Vorschläge für eine gelingende Fachkräfteeinwanderung

Impulse für die anstehende Weiterentwicklung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) gibt das Papier „14 Punkte für eine gelingende Fachkräfteeinwanderung und zur Reform des FEG“, in dem die IHKs in Baden-Württemberg Vorschläge für eine bessere Umsetzung der gesetzlichen Regelungen auf Landes- und auf Bundesebene und für deren Weiterentwicklung machen.
Zwischenzeitlich hat die Bundesregierung ein Eckpunktepapier zur Fachkräfteeinwanderung (pdf) vorgelegt, das zahlreiche Vorschläge der IHK-Organisation beinhaltet – viele Punkte sind jedoch noch unklar. Der DIHK hat dazu eine Ersteinschätzung abgegeben. Die IHKs werden den Gesetzgebungsprozess weiter kritisch begleiten, um angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels möglichst unbürokratische Lösungen für mehr Fachkräfteeinwanderung zu erreichen.

Fachkräfteeinwanderung hilft Fachkräfte sichern

Die Fachkräftesicherung stellt die Unternehmen im Land zunehmend vor eine schwierige Aufgabe. Um dem wachsenden Fachkräftemangel zu begegnen, ist neben der Nutzung inländischer Potenziale die Beschäftigung oder Ausbildung von Fachkräften aus Drittstaaten (Nicht-EU-Staaten) eine wichtige Option. Für die Unternehmen bringt sie derzeit große Herausforderungen mit sich. Sie reichen von bürokratischen und teils sehr langwierigen Verfahren über Vorbehalte der Unternehmen gegenüber Qualifikation und Deutschkenntnissen der Zugewanderten bis hin zu Wohnungssuche und Integrationsaufwand.
Um die Fachkräfteeinwanderung zu einem schlagkräftigen Instrument der Fachkräftesicherung auszubauen, müsste auf mehreren Ebenen angesetzt werden:
  1. Schnellere, transparente und weniger bürokratische Verfahren rund um die Fachkräfteeinwanderung und eine bessere Umsetzung der Regelungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) auf Landes- wie auf Bundesebene
  2. Weiterentwicklung der gesetzlichen Regelungen und Ausweitung der Zuwanderungsmöglichkeiten
  3. Steigerung der Attraktivität und Bekanntheit von Baden-Württemberg bzw. Deutschland
    als Arbeits- und Lebensort durch zielgerichtete Aktivitäten und (Pilot-)Projekte zur Fachkräfteakquise im Ausland
Die IHKs in Baden-Württemberg nehmen eine aktive Rolle bei der Fachkräftesicherung der Unternehmen – auch aus dem Ausland – ein und möchten mit diesem Papier politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bei der Verbesserung von Prozessen und Regelungen unterstützen. Im engen Kontakt zu ihren Mitgliedsunternehmen, bringen sie dabei die Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis ein.
Eine Verbesserung von Einwanderungsgesetzgebung und deren Umsetzung kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn ausländische Fachkräfte hier attraktive Rahmenbedingungen, z. B. hinsichtlich Wohnmöglichkeiten, (digitaler) Infrastruktur, Nahverkehr oder schlanker bürokratischer Verfahren, vorfinden. Unabdingbar sind ebenfalls eine gelebte Willkommenskultur und eine gute Unterstützung der Fachkräfte und ihrer Familien bei der Integration in unsere Arbeitswelt und Gesellschaft, wie sie beispielsweise die Welcome Center, aber auch zahlreiche Unternehmen in ihrem betrieblichen Alltag leisten.

14 Punkte für gelingende Fachkräfteeinwanderung

In Baden-Württemberg vorangehen

1. Ausländerbehörden im Land zu kompetenten und serviceorientierten Anlaufstellen für die Unternehmen bei Fachkräfteeinwanderung und im beschleunigten Verfahren ausbauen
2. Transparenz über Beratungsstrukturen auf regionaler Ebene schaffen und die Akteure vor Ort noch stärker vernetzen
3. Rahmenbedingungen für die duale Berufsausbildung von Zugewanderten verbessern und dabei verlässliche Unterstützung von Betrieben und Azubis sicherstellen wie durch das Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“
4. Rahmenbedingungen vor Ort verbessern, z. B. durch Schaffung von günstigem Wohnraum, besonders auch für Azubis
5. Berufsbegleitende Deutschkurs-Angebote für Zugewanderte weiter flexibilisieren und digitalisieren

Auf Bundesebene einfordern

6. Prüfung der beruflichen Befähigung – wie im Gesetz vorgesehen – noch mehr in die Hände der Unternehmen legen statt durch Bundesagentur für Arbeit (BA) vornehmen zu lassen
7. Visumvergabe in den deutschen Auslandsvertretungen verbessern, Visastellen dafür ausstatten und Verfahren digitalisieren

Gesetzliche Rahmenbedingungen anpassen und Fachkräfteeinwanderung fördern

8. Berufsanerkennung erleichtern:
  • Anerkennungsverfahren regelmäßig während einer Beschäftigung in Deutschland erlauben und nicht nur vorab im Heimatland
  • Bei nicht-reglementierten Berufen weitere Ausnahmen für Menschen mit Berufserfahrung schaffen
  • Zuwanderung von Arbeitskräften ohne Anerkennungsverfahren in bestimmten Engpassberufen/-branchen ermöglichen
9. Ausbildung stärken:
  • Vorrangprüfung der Bundesagentur für Arbeit als Voraussetzung für Aufnahme einer Ausbildung abschaffen
  • Neue Möglichkeiten zur Einreise für eine Ausbildungsvorbereitung schaffen
10. Einreise zur Arbeitsplatz- und Ausbildungsplatzsuche erleichtern und Probearbeiten flexibler gestalten
11. Fachkräfte, die bereits in Deutschland sind, hier halten – Zweckwechsel des Aufenthaltstitels in Richtung Ausbildung oder Beschäftigung bei Vorliegen der Voraussetzungen ohne Ausreise ermöglichen
12. Westbalkanregelung erweitern und beschleunigtes Verfahren dafür zulassen
13. Gewünschte Einwanderung finanziell fördern, z. B. Auszubildende, Ausbildungsplatzsuchende oder Personen mit Anpassungsqualifizierungsbedarf
14. Projekte zur Fachkräfteakquise im Ausland intensivieren, aus diesen Musterprozessen für gelingende Fachkräfteeinwanderung lernen und Regelungen kontinuierlich verbessern
Gesamtes IHK-Papier zum Download mit Details zu den Vorschlägen der IHKs und den Anforderungen der Unternehmen:

14 Punkte für eine gelingende Fachkräfteeinwanderung und zur Reform des FEG (PDF-Datei · 146 KB)

Weiterführende Tipps und Infos