Geschäftslage hellt sich leicht auf – Erwartungen bleiben jedoch verhalten
2026 kann auch für die Rems-Murr-Wirtschaft das Jahr zur Überwindung der langanhaltenden konjunkturellen Schwächephase werden. Denn aus den Rückmeldungen der Betriebe an Rems und Murr sind Anzeichen einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau erkennbar, auch wenn eine dynamische Erholung derzeit noch außer Sichtweite bleibt.
Zwar beweist die regionale Wirtschaft trotz der andauernden wirtschaftspolitischen Schockwellen aus den USA eine beachtliche Resilienz, doch die anhaltende Unsicherheit belastet die transatlantischen Handelsbeziehungen weiterhin massiv. Dessen ungeachtet bleiben verlässliche und berechenbare Handelsbeziehungen mit den USA weiterhin von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund sind die in jüngster Zeit von der EU abgeschlossenen Handelsabkommen mit Indien und den südamerikanischen Mercosur-Staaten essenziell wichtig für die heimische Wirtschaft und müssen schnellstmöglich umgesetzt werden.
Im Verarbeitenden Gewerbe verdeutlicht die schwache Kapazitätsauslastung eine sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit, was die Gefahr eines weiteren Abbaus von Produktionskapazitäten am Standort erhöht. Auch wenn die Phase rückläufiger Exporte vorläufig endet, ist davon auszugehen, dass aufgrund struktureller Defizite und hoher Kostenbasis weiter Marktanteile verloren gehen könnten. Die schwache Nachfrage zieht sich dabei durch viele weitere Branchen.
Derzeit fehlen die nötigen Reformanstrengungen und Wachstumstreiber, um die strukturellen Hemmnisse zu überwinden. Viele Betriebe trauen der expansiven Finanzpolitik offenbar nicht zu, die gesamtwirtschaftliche Dynamik nachhaltig zu beleben, weshalb die Investitionsbereitschaft im Inland auf einem besorgniserregend niedrigen Stand verharrt. Der Konjunkturmotor kommt damit weiterhin viel zu langsam in Schwung.
Gesamtwirtschaft
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Die Gesamtwirtschaftslage hat sich gegenüber der Einschätzung im Herbst 2025 verbessert. Als gut bewerten nun 28,8 Prozent (H 20,6 Prozent) der befragten Unternehmen aus dem Rems-Murr-Kreis ihre Wirtschaftslage. Ihre aktuelle Lage als zufriedenstellend bewerten 49,3 Prozent, ein knappes Prozent mehr als im Frühjahr 2025. 21,8 Prozent der Unternehmen betrachten ihre Lage als schlecht. Das sind 9 Prozent weniger als bei der letzten Umfrage. Im Herbst 2025 waren es 26,4 Prozent.
Die Erwartungen für die kommenden 12 Monate zeigen sich annähernd wie zu Jahresbeginn 2025 und spiegeln nicht das negative Ergebnis aus der Herbstumfrage wider. 25 Prozent (H 36,5 Prozent) der befragten Unternehmen erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. 57,6 Prozent (H 47,4 Prozent) der Unternehmen zumindest eine gleichbleibende Geschäftslage. Eine Verbesserung sehen 17,5 Prozent (H 16,1 Prozent). Große Erwartungen sind nicht sichtbar.
Industrie und Bau
Aktuell bewerten 21,8 Prozent (H 16,9 Prozent) der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als gut, eine schlechte Lage melden 27,2 Prozent (H 37,2 Prozent). Der Geschäftslageindikator hat sich erholt und liegt bei minus 5,4 Punkten (H minus 20,3 Punkte). Mit befriedigenden Geschäften bewerten 50,9 Prozent (H 45,9 Prozent) ihre Lage.
Die Erwartungen für die kommende Monate deuten nicht darauf hin, dass eine rasche Trendwende eingeläutet ist. 19,5 Prozent (H 18,4 Prozent) der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 21 Prozent (H 30,9 Prozent) mit einer Verschlechterung. Mit gleichbleibenden Erwartungen von 59,5 Prozent (H 50,7 Prozent) blickt etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer in die Zukunft. Der Geschäftserwartungsindikator liegt mit minus 1,5 Punkten (H -12,5 Punkten) weiterhin im negativen Bereich, wenn auch deutlich verbessert.
In der Industrie zeigen sich nach mehreren Monaten der Talfahrt erste Anzeichen einer Stabilisierung. Besonders deutlich fällt die Stimmungsaufhellung in der Elektrotechnik einschließlich der Zulieferindustrie aus. Sorgenkind bleibt der Maschinenbau. Dort ist die Lage weiterhin angespannt.
Auch die Bauwirtschaft im Rems‑Murr‑Kreis zeigt leichte Erholungstendenzen, bleibt aber insgesamt in einem frühen Stadium der Stabilisierung. Besonders im Wohnungsbau deutet sich nach der langanhaltenden Schwächephase eine Bodenbildung an. Die aktuellen Einschätzungen der Unternehmen unterstreichen diese vorsichtige Verbesserung.
Handel
Im Groß- und Einzelhandel betrachten 19,4 Prozent (H 14,8 Prozent) der Unternehmen ihre Lage als gut. Zufrieden sind 50 Prozent (H 53,7 Prozent). Schlecht bewerten ihre Lage 30,6 Prozent (H 31,5 Prozent).
Das sehr verhaltende Kaufverhalten der Kunden führt weiterhin dazu, dass 32,3 Prozent (H 42,6 Prozent) der Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Situation erwarten. 56,5 Prozent (H 50 Prozent) rechnen mit gleichbleibenden Geschäften. Mit einer Verbesserung rechnen 11,3 Prozent (H 7,4 Prozent).
Die derzeitige gesamtwirtschaftliche Lage führt dazu, dass viele potenzielle Konsumentinnen und Konsumenten ihre finanziellen Prioritäten neu ausrichten. Maßnahmen zur finanziellen Absicherung gewinnen an Bedeutung, während Konsumzurückhaltung spürbar zunimmt. Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich im Einzelhandel, in dem eine nachhaltige Belebung weiterhin ausbleibt. Selbst das traditionell umsatzstarke Weihnachtsgeschäft konnte zum Jahresende 2025 nicht die erhoffte Trendwende herbeiführen.
Ähnlich ist die Lage im Großhandel. Zwar hat sich die Stimmung in der Branche leicht aufgehellt, insgesamt überwiegen jedoch weiterhin pessimistische Einschätzungen. Besonders im produktionsnahen Großhandel und im Baustoffhandel bestehen trotz erster Erholungssignale anhaltend große Herausforderungen.
Dienstleister
Nach dem deutlichen Einbruch im Herbst zeigt sich die Dienstleistungsbranche wieder optimistischer. Es betrachten 41,4 Prozent (H 27,5 Prozent) der befragten Unternehmen ihre Lage als gut. Zufrieden mit ihrer Lage zeigen sich 47,3 Prozent (H 49,1 Prozent) der Unternehmen. 11,3 Prozent (H 23,4 Prozent) bewerten ihre Lage als schlecht.
Hinsichtlich der Geschäftserwartung gehen 18,5 Prozent (H 17,8 Prozent) der Unternehmen von einer Verbesserung in den kommenden 12 Monaten aus. 56,1 Prozent (H 42,4 Prozent) gehen von gleichbleibenden und 25,3 Prozent (H 39,8 Prozent) von schlechteren Ergebnissen aus.
Einen positiven Impuls setzen die sonstigen Dienstleistungen. Besonders Unternehmen aus den Bereichen technische, kaufmännische und rechtliche Beratung sowie aus den Finanzdienstleistungen verzeichnen eine anhaltend gute Nachfrage.
Das Hotel- und Gastgewerbe steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Die Nachfrage bleibt verhalten, während gleichzeitig die Betriebskosten steigen. Insbesondere hohe Energiepreise sowie die Anhebung des Mindestlohns belasten die Ertragslage spürbar. Auch die seit Jahresbeginn geltende Absenkung der Umsatzsteuer auf Speisen von 19 auf 7 Prozent kann diese negativen Effekte nur begrenzt abfedern.
Exporterwartungen
Der Anteil der Unternehmen, die mit steigenden Exporten rechnen ist mit 25,9 Prozent leicht gestiegen, (H 17,8 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit stabilen Erwartungen liegt bei 49,6 Prozent (H 44,4Prozent). Der Anteil negativer Stimmen ist auf 24,4 Prozent (H 37,8 Prozent) gesunken.
Die protektionistische Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump führte zu deutlichen Spannungen, insbesondere durch kurzfristig verhängte Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Diese Maßnahmen erzeugten Unsicherheit, belasteten die Unternehmen und lösten Gegenmaßnahmen der EU aus. Trotz dieser temporären Störungen blieb die wirtschaftliche Verflechtung insgesamt robust, und beide Seiten bemühen sich, die strategische Bedeutung der transatlantischen Zusammenarbeit zu bewahren.
Weitere detaillierte Information zur konjunkturellen Einschätzung der Außenwirtschaftsentwicklung für die Region Stuttgart sind im Außenwirtschaftsbarometer der IHK Region Stuttgart enthalten, siehe hier oder in Außenhandel kompakt, siehe hier
Inlandsnachfrage
Die Inlandsinvestitionen sind in allen betrachteten Branchen seit einigen Jahren deutlich zurückgegangen. Besonders stark ist der Rückgang in der Gruppe Industrie und Bau, deren Investitionssalden über einen längeren Zeitraum hinweg am deutlichsten fallen und mit minus 24,2 den niedrigsten Wert aller betrachteten Branchen aufweisen. Auch die Gesamtwirtschaft folgt diesem Abwärtstrend mit minus 14,8 Punkten, während Handel und Dienstleistungen mit minus 14,3 bzw. minus 3,6 Punkten etwas moderater, aber dennoch negativ abschneiden. Insgesamt zeigt die Grafik, dass Unternehmen branchenübergreifend zurückhaltender investieren und die Investitionsbereitschaft in den letzten Jahren spürbar abgenommen hat.
Zu Beginn des Jahres 2026 zeigen die Investitionsmotive der Unternehmen eine leichte Verschiebung. Während der Ersatzbedarf und die Digitalisierung weiterhin die zentralen Treiber bleiben, haben sie im Vergleich zum Herbst 2025 leicht an Relevanz verloren. Dass der Ersatzbedarf trotz dieses Rückgangs ein wichtiges Motiv bleibt, verdeutlicht den anhaltenden Druck, veraltete Anlagen für die Betriebssicherheit zu erneuern – es deutet jedoch auch darauf hin, dass die dringendsten Austauschprojekte teilweise bereits im Vorjahr durchgeführt wurden.
Auffällig ist der wachsende Fokus auf Rationalisierungsmaßnahmen. In einem Umfeld hoher Betriebskosten setzen Betriebe verstärkt auf Effizienzsteigerungen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Positiv hervorzuheben ist das gestiegene Gewicht von Innovationen, was eine vorsichtige Bereitschaft signalisiert, trotz schwieriger Rahmenbedingungen in neue Technologien zu investieren. Demgegenüber treten Erweiterungsinvestitionen sowie Projekte im Bereich Umwelt- und Energieeffizienz derzeit spürbar in den Hintergrund, da viele Unternehmen in der aktuellen Seitwärtsbewegung der Konjunktur primär auf Bestandssicherung statt auf Expansion setzen.
Risiken
Die Unternehmen signalisieren eine, wenn auch moderate Verbesserung der zuletzt sehr schwachen Inlandsnachfrage. Dennoch bleibt diese der größte Risikofaktor für die befragten Firmen. Auch die Kostenbelastungen durch hohe Arbeits- und Energiekosten bleiben eine zentrale Herausforderung, die den Spielraum für private Investitionen massiv einschränkt. Während die wirtschaftspolitische Unsicherheit im Vergleich zur Herbstbefragung abgenommen hat und auch der Fachkräftemangel etwas weniger kritisch gesehen wird, hemmen die anhaltenden geopolitische Spannungen und Schwierigkeiten in den Lieferketten eine deutliche Verbesserung
Beschäftigtenzahlen
Im Januar 2026 lag die Arbeitslosenquote im Rems‑Murr‑Kreis bei 4,8 Prozent. Die anhaltenden Strukturveränderungen und der wirtschaftliche Abschwung zeigen inzwischen deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Entsprechend fallen auch die Beschäftigungserwartungen klar negativ aus: Die Unternehmen rechnen weiterhin mit einem Rückgang der Beschäftigung (–12,8 Punkte), wenn auch etwas weniger stark als noch im Herbst des Vorjahres. Besonders betroffen sind die Industrie- und Baubranche (–24,3) sowie der Handel (–21,0), die deutliche Personalreduzierungen erwarten. Einzig der Dienstleistungssektor sticht mit +3,9 Punkten leicht positiv hervor und zeigt sich verhalten optimistisch.
Das aktuelle Stimmungsbild basiert auf der Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart, welche in der Zeit vom 29. Dezember 2025 bis 20. Januar 2026 stattgefunden hat. In diese Sonderauswertung für den Rems-Murr-Kreis flossen die Rückmeldungen von 194 Unternehmen ein. Die Sonderauswertung der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr erscheint dreimal jährlich und spiegelt die Einschätzung der Wirtschaftslage zum Zeitpunkt des Abfragezeitraums wider.