Erste Testfahrten auf der Schlei
Die Teilnahme am Wettbewerb war ein bewusster Schritt. „Wir wollten testen, ob andere das, was wir tun, genauso einzigartig finden wie wir selbst“, berichtet Jan Brügge. Der zweistufige Prozess beinhaltet die Anmeldung zur Eignungsprüfung und nach erfolgreichem Ergebnis die offizielle Bewerbung. Erst dann diskutiert die internationale Jury, ob eine
Innovation „Zukunft denkt“ – die Woy gehörte dazu. Dagegen kam die Nominierung zur „
European Yacht of the Year“ unerwartet. Jan Brügge: „Ich war gerade in England, als der Anruf kam. ‚Wir nominieren euch. Kommt ihr zu den Tests?‘ Es folgte eine Woche
Seatrials in Barcelona, bei denen Bootstester der führenden Yachtmagazine Europas das Boot auf Herz und Nieren prüften. Jeden Tag vier Experten, je zwei Stunden pro
Slot. Am Ende überzeugte die Woy – und holte nicht nur den Hauptpreis, den ‚Oscar der Branche‘, sondern zusätzlich den ‚Seifritz-Transferpreis Handwerk + Wissenschaft‘.“
Am besten ist, wenn Kunden hier auf der Werft vorbeikommen und das Boot live erleben.
Jan Brügge, Jan Brügge Bootsbau GmbH
Preise allein bringen keine Kunden. Doch wer sie richtig hochhält, kann internationale Wellen schlagen. „Wir haben die Chance genutzt, im wunderschönen Revier vor Barcelona atemberaubende Aufnahmen zu machen“, erklärt Jan Brügge. „Diese Videos zeigen das volle Potenzial unserer Woy.“ Doch der wahre Hebel liege im Erlebnis. „Am besten ist, wenn Kunden hier auf der Werft vorbeikommen und das Boot live erleben.“
Die Jury des German Innovation Awards lobte Brügges Konzept, das Klima und Wirtschaft zielführend vereint. Doch wie lebt man das? „Wir sind keine Öko-Fundamentalisten“, betont Brügge. Holz als nachwachsender Rohstoff ist die Basis, aber nicht um jeden Preis. „Wo es Sinn macht, setzen wir auf Bio-Harze oder recycelte Materialien. Und wenn High-End-Kohlefaser nötig ist, um ein Top-Boot zu bauen, dann machen wir das.“ Der pragmatische Ansatz ist erfolgreich, und auch finanziell bleibt das Konzept tragbar. „Es geht darum, Stellschrauben zu drehen, die nicht wehtun.“ So bezieht die Werft Ökostrom, arbeitet mit einer sozial-ökologischen Bank und beweist, dass Nachhaltigkeit kein Luxus sein muss.
Mittlerweile arbeiten über 20 Bootsenthusiasten in den Hallen direkt an der Schlei. Wer die Werft besucht, spürt es sofort: Hier wird Bootsbau gelebt. „Wir machen unseren Job aus Leidenschaft – und wollen Spaß dabei haben“, sagt Jan Brügge. „Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn es einmal eng wird, zieht jeder mit. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“ Der Teamspirit ist greifbar – und vielleicht genau der Grund, warum hier Innovationen entstehen, die die Branche bewegen.
Autor: Ralf Czwalinna
Veröffentlicht: Juli 2026