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Auf der Baustelle zu Hause
Eine geeignete Unternehmensnachfolge finden, marode Infrastruktur modernisieren und unnötige Bürokratie bewältigen sind nur drei Themen, die die Bauwirtschaft in Norddeutschland aktuell beschäftigen. Zwei Unternehmen stellen sich vor und berichten von ihrem Blick auf die Dinge.
Die Levensauer Hochbrücke / Kiel
2.000 Kubikmeter Beton und 600 Tonnen Stahl braucht es, um allein eines der vier neuen Widerlager der Levensauer Hochbrücke bei Kiel zu fertigen. Aktuell schätzt das Wasserstraßen-Neubauamt Nord-Ostsee-Kanal die Kosten für den Neubau auf über 200 Millionen Euro. In dieser Größenordnung sind 200 Seiten lange Rechnungen von den ausführenden Baufirmen keine Seltenheit. „Für unseren Kunden ist es unmöglich, selbst zu beurteilen, ob das alles stimmt und den vertraglichen Vereinbarungen entspricht“, so Mike Wedekind von der WeGo Ingenieure & Partner GbR in Flensburg.
Mike Wedekind Geschäftsführer WeGo
Das Unternehmen begleitet das Wasserstraßen-Neubauamt NOK beim Neubau der Brücke. Wedekind und seine Kollegen prüfen, ob alles fachgerecht ausgeführt und angegebene Extra-Kosten (sogenannte Nachträge) gerechtfertigt sind. Bei der Levensauer Hochbrücke zum Beispiel kann ein Felsbrocken im Boden schon eine Kostensteigerung im hohen sechsstelligen Bereich bedeuten, weil für die Fundamente 50 Meter tief und zwölf Meter breit gegraben wird. „Indem wir die Baustelle vor Ort überwachen, helfen wir den Bauherren dabei, Kosten zu sparen und die Qualität sicherzustellen, die sie erwarten.“ Mike Wedekind gründete WeGo Ingenieure im Jahr 2020 gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Lars Goldbeck.
Die beiden gelernten Bauzeichner machten gemeinsam Abitur, verloren sich danach aber aus den Augen. Wedekind führte nach dem Ingenieur-Studium zwanzig Jahre ein eigenes Bauunternehmen in Südfrankreich, Goldbeck war leitender Bauingenieur beim größten Ingenieurbüro in Flensburg. Als Wedekind zurück in den Norden zog, nahmen sie den Kontakt wieder auf. „Lars ist der Statiker, ich mache die Bauleitung sowie -überwachung und Büroorganisation. Das passt einfach“, sagt der gebürtige Nordfriese. Mittlerweile leiten die beiden ein siebenköpfiges Team. Im Bereich Tragwerksplanung und Statik betreut das Ingenieurbüro Bestands- und Neubauprojekte vom Ein- und Mehrfamilienhaus bis hin zu Schulen, Feuerwehrgebäuden und Gewerbebauten. Für den DWD (GMSH) erstellen sie Messtürme an den Küsten von Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Trotz spürbaren Fachkräftemangels auf der Suche nach erfahrenen Ingenieuren sowie gestiegenen Zinsen und Materialpreisen sieht der Unternehmer WeGo Ingenieure gut aufgestellt. Was Wedekind aber vor die größte Herausforderung stelle, sei die unnötige Bürokratie in der Baubranche. Zahlreiche Vorschriften und Gesetze halte er für übertrieben und könne er nicht nachvollziehen. Auch mangelnde Flexibilität der Behörden ärgere ihn.
Stahl und Beton über dem Nord-Ostsee-Kanal
Dass der behördliche Aufwand in den letzten Jahren zugenommen hat, stellt auch das Bauunternehmen Wittrock GmbH & Co. KG in St. Michaelisdonn fest. „Wir gehen diese Aufgaben strukturiert und effizient an und profitieren dabei von den in Dithmarschen weiterhin kurzen Abstimmungswegen“, sagt Geschäftsführer Steffen Wittrock, dessen Unternehmen auf landwirtschaftlichen und gewerblichen Hallenbau in Norddeutschland spezialisiert ist. Das Besondere: Der Betrieb bietet vom Konzept, über Planung, Statik, Baugenehmigung bis hin zur Baubegleitung und -leitung alles an. „Dass wir die Planung bis zum fertigen Objekt abdecken können, schätzen unsere Kunden sehr, genau wie den zentralen Ansprechpartner während der gesamten Bauphase“, so Geschäftsführer Fin Galinowski.
Wittrock Geschäftsführer: Steffen Wittrock / Fin Galinowski
Das Familienunternehmen gibt es seit 1902 in St. Michaelisdonn. Steffen Wittrocks Urgroßvater, Ferdinand Wittrock, gründete es damals als Zimmerei, sein Vater etablierte in den 70er-Jahren den modernen Hallenobjektbau. Heute beschäftigt der Betrieb 65 Mitarbeitende. Besonders bekannt ist das Unternehmen für die Holztragwerke der Hallen, für die es das Holz aus Forstwirtschaft in Deutschland bezieht, erklärt Steffen Wittrock. Neben dem Hallenobjektbau bietet das Unternehmen Sanierungen sowie Kundendienste etwa im Bereich Hörmanntore für Privat und Gewerbe an.
Das Mobilfunknetz ist noch ausbaufähig. Trotz der eingeführten Digitalisierung in unserem Unternehmen können wir mobile Anwendungen auf der Baustelle zum Teil nicht nutzen.Fin Galinowski
Individueller und nachhaltiger Hallenbau
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Aenne Boye