Wirtschaft im IHK-Bezirk Rostock: Iran-Krieg würgt Konjunktur ab

Nach einer kurzen Aufhellung im Verlauf des vergangenen Jahres führen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konfliktes im Nahen Osten dazu, dass der IHK-Konjunkturklimaindex im Frühsommer 2026 auf Talfahrt geht und auf 88 Indexpunkte einbricht.
Gegenüber der Umfrage zum Jahresbeginn 2026 hat sich die Geschäftslage im Urteil der Unternehmen eingetrübt, die Geschäftserwartungen mit Blick in die Zukunft sind sehr deutlich eingebrochen. Die aktuelle Lage und auch die Erwartungen der gewerblichen Wirtschaft stellen sich massiv schlechter dar als vor einem Jahr, als sich im Nachgang der außerplanmäßigen Neuwahl des Bundestages erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung am Horizont abzeichneten. Erneut führt – nach Coronapandemie und russischem Überfall auf die Ukraine – ein exogener Schock dazu, dass die gewerbliche Wirtschaft im IHK-Bezirk Rostock nochmals stark unter Druck gerät.
Die Geschäftsrisiken durch hohe Energiepreise, Lieferkettenstörungen oder steigende Rohstoffpreise in Verbindung mit der Sorge um eine schwache Nachfrage nehmen zu und lassen viele Unternehmen bei ihren Investitions- und Beschäftigungsplänen derzeit zurückhaltend agieren. Dabei sind die Erwartungen an die Politik klar: Unternehmen brauchen Planbarkeit und Sicherheit, um in einem zunehmend angespannten wirtschaftlichen Umfeld bestehen zu können.

Geschäftsklima im IHK-Bezirk Rostock

Der im Februar begonnene Krieg der USA und Israels gegen den Iran und dessen Reaktionen führen – neben allem menschlichen Leid – dazu, dass sich die Kette von exogenen Schocks fortsetzt und einen tiefen Eindruck bei der individuellen Zuversicht in die eigene wirtschaftliche Entwicklung und die Stabilität der Marktwirtschaft hinterlässt. Nach den tiefgreifenden globalen Verwerfungen der Coronapandemie und der Energieversorgungskrise zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sehen sich Betriebe sowie Konsumentinnen und Konsumenten aktuell erneut mit drastisch steigenden Energie- und besonders Kraftstoffpreisen konfrontiert. Es besteht die Gefahr, dass durch den Kostenüberwälzungseffekt die Inflation spürbar an Kraft gewinnt. Steigende Rohstoffpreise und erste Verknappungseffekte bei Rohstoffen und Vorleistungsprodukten wirken in die gleiche Richtung. Steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und eine schwankende Nachfrage setzen die Geschäfte der Unternehmen zunehmend unter Druck. Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung dürfte sich damit zerschlagen haben. In der Folge muss davon ausgegangen werden, dass die ersten positiven, gleichwohl fragilen Signale für eine konjunkturelle Erholung, die sich in den Konjunkturumfragen der IHK zu Rostock des Vorjahrs abzeichneten, wieder verlöschen und ein möglicher Aufschwung ausbleiben wird.
Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren bis heute im Modus verschiedener Krisenlagen arbeiten müssen und dabei Geschäft und wirtschaftliche Substanz verloren. Unternehmensentscheidungen sind i. d. R. mit einer längerfristigen Perspektive verbunden und setzen nicht nur deren Finanzierung, sondern auch Planungssicherheit für die Zukunft voraus. Zu den aktuellen geopolitischen Herausforderungen kommt hinzu, dass der Standort Deutschland seit Jahren kostenseitig teuer, in Planung und Genehmigung zu langsam und regulativ zu kompliziert ist. Dies geht einher mit einem Vertrauensverlust in den Reform- und Gestaltungswillen der deutschen Politik gerade im Hinblick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der sich über viele Jahre aufgebaut und verfestigt hat. Wo eigene Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, müssen Bundes- und Landespolitik daher umgehend die Handbremsen lösen und dringend benötigte Impulse für strukturelle Reformen zeitnah realisieren.

Der IHK-Geschäftsklimaindex sinkt im Frühsommer 2026 auf 88 Indexpunkte (deutschlandweiter Wert ebenfalls 88, MV-Wert: 84) und liegt damit auf der Höhe des negativsten Wertes im „Coronatal“ (Januar 2021: 89 Punkte). Zu diesen Ergebnissen kommt die Auswertung der Antworten von 245 Unternehmen im Rahmen der Konjunkturumfrage der IHK zu Rostock, die von Mitte April bis Anfang Mai 2026 stattfand.
Hintergrund: Der IHK-Konjunkturklimaindex bildet das Ergebnis der Konjunkturumfrage in einer Größe ab, indem Geschäftslage- und Geschäftserwartungseinschätzungen gleichrangig berücksichtigt werden. Er wird gebildet als geometrischer Mittelwert der Salden aus Geschäftslage und -erwartungen.
Der konjunkturelle Einbruch basiert sowohl auf einer erheblichen Verschlechterung der Geschäftslagebeurteilungen als auch auf sehr viel skeptischeren Zukunftserwartungen im Vergleich zur Vorumfrage zum Jahresbeginn 2026.
Wie bereits in den letzten Abschwungphasen der vergangenen Jahre, sind alle Zweige der gewerblichen Wirtschaft deutlich negativ betroffen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Der insgesamt aus den Umfrageergebnissen abzulesende konjunkturelle Rückschlag fordert seinen Tribut in Form stark rückläufiger Investitionsabsichten und sinkenden Beschäftigungsplänen der Betriebe.

Geschäftslage: Verschlechterung auf breiter Front

In der aktuellen Umfrage berichten nur noch knapp mehr Unternehmen von einer guten als von einer schlechten Geschäftslage (gut: 26 Prozent, schlecht: 23), die Differenz hat drastisch abgenommen: Der branchenübergreifende Geschäftslagesaldo verschlechtert sich im Vergleich zur Vorumfrage um neun auf drei Prozentpunkte. Er liegt damit weit unter dem langjährigen Mittelwert von 26 Prozentpunkten.
Hintergrund: Der Saldo ergibt sich als Differenz der prozentualen Anteile aus positiven (gut/besser) und negativen (schlecht/schlechter) Einschätzungen. Die neutralen (befriedigend/gleichbleibend) Antworten bleiben unberücksichtigt.
Während Industrie und Dienstleistungsbetriebe zwar auch eine negative Entwicklung zeigen, aber im Branchenvergleich relativ robuste Werte aufweisen, und das Baugewerbe aktuell eine Lageverbesserung meldet, leiden das Verkehrsgewerbe und der Handel stark unter dem extremen Anstieg der Kraftstoffpreise und der durch die wirtschaftliche Unsicherheit belasteten Konsumneigung der Verbraucherinnen und Verbraucher, die zu einer sichtbaren Konsumzurückhaltung führen.
Die schlechtere Lage der gewerblichen Wirtschaft zeigt sich ebenfalls in merklich rückläufigen Auftragsbeständen: 33 Prozent der betreffenden Befragten bewerteten ihren aktuellen Auftragsbestand als „eher zu gering“. Sieben Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn. Der Anteil der Einschätzungen eines „eher großen“ Auftragsbestandes sinkt leicht um drei Prozentpunkte auf elf Prozent.

Aktuelle Finanzlage: Druck steigt

Die schwierige wirtschaftliche Situation vieler der befragten Betriebe führt zu einer signifikanten Verschlechterung ihrer Finanzlage: Aktuell beurteilen nur noch 50 Prozent diese als unproblematisch. Noch vor einem Jahr lag dieser Anteil deutlich über der Hälfte der Umfrageteilnehmenden (Frühsommer 2025: 54 Prozent, Herbst 2025: 58 Prozent). Die hartnäckige konjunkturelle Schwäche der vergangenen Jahre und die erneuten Kostenbelastungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg haben dazu geführt, dass sich die Ertrags- und Umsatzsituation für viele Firmen verschärft hat und diese vermehrt auf ihre Eigenkapitalreserven zurückgreifen müssen (plus vier auf 29 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn). Der Druck auf den Cashflow resultiert darin, dass auch Liquiditätsengpässe verstärkt zu einem Sorgenfaktor werden (plus vier auf 22 Prozent) und die befragten Firmen bereits zunehmend mit Forderungsausfällen umgehen müssen (14 Prozent). In der Folge steigt der Anteil von Insolvenz bedrohter Betriebe um zwei Prozentpunkte auf vier Prozent und liegt damit dicht an negativen Höchstwerten der Coronapandemie im Jahr 2021.

Geschäftserwartungen: Im Stimmungskeller

Für die gewerbliche Wirtschaft im IHK-Bezirk ist ein möglicher Aufschwung in die Ferne gerückt. Die Erwartungen der Firmen sind über alle Wirtschaftszweige hinweg eingetrübt bis sehr pessimistisch. Neben den messbaren volkswirtschaftlichen Auswirkungen haben sechs Jahre fast ununterbrochener Krisenstimmung und -modi unbestreitbare Spuren an der prinzipiellen Zuversicht der Betriebe hinterlassen. Eine schwarz-rote Bundesregierung die – nach einem Jahr im Amt – den Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer häufig nicht gerecht wird und die außenpolitischen Kriegs- und Krisenherde finden sich in vielen ergänzend geäußerten Einschätzungen der Befragten als Erklärung dafür wieder (Freitextantworten). In der Folge sind die Geschäftserwartungen massiv eingebrochen. Gerade einmal jedes zehnte Unternehmen blickt optimistisch in die Zukunft (11 Prozent). Mehr als dreimal so viele Umfrageteilnehmende (37 Prozent) befürchten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäfte. Der Erwartungssaldo liegt mit minus 26 Prozentpunkten erheblich unter seinem langjährigen Durchschnittswert von minus zwei Prozentpunkten).

Investitionen: Nur das Nötigste

Einhergehend mit den stark pessimistischen Geschäftsperspektiven setzen die Unternehmen bei ihren Investitionsbudgets den Rotstift an. Der Investitionssaldo sinkt um 14 auf minus 26 Prozentpunkte und erreicht damit den tiefsten Wert seit fast zwei Jahrzehnten im Rahmen der IHK-Konjunkturumfrage. Mehr als jeder dritte Betrieb gibt an, in den nächsten zwölf Monaten keine Investitionen zu planen (37 Prozent).
Wie üblich in konjunkturell schweren Zeiten liegt der Fokus der Firmen mit Investitionsabsichten auf der Substanzerhaltung: 79 Prozent beabsichtigen Ersatzinvestitionen vorzunehmen. Für viele Befragte rückt aktuell die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten durch Erweiterungsinvestitionen in den Hintergrund (26 Prozent). Besonders trifft dies auf Unternehmen zu, denen die schwache Inlandsnachfrage gerade Sorgen bereitet (18 Prozent). Die durch den Irankrieg erneut stark gestiegenen Energiepreise wie auch steigende Arbeitskosten führen hingegen dazu, dass Planungen für kostensenkende Rationalisierungsinvestitionen verstärkt werden (plus fünf auf 40 Prozent). Bei investitionsbereiten Betrieben, die Energie- und Arbeitskosten explizit als Hemmnisse benennen, liegt der Anteil sogar bei 46 Prozent.

Fremdfinanzierung: Aktuell noch unkritisch

Der Zugang zur Fremdkapitalfinanzierung wird von den befragten Unternehmen, auch vor dem Hintergrund bislang stabil niedriger Zinsen, weiterhin überwiegend als unproblematisch dargestellt. Die meisten Befragten haben einen guten (22 Prozent) bzw. zufriedenstellenden (19 Prozent) Zugang zu Fremdfinanzierungen. Weitere 47 Prozent benötigen keine Finanzierung von dritter Seite. Insgesamt klagen 13 Prozent der Firmen über einen schlechten Zugang oder abgelehnte Finanzierungsanträge. Von den betroffenen Unternehmen werden die geforderten Kreditsicherheiten (59 Prozent) und der darzustellende eigene Finanzierungsanteil (41 Prozent) als Hauptgründe für die Verschlechterung angeben.

Exporte: Schlechte Zeiten für das internationale Geschäft

Konnten sich die globalen Lieferketten nach dem Coronaschock in den vergangenen Jahren wieder erfolgreich reorganisieren, streut der im Februar gestartete Irankrieg mit der Quasiblockade der global wichtigen Seestraße von Hormus wieder viel Sand ins Getriebe der eng verflochtenen Weltwirtschaft und führt vor Augen wie anfällig global verflochtene Wertschöpfungsketten sind, insbesondere dann, wenn zentrale Handelsrouten geopolitisch unter Druck geraten. Die dadurch stark gestiegenen Energiepreise und die damit verbundenen Auswirkungen auf Transportkosten und Frachtraten wirken wie ein zusätzlicher Bremsklotz in einer Zeit, in der neben der einheimischen Volkswirtschaft auch viel ausländische Absatzmärkte unter einer Wachstums- und Nachfrageschwäche leiden. In der Folge sind die Exportaussichten der befragten Betriebe anhaltend pessimistisch. Jedes dritte grenzüberschreitend aktive Unternehmen geht von sinkenden Ausfuhren in den nächsten Monaten aus. Gerade einmal elf Prozent rechnen mit einer Steigerung ihrer internationalen Umsätze. Der Exportsaldo liegt mit minus 20 Prozentpunkten deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von minus sieben.

Beschäftigung: Fachkräfte für bessere Zeiten sichern

Der herbe Verlust an geschäftlicher Zuversicht führt dazu, dass die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen im IHK-Bezirk Rostock deutlich unter Druck geraten. Erheblich mehr Betriebe als noch in der Vorumfrage müssen ihre Personalpläne nach unten anpassen: Der Saldo der Beschäftigungsabsichten verschlechtert sich im Vergleich zur Vorumfrage vom Januar um sechs auf minus 15 Prozentpunkte. Gleichwohl ist offensichtlich, dass ein Großteil der Befragten auch in der Krise ihre qualifizierten Mitarbeitenden im Unternehmen halten wollen, denn drei Viertel aller Firmen geben an, ihr Beschäftigungsniveau wenigstens konstant halten zu wollen.

Dies zeigt sich auch daran, dass selbst in der aktuell herausfordernden konjunkturellen Phase noch fast vier von zehn Unternehmen offene Stellen aktuell nicht besetzen können, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Besonders die Industrie bekommt das zu spüren: 45 Prozent der betreffenden Befragten geben an, dass Stellen unbesetzt bleiben müssen. Branchenübergreifend erwarten sieben von zehn Unternehmen mit offenen Stellen, dass aufgrund des Fachkräftemangels knappheitsbedingt die Arbeitskosten weiter steigen werden (68 Prozent).

Probleme: Der Irankrieg als Sorgenbooster

Einhergehend mit den wirtschaftlichen Verwerfungen des Nahostkonfliktes katapultieren sich die „Energiepreise“ und die aus der Coronapandemie altbekannten Problemgeschwister „Rohstoffpreise“ und „Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vorprodukten“ mit Macht zurück in den Sorgenkatalog der befragten Unternehmen. Die Risikokategorie „Energiepreise“ wird von 62 Prozent der Befragten genannt (plus 22 Prozentpunkte) und kehrt auf die (negative) „Spitzenreiterposition“ der betrieblichen Sorgenkategorien zurück. Die „Arbeitskosten“ (plus acht Prozentpunkte auf 59 Prozent) und die „Rohstoffpreise“ (plus 20 Prozentpunkte auf 48 Prozent) nehmen den zweiten und dritten Platz in der Rangfolge der aus Sicht der Betriebe drängendsten Hemmnisse und Probleme ein. Die „Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vorprodukten“ wird aktuell an siebenter Stelle genannt, hat jedoch einen starken Zuwachs im Vergleich zur Umfrage zu Jahresbeginn realisiert (plus 15 Prozentpunkte auf 22 Prozent).

Geschäftsklima in den Branchen

Industrie

Der wirtschaftliche Status quo der befragten Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn weiter eingetrübt. Der Anteil der Firmen, die die aktuelle Lage mit „schlecht" bewerten, bleibt zwar weitgehend unverändert bei 14 Prozent, allerdings sinkt der Anteil der positiven Antworten um sechs auf 24 Prozentpunkte. Sechs von zehn Industriebetrieben bewerten die aktuelle Geschäftslage immerhin mit „befriedigend“.
Überwogen bei den Geschäftsaussichten in der Vorumfrage noch die zuversichtlichen Befragten, so hat sich das Verhältnis im Herbst umgekehrt: 24 Prozent blicken pessimistisch in die Zukunft und nur noch 13 Prozent erwarten bessere Geschäfte. Im Vergleich der Wirtschaftszweige steht die Industrie jedoch mit einem Branchenklimaindexwert von 101 Indexpunkten – zusammen mit der Dienstleistungswirtschaft, die auf den gleichen Indexwert kommt – am wenigsten schlecht dar. Dies äußert sich auch in – abweichend von allen anderen Wirtschaftszweigen – noch verhältnismäßig guten Beschäftigungsabsichten (Beschäftigungssaldo: lediglich minus zwei Prozentpunkte).

Baugewerbe

Die aktuelle Lage der befragten Baubetriebe stellt sich überwiegend positiv dar: 39 Prozent konstatieren „gute“ Geschäfte und nur acht Prozent geben eine negative Rückmeldung. Allerdings sehen vier von zehn Baufirmen pessimistisch in die nähere Zukunft (38 Prozent). Jede zweite Firma geht immerhin von einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung aus. Der Branchengeschäftsklimaindex verbessert sich leicht um fünf auf nunmehr 95 Indexpunkte. Er liegt damit deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von 108. Noch kann der Wirtschaftssektor auf einen „ausreichend großen/saisonüblichen“ (42 Prozent) oder „eher großen“ (17 Prozent) Auftragsbestand zurückgreifen. Viel wird davon abhängen wann die Bauinvestitionsmaßnahmen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Bundeswehr sich vollumfänglich in konkrete Bauprojekte für die heimischen Betriebe umsetzen.

Handel

Die wieder anziehende Inflation, die unsicherheitsbedingte Konsumzurückhaltung der Verbrauchenden und auch der weiter intensive Wettbewerb mit nichtstationären Einzelhändlern sorgen weiterhin für ein sehr schwieriges Geschäftsumfeld für die regionalen Handelsunternehmen. Fast doppelt so viele Händler beurteilen ihre Geschäftslage positiv wie negativ („gut“: 20 Prozent, „schlecht“: 36 Prozent). Die Geschäftserwartungen weisen eindeutig in eine noch negativere Richtung: Nur knapp fünf Prozent der befragten Betriebe gehen von einer Verbesserung, 43 Prozent von einer gleichbleibenden und 52 Prozent von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus. Der Branchengeschäftsklimaindex sinkt von 80 auf 67 Indexpunkte und erreicht damit seinen zweitschlechtesten Wert der vergangenen fünfzehn Jahre (Herbst 2022: 58).

Verkehrsgewerbe

Genauso miserabel wie im Handel stellt sich die geschäftliche Situation derzeit bei den Verkehrs- und Logistikbetrieben dar: Der Geschäftslagesaldo verschlechtert sich gegenüber Jahresbeginn massiv und sinkt um 27 auf minus 24 Prozentpunkte. Gingen zu Jahresbeginn noch 38 Prozent der Betriebe von einer Eintrübung ihrer Geschäfte aus, so erhöht sich dieser Anteil drastisch auf 56 Prozent in der aktuellen Umfrage. Die Auftragsbestände der Logistiker stehen unter starkem Druck: 35 Prozent sehen einen „eher zu geringen“ Auftragsbestand und nicht ein befragtes Verkehrsunternehmen stellt das Gegenteil fest. Der Branchenklimaindex fällt um 24 auf 66 Indexpunkte (langjähriger Mittelwert: 113).

Dienstleistungsgewerbe

Auch die Dienstleister bekommen den erneuten gesamtwirtschaftlichen Stimmungseinbruch in der anhaltenden Rezession zunehmend deutlicher zu spüren. Auch bei ihnen verschlechtert sich die Geschäftslage: 33 Prozent der Befragten beurteilen die aktuelle Lage als „gut“, 53 Prozent als „befriedigend“ und 14 Prozent als „schlecht“. Der Geschäftslagesaldo sinkt im Vergleich zur Jahresbeginnumfrage um sieben auf 18 Prozentpunkte. Die Mehrheit der Dienstleister geht auch weiterhin von konstanten Geschäften aus (61 Prozent). Eine Verbesserung der Lage erwarten 13 Prozent der Firmen und etwas mehr als ein Viertel geht von einer Verschlechterung aus (26 Prozent). Der Branchenklimaindex sinkt auf 101 Indexpunkte und liegt damit weit unter dem langjährigen Durchschnittswert von 118.

Gastgewerbe

Die Beherbergungs- und Gaststättenunternehmen konnten ihre wirtschaftliche Lage im Vergleich zum Beginn des Jahres trotz gestiegener Kosten für Energie und Arbeitskräfte auf bescheidenem Niveau behaupten. Aktuell bewerten 27 Prozent (Jahresbeginn: 15) der befragten Gastbetriebe ihre Lage positiv und ungefähr gleich viele sind unzufrieden (29 Prozent, Jahresbeginn: 21). Auf die kommenden Monate blickt die Branche allerdings sogar etwas pessimistischer als die gewerbliche Wirtschaft im Allgemeinen: Nur zwölf Prozent des Gastgewerbes erwarten eine Verbesserung der Situation (Vorumfrage: 22) und 44 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Der Branchenklimaindex sinkt um 15 auf 82 Indexpunkte und rangiert damit 24 Indexpunkte unter seinem langfristigen Mittelwert.

Geschäftsklima in den Regionen des IHK-Bezirks

Zwischen den einzelnen Regionen im IHK-Bezirk Rostock bildet sich die konjunkturelle Situation wie gewohnt heterogen ab, wenngleich nicht mehr ganz so auseinandergehend wie in der jüngeren Vergangenheit. Im regionalen Vergleich über den IHK-Bezirk stellt sich auch derzeit die Situation für die Betriebe im Landkreis Vorpommern-Rügen am herausforderndsten dar (IHK-Konjunkturklimaindex: 80 Indexpunkte, Vorumfrage: 94). Das Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft der Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Index: 98 Punkte, Vorumfrage: 107 Punkte) und im Landkreis Rostock (Index: 84 Punkte, Vorumfrage: 95) hat sich etwas weniger stark eingetrübt. Am wenigsten pessimistisch blicken aktuell die Unternehmen im regionalen Wirtschaftszentrum Rostock auf die kommenden Monate: hier gehen 29 Prozent von einer schlechteren Entwicklung aus (Lagesaldo: 10 Prozentpunkte, Erwartungssaldo: -13 Prozentpunkte). Im Landkreis Rostock erwarten 43 Prozent eine weitere Eintrübung (Lagesaldo: 6, Erwartungssaldo: -33). Im Landkreis Vorpommern-Rügen befürchten mit 40 Prozent der befragten Betriebe etwas weniger Firmen eine Verschlechterung, allerdings stellt sich die aktuelle Lage deutlich kritischer dar (Lagesaldo: -6, Erwartungssaldo: -32).

Die Wirtschaft in ganz Mecklenburg-Vorpommern auf einen Blick

Für Daten, die Gesamt-Mecklenburg-Vorpommern betreffen, haben wir einen gesonderten Artikel aufbereitet.