Konjunktur

Erholung weiterhin nicht in Sicht

Die regionale Wirtschaft ist ohne Schwung ins Jahr 2026 gestartet. Zwar hat sich der Umsatzschwund zumindest spürbar verlangsamt und die Auftragseingänge stabilisieren sich allmählich. Letztlich bleibt das Niveau aber unbefriedigend. Steigende Kosten drücken zudem auf die Ertragslage. Folglich ist die Zufriedenheit der Unternehmen in der IHK-Region Ulm mit ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation im Vergleich zum Herbst letzten Jahres zurückgegangen. Der IHK-Lageindikator, der die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen abbildet, hat sich von 13 auf sechs Punkte verringert. Der Abstand zum langfristigen Durchschnitt von 31 Punkten ist damit markant.
Klare Hoffnungsschimmer, die auf eine Belebung der regionalen Konjunktur in den kommenden Monaten hindeuten, sind zudem nicht erkennbar. Zwar ist der Anteil der Betriebe mit pessimistischen Erwartungen von 24 auf 21 Prozent zurückgegangen. Allerdings nur zugunsten der Unternehmen, die von einer anhaltenden Stagnation ihrer Geschäfte ausgehen. Trotz einer minimalen Aufhellung der Erwartungen fällt der Blick nach vorne auch weiterhin leicht skeptisch aus.

Nachfrageimpulse fehlen

Die Ursachen für diese Entwicklung sind sowohl in den veränderten globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen als auch in den inländischen Strukturdefiziten zu suchen. So muss sich die hiesige Wirtschaft darauf einstellen, dass China zunehmend seinen Bedarf an hochwertigen Maschinen und Fahrzeugen selbst produzieren kann und häufig stark subventioniert auf den globalen Märkten als qualitativ ebenbürtiger Konkurrent auftritt. Gleichzeitig trübt die protektionistische und schwankende Handelspolitik Trumps das bislang lukrative US-Geschäft. Hinzu kommen zahlreiche weitere geopolitische Spannungen und Konflikte, die für nicht ganz jedes zweite hiesige Unternehmen ein Geschäftsrisiko darstellen. In der Industrie gilt das sogar für sechs von zehn Betrieben.
Während die heimische Industrie im weiteren Jahresverlauf mit Absatzrückgängen in China und den USA rechnet, verspricht sie sich kräftige Nachfrageimpulse aus anderen asiatischen Märkten, und durchaus auch aus der Europäischen Union. Insgesamt sind von den Exporten aber keine großen Impulse zu erwarten.

Strukturelle Defizite gefährden die Wettbewerbsfähigkeit

Den hiesigen Unternehmen bereiten neben der Nachfrageentwicklung auch mehr und mehr die stetig steigenden Kosten große Sorgen. Erstmals nennen mit einem Anteil von 68 Prozent mehr Betriebe die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko als die Inlandsnachfrage (66 Prozent). Auf der einen Seite puscht der gestiegene Mindestlohn die Forderungen nach steigenden Gehältern in den darüber liegenden Lohngruppen. Zum anderen lassen ausbleibende Strukturreformen (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) die Lohnnebenkosten zu einer immer größeren Belastung werden. Dadurch verliert die hiesige Wirtschaft zunehmend an preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen Monaten verschärft das Problem.
Die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten erschwert es den hiesigen Betrieben zusätzlich, konkurrenzfähige Preise anbieten zu können. Und das Vertrauen in die Politik ist weiter gehemmt: 37 Prozent aller Betriebe sehen in der Wirtschaftspolitik sogar ein Risiko für die eigenen Geschäfte.

Verhaltene Investitionspläne

Die anhaltend hohe Verunsicherung sowie die damit verbundene geringe Zuversicht schlägt sich auch in einer geringen Investitionsbereitschaft nieder. Zwar hat sich der Anteil der Unternehmen, die weniger investieren wollen, um zehn Prozentpunkte auf 18 Prozent verringert. Jedoch ist auch die Zahl der Betriebe mit expansiven Investitionsplänen zurückgegangen. Die Ausgaben für Investitionen in Deutschland dürften somit auf ihrem bisherigen geringen Niveau stagnieren. Expansionsinvestitionen bleiben Mangelware.

Standorte im Ausland sind attraktiver

Hiesige Investitionsstandorte fallen oft auch hinter Standorte im Ausland zurück. Zwar plant derzeit nur ein Viertel der regionalen Industrieunternehmen im Ausland zu investieren. Bei den meisten von diesen Betrieben (71 Prozent) ersetzen die Auslandsinvestitionen jedoch Investitionen im Inland, die vorerst zurückgestellt wurden.
Allerdings hat sich die Investitionsdynamik im Ausland abgeschwächt. Die gestiegenen globalen Unsicherheiten könnten zur größeren Zurückhaltung beigetragen haben. 27 Prozent aller im Ausland aktiven Industrieunternehmen habe ihre Budgets für Auslandsinvestitionen erhöht, nicht einmal halb so viele wie vor Jahresfrist. 60 Prozent wollen im Jahr 2026 gleich viel investieren, wie im Vorjahr und 13 Prozent planen, ihr investives Auslandsengagement zu reduzieren.

Personalbedarf geht zurück

Die schwächelnde konjunkturelle Entwicklung schlägt zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt durch. Ein Zehntel aller Unternehmen möchte in den kommenden Monaten zusätzliches Personal einstellen. Hingegen planen 28 Prozent ihre Belegschaften zu verkleinern.
Weil der Schuh in der Krise an anderer Stelle stärker drückt, nennen weniger Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung (aktuell 43 Prozent, letzten Herbst waren es noch 48 Prozent). Der regionalen Wirtschaft ist jedoch bewusst, dass die Engpässe aus Gründen der Demografie nicht verschwinden werden. Die meisten Unternehmen versuchen daher weiterhin ihren Personalbestand zu halten (61 Prozent).
Der Arbeitsmarkt erweist sich deshalb auch weiterhin als robust. Die Arbeitslosenquote lag in der IHK-Region Ulm Ende Dezember 2025 mit 3,2 Prozent nur um 0.1 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.

Die Konjunktur in den Branchen:

Ist Ihre Branche nicht dabei? Dann schauen Sie doch mal in unser Konjunkturboard, dass weitere Abbildungen zu vielen Branchen enthält, oder in unser gemeinsames BW-Konjunkturportal, für Baden-Württemberg finden Sie dort Analysen zum Bau, Verkehr und Gastgewerbe sowie innerhalb der Texte zur Industrie, zum Service oder Handel viele Informationen zu Teilbranchen, wie dem Maschinenbau, dem Lebensmitteleinzelhandel oder den technischen, kaufmännischen oder rechtlichen Beratern..
Der IHK-Konjunkturklimaindex (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 38 KB) spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.
IHK-Saldenindikatoren (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 38 KB) werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.
Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrundeliegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.
Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialsweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zu Jahresbeginn 2026 und lief in den ersten drei Januarwochen 2026. Von über 38.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 371 Unternehmen befragt, von denen sich 164 (44,2 Prozent) an der Umfrage beteiligten.