Informationen und Praxistipps

Berufsbezogenes Deutsch

Das Beherrschen der deutschen Sprache ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt.
In den meisten Fällen reichen die im Integrationskurs erworbenen Kenntnisse nicht aus, um die im Unternehmen notwendige Kommunikation zu bewältigen. Weitere Maßnahmen und fachspezifisches Vokabular sind häufig erforderlich, um die ausländischen Bewerberinnen und Bewerber für eine Beschäftigung oder Ausbildung fit zu machen.
Die beste Umgebung, um Deutsch für den Beruf zu erlernen, ist der Arbeitsplatz. Vieles können Sie im Unternehmen selbst tun, um Zugewanderten und Flüchtlingen den Umgang mit der deutschen Sprache zu erleichtern. Hier erhalten Sie erste Tipps und Anregungen. Außerdem finden Sie verschiedene Hilfsmittel, Informationen und Links zu Fördermöglichkeiten sowie Ansprechstellen.
Corona-Update

Können Ihre ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit keine Sprachkurse besuchen? Dann ermuntern Sie sie, die zahlreichen kostenfreien Online-Angebote zum Deutschlernen zu nutzen.

Coronavirus-Informationen in unterschiedlichen Sprachen gibt es bei der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung und auf der Seite des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg.

Praktische Hinweise für den betrieblichen Alltag

  • Führungskräfte, Kolleginnen und Kollegen für Schwierigkeiten und potenzielle Missverständnisse in der Kommunikation sensibilisieren
  • lernförderliche Arbeitsumgebung schaffen, zum Beispiel durch den Einsatz von Bildern, Piktogrammen, kleinen Handbüchern oder Vokabel-Apps
  • einfache und gut verständliche Sprache verwenden, z. B. für Dokumente, die im Betrieb zum Einsatz kommen (siehe „Tipps zur Kommunikation“)
  • „Sprachmentoren“ aus der Stammbelegschaft gewinnen
  • Sprachtandems oder Lerngruppen einrichten
  • eigene berufsbezogene Deutschkurse im Betrieb organisieren
  • Teilnahme an Kursangeboten ermöglichen, Kosten für Deutschkurse übernehmen
  • Lernmedien zur Verfügung stellen

Tipps zur mündlichen und schriftlichen Kommunikation

  • Informationen gut strukturieren
  • einfache, aber korrekte Sprache verwenden:
    – langsam und deutlich sprechen, einfache Wörter verwenden
    – kurze Sätze möglichst ohne Füllwörter, eine Aussage pro Satz
    – Verben statt Substantive
    – Aktiv statt Passiv
    – kein Dialekt, keine Redewendungen, keine Ironie
    – keine „Kindersprache“
  • Sprache durch Gestik und Mimik unterstützen
  • mit Grafiken, Bildern und Fotos visualisieren
  • Abkürzungen und Fachbegriffe erklären
  • international bekannte Fremdwörter verwenden
  • Nachfragen ermöglichen, Inhalte in eigenen Worten wiedergeben lassen

Hilfsmittel

Das IQ-Netzwerk Bremen bietet in seiner Handreichung für Fachlehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder (pdf) praktische Tipps und Hinweise zum Sprachgebrauch und zur Kommunikation in Umschulung, Ausbildung und beruflicher Qualifikation.
Die IQ-Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch zeigt in ihrer Broschüre „Betriebliches Sprachmentoring“ (pdf) wie Kollegen, Vorgesetzte und andere betriebliche Akteure gezielt beim Erlernen der für die Arbeit benötigten Deutschkenntnisse unterstützen können. Tipps für die Organisation betrieblicher Deutschkurse enthält die Broschüre „Deutschkurse in Unternehmen“ (pdf).
Die Fachstelle „Übergänge in Ausbildung und Beruf“ (überaus) hat im Dossier „Sprache und Kultur in der Ausbildung“ interaktive Videos und Informationen für Ausbilder zusammengestellt, um über sprachlich bedingte Konfliktsituationen aufzuklären.


Wortschatzaufbau berufsbezogenes Deutsch

Die kostenlose Vokabel-App „MeinVokabular“ der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern ermöglicht es Auszubildenden, ein auf den eigenen Beruf abgestimmtes Bildwörterbuch mit wichtigen Begriffen des Arbeitsalltags zu erstellen. Das funktioniert ganz schnell nebenbei und erleichtert es, die Fremdwörter nach der Arbeit oder Schule nochmals zu wiederholen und so einen individuellen Fachwortschatz aufzubauen:
Um den beruflichen Wortschatz erweitern zu können, hat die Bertelsmannstiftung in ihrem Berufs-ABC wichtige Begriffe und Tätigkeiten in elf Sprachen für 30 Berufe zusammengestellt. Die Berufe sind Änderungsschneider/-in, Altenpflegehelfer/-in, Anlagenmechaniker/-in, Ausbaufacharbeiter/-in, Bäcker/-in, Bauten- und Objektbeschichter/-in, Berufskraftfahrer/-in, Elektroniker/-in, Fachlagerist/-in, Fachinformatiker/-in, Fachkraft im Gastgewerbe, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Fachkraft Metalltechnik, Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk, Friseur/-in, Gärtner/-in, Gebäudereiniger/-in, Hauswirtschafter/-in, Hochbaufacharbeiter/-in, Industrieelektriker/-in, KFZ-Mechatroniker/-in, Klempner/-in, Koch/Köchin, Landwirt/-in, Maschinen- und Anlagenführer/-in, Tiefbaufacharbeiter/-in, Tischler/-in, Verkäufer/-in, Verfahrensmechaniker/-in für Kunststoff- und Kautschuktechnik.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Organisation für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Arabischen Liga (ALECSO) stellen unter www.arabterm.org technische Online-Wörterbücher in Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch bereit für die Bereiche Kfz-Technik, Wassertechnik, Erneuerbare Energien, Elektrotechnik, Transport und Infrastruktur, Klima/Umwelt/Abfallwirtschaft, Bauingenieurwesen, Informationstechnologie, Textilindustrie.
Die IQ-Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch hat eine Liste mit Lehrwerken und -materialien für arbeitsplatzbezogenes Deutsch zusammengestellt für folgende Bereiche: Bau, Büro und Wirtschaft, Hotel/Gastronomie/Tourismus, Ingenieurwesen, Lager, Pädagogik, Pflege und Gesundheit, Rechtswissenschaft, Reinigung, Technik und Landwirtschaft, Transport und Verkehr. 
Die IQ-Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch stellt unter www.ein-tag-deutsch.de ein kostenloses Lernspiel mit Übungen zu Kommunikation, Wortschatz, Strukturen und Aussprache für Deutschlernende ab B1 für Pflegeberufe zur Verfügung.
Das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ hat für verschiedene Branchen Sprachflyer mit Vokabeln und kurzen Sätzen in Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi und Tigrinya zusammengestellt. Es gibt Flyer für Mitarbeiter/-innen in Büro, Handel, Lager/Logistik, Bus- und Berufskraftfahrer, Elektrobranche, Maler und Lackierer, Gastronomie/Hotellerie, Bäckerhandwerk, Pflege.

Berufsbezogene Deutschförderung

Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten, um ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Erlernen von berufsbezogenem Deutsch zu unterstützen. Dies geht von staatlich geförderten Deutschkursen über Sprachförderung während der Berufsausbildung, finanzielle Förderung für Unternehmen und Beschäftigte bis hin zur Steuerfreistellung von betrieblichen Deutschkursen. Weitere Infos zu den Programmen finden Sie hinter den jeweiligen Links.

Geförderte berufsbezogene Deutschkurse (auch begleitend zu Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung)

  • Kurse im Rahmen der berufsbezogenen Deutschsprachförderung des BAMF – teilnehmen dürfen Deutsche mit Migrationshintergrund, EU-Bürger und Zugewanderte, einschließlich:
    • Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive
    • Asylbewerber ohne gute Bleibeperspektive bei Einreise vor dem 1. August 2019 (Voraussetzung: nicht aus sicheren Herkunftsländern, Arbeitsmarktnähe)
    • Geduldete nach sechsmonatigem geduldetem Aufenthalt (Voraussetzung: Arbeitsmarktnähe)
  • Kurse im Rahmen der Verwaltungsvorschrift „Deutsch“ des Sozialministeriums Baden-Württemberg für Flüchtlinge und andere Menschen mit Migrationshintergrund ohne Zugang zu BAMF-Kursen.
Über durchführende Träger und aktuelle Kurstermine in der Region Stuttgart informieren IHK und Welcome Service Region Stuttgart. Deutschkurse im Stadtgebiet Stuttgart finden Sie in der Datenbank des Welcome Centers Stuttgart.
Infos und Ansprechpersonen zu Deutschkursen vor und während der Berufsausbildung bzw. Einstiegsqualifizierung enthält eine Übersicht des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg.


Deutschförderung während der Ausbildung


Finanzielle Förderung


Steuerfreiheit von betrieblichen Deutschkursen

  • Betriebliche Deutschkurse zur beruflichen Integration von Flüchtlingen müssen nicht vom Arbeitnehmer als geldwerter Vorteil versteuert werden: Sie führen nicht zu Arbeitslohn, wenn der Arbeitgeber die Sprachkenntnisse in dem für den Arbeitnehmer vorgesehenen Aufgabengebiet verlangt – siehe BMF-Schreiben vom 4. Juli 2017
  • Für Unternehmen gilt: als Fortbildungskosten sind die Kursgebühren steuerfrei

Daneben gibt es kostenfreie Angebote zum Deutschlernen (siehe „Links zu kostenfreien Sprachlernangeboten“).

Links zu kostenfreien Sprachlernangeboten

Kostenlose Online-Sprachangebote hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) (pdf) zusammengestellt.
Online-Tutorien, unter anderem einen B2-Deutschkurs Beruf, gibt es auf dem VHS-Lernportal der Volkshochschulen.
Online-Übungen mit wichtigen Wörtern für ausgewählte Berufsbilder wie Handwerk, Gastronomie oder Dienstleistung stellt das Goethe-Institut zur Verfügung.
Bei der Deutschen Welle gibt es kostenlose Video-Lektionen und Online-Aufgaben.

Informationen und Ansprechstellen

Die Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch des IQ-Netzwerks gibt Ihnen Hilfestellung, wie Sie als Unternehmen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Deutschlernen unterstützen können – sei es durch Organisation von Deutschkursen, Sprachcoaching oder Sprachmentoring.

Folgende Leitfäden zeigen, wie Sie Sprachkenntnisse einschätzen können, welche Angebote und Förderungen es zum Deutschlernen gibt und was Sie im Betrieb selbst tun können: