkte rücken in den Fokus. Germany Trade & Invest (GTAI) hat zentrale Standortindikatoren ausgewertet und zeigt in einer Analyse, welche Länder künftig verstärkt Beachtung finden könnten. Neue Standorte punkten mit Dynamik, niedrigen Kosten und verbesserten Rahmenbedingungen – etwa bei Infrastruktur und Freihandelsabkommen. Dabei zeichnen sich drei Ländergruppen ab:
- Produktions-Asse: etablierte Produktionszentren mit großem verarbeitendem Gewerbe und guten Werten bei den meisten Indikatoren, aber meist geringen Wachstumsraten.
- Wachstums-Stars: Länder mit bereits guter industrieller Grundlage und mittlerer bis hoher Investitionsdynamik.
- Produktions-Joker: aufstrebende, neue Produktionsstandorte mit hoher Dynamik, aber Schwächen bei den Rahmenbedingungen – sie stehen noch wenig im Fokus deutscher Unternehmen.
Geopolitische Konflikte und Abschottung erhöhen den Druck auf die Betriebe, stärker zu lokalisieren. Gleichzeitig setzen Länder Anreize durch industriepolitische Förderprogramme. Dabei suchen Unternehmen nicht zuletzt Alternativen zu China und errichten andernorts Produktionsstandorte im Ausland. Zwischen 2022 und 2024 zählte der Datendienstleister fDi Markets allein in Mexiko 562 und in Indien 426 Greenfield-Projekte. In China waren es nur 311 Projekte. Nicht weit dahinter kam Vietnam, das im betrachteten Zeitraum mit 263 Projekten die meisten in der Region Südostasien anzog. In Europa bleiben die Visegrád-Staaten, also Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei, bei Investoren beliebt. Dort wurden 412 Projekte erfasst, die Hälfte davon in Polen. Das waren fast so viele wie in Deutschland.
Je nach Gewichtung der Kriterien und der eigenen Unternehmensstrategie müssen Unternehmen Standorte bewerten und auswählen. Ein kritischer Faktor bleibt der Marktzugang, insbesondere in regulierten oder politisch instabilen Märkten. Ebenso rückt die Verfügbarkeit von Vorprodukten und Rohstoffen stärker ins Blickfeld, da Lieferkettenstörungen direkte Auswirkungen auf Margen und den Zeitraum der Produktentwicklung haben.
Wo investieren deutsche Betriebe?
Gut ein Drittel der deutschen Direktinvestitionen im Ausland entfällt laut Deutscher Bundesbank auf das verarbeitende Gewerbe, 2023 lagen die Bestände bei rund 554,5 Milliarden Euro. In allen Weltregionen stiegen die deutschen Investitionen in neue Fabriken in den vergangenen Jahren deutlich, mit 29 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020 am stärksten in den EU-Nachbarländern, auf ähnlichem Niveau in Asien. Zwar fließt das meiste Kapitel nach wie vor in die USA und China. Allerdings sinkt dort die Investionsbereitschaft. Nach Kontinenten bleibt Amerika die Region mit den meisten deutschen Direktinvestitionen, mit rund 35 Prozent der gesamten Auslandsbestände, drei Viertel davon in den USA. Ein deutliches Wachstum wiesen aber Mexiko mit fast 70 Prozent und Brasilien mit 51 Prozent zwischen 2020 und 2023 auf.
In Europa ist Polen der bedeutendste ausländische Produktionsstandort deutscher Unternehmen – mit wachsender Tendenz: Im Jahr 2023 lagen die Investitionen dort um 45 Prozent höher als noch 2020. In Asien profitierte insbesondere Indien, wo die deutschen Investitionen im verarbeitenden Gewerbe in den vergangenen Jahren um 39 Prozent zunahmen. Mit einem Bestand von 14 Milliarden Euro bleibt Indien jedoch deutlich hinter China zurück, wo deutsche Unternehmen rund 84 Milliarden Euro investiert haben.
Wachstums-Stars: beliebt bei Investoren
Mit Blick auf die oben genannten Länderkategorien wird klar: Deutsche Betriebe investieren vermehrt in die Wachstums-Stars, also Länder, die bereits über eine fortgeschrittene Industrialisierung verfügen und gleichzeitig attraktive Bedingungen für neue Investitionsprojekte bieten. Beispiele für solche Ziele sind die Visegrád-Staaten, Mexiko, Brasilien und Indien.
Spannend wird es in der Kategorie Produktions-Joker: Hier finden Unternehmen Standorte mit einem hohen Entwicklungspotenzial, müssen aber auch bestimmte Aspekte stärker beachten. Beispiele für Produktions-Joker liegen in der europäischen Nachbarschaft auf dem Westbalkan oder in Nordafrika in Ägypten und Marokko. Marokko entwickelt sich zum zentralen Nearshoring-Standort der europäischen KFZ-Zulieferindustrie. In Zentralasien lohnt ein Blick auf Usbekistan: Dort ist das Angebot an jungen, lernwilligen und motivierten Arbeitskräften ein Plus.
Deutsche KFZ-Industrie hat am meisten im Ausland investiert
Die deutsche Industrie ist auf internationale Märkte angewiesen. Neben Exporten sind Auslandsinvestitionen eine Säule der Markterschließung, vor allem die KFZ-Industrie, die Chemie und der Maschinenbau haben hohe Anlagen im Ausland. Von den Ende 2023 insgesamt 555 Milliarden Euro Direktinvestitionen des verarbeitenden Gewerbes im Ausland standen KFZ- und Teilehersteller für ein Viertel. Diese Branche hat gleichzeitig die Investitionen in den Jahren seit 2020 um 36 Prozent am stärksten gesteigert. Der Maschinenbau legte um 30 Prozent auf 57,6 Milliarden Euro ebenfalls kräftig zu, aber auch Chemie, Mess-/Regeltechnik und Medizintechnik sind um rund 20 Prozent jeweils deutlich gewachsen.
Die regionale Verteilung ist dabei zwischen den Branchen unterschiedlich: Während die KFZ-Branche vor allem in Asien engagiert ist – rund 30 Prozent des weltweiten Bestandes allein in China –, hat die Chemieindustrie fast die Hälfte der Auslandsinvestitionen in den USA getätigt. Noch deutlicher ist der Fokus auf die USA in der Gruppe Mess-/Regeltechnik und Medizintechnik, die Ende 2023 über 60 Prozent des Anlagevolumens in den USA hatte. Dagegen lag in der Elektroindustrie mit fast einem Fünftel des weltweiten Auslandskapitals deutscher Unternehmen der Fokus auf dem Reich der Mitte. Dies ist gleichzeitig die Branche, die noch den stärksten Schwerpunkt in der EU hat: 42 Prozent der Direktinvestitionen lagen 2023 dort.
Elena Skiteva
(Quellen: GTAI, DIHK, Statistisches Bundesamt)