Pressemitteilung

Wirtschaftssubstanz schwindet – Politik muss Handbremse lösen

Rostock/Stralsund. Ein Blick in die Meldungen der vergangenen Wochen macht deutlich: Kaum eine Branche ist vor der wirtschaftlichen Krise gefeit. Nach einer kurzen Aufhellung im Verlauf des vergangenen Jahres führen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konfliktes im Nahen Osten dazu, dass der IHK-Konjunkturklimaindex im Frühsommer 2026 auf Talfahrt geht und auf 88 Indexpunkte einbricht.
Die aktuelle Lage und auch die Erwartungen der gewerblichen Wirtschaft stellen sich massiv schlechter dar als vor einem Jahr, als sich im Nachgang der außerplanmäßigen Neuwahl des Bundestages erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung am Horizont abzeichneten. Erneut führt – nach Coronapandemie und russischem Überfall auf die Ukraine – ein exogener Schock dazu, dass die gewerbliche Wirtschaft im IHK-Bezirk Rostock stark unter Druck gerät. Zu diesen Ergebnissen kommt die Auswertung der Antworten von 245 Unternehmen im Rahmen der Konjunkturumfrage der IHK zu Rostock, die von Mitte April bis Anfang Mai 2026 stattfand.
Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock, bereitet das große Sorgen:
„Was an wirtschaftlicher Substanz schon seit einigen Jahren in der Region verloren geht, lässt sich nicht allein an den Zahlen ablesen. Kleine Gewerbetreibende, der Händler um die Ecke oder die Floristin von gegenüber machen den Laden einfach dicht.“
Bei etwa jeder zehnten Betriebsschließung handelte es sich 2024 um eine Insolvenz.

Bund und Land müssen eigene Gestaltungsmöglichkeiten nutzen

„Die Geschäftsrisiken durch hohe Energiepreise, steigende Rohstoffpreise und Lieferkettenstörungen in Verbindung mit der Sorge um eine schwache Nachfrage nehmen zu und lassen viele Unternehmen bei ihren Investitions- und Beschäftigungsplänen derzeit zurückhaltend agieren.“, erläutert Melanie Wicht, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Rostock, die Situation.
In der Folge muss davon ausgegangen werden, dass die ersten positiven, gleichwohl fragilen Signale für eine konjunkturelle Erholung, die sich in den Konjunkturumfragen der IHK zu Rostock des Vorjahrs abzeichneten, wieder verlöschen und ein möglicher Aufschwung ausbleiben wird.
„Wo eigene Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, müssen Bundes- und Landespolitik umgehend die Handbremsen lösen und dringend benötigte Impulse für strukturelle Reformen zeitnah realisieren.“ betont Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock, die klaren Erwartungen der gewerblichen Wirtschaft an die Politik.

Es trifft (fast) alle, wenn auch unterschiedlich stark


In der aktuellen Umfrage berichten nur noch knapp mehr Unternehmen von einer guten als von einer schlechten Geschäftslage. Wie bereits in den Abschwungphasen der vergangenen Jahre, sind alle Zweige der gewerblichen Wirtschaft deutlich negativ betroffen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Industrie und Dienstleistungsbetriebe zeigen zwar auch eine negative Entwicklung, weisen im Branchenvergleich aber relativ robuste Werte auf. Während das Baugewerbe aktuell eine Lageverbesserung meldet, leiden das Verkehrsgewerbe und der Handel stark unter dem extremen Anstieg der Kraftstoffpreise sowie der durch die wirtschaftliche Unsicherheit ausgelösten Konsumzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Finanzlage hat sich verschlechtert

Die schwierige wirtschaftliche Situation vieler der befragten Betriebe führt zu einer signifikanten Verschlechterung ihrer Finanzlage: Aktuell beurteilen nur noch 46 Prozent diese als unproblematisch. Noch in der Umfrage im vergangenen Herbst lag dieser Anteil bei 58 Prozent. Die hartnäckige konjunkturelle Schwäche der vergangenen Jahre und die erneuten Kostenbelastungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg haben dazu geführt, dass sich die Ertrags- und Umsatzsituation für viele Firmen verschärft hat und diese vermehrt auf ihre Eigenkapitalreserven zurückgreifen müssen. Der Anteil der von Insolvenz bedrohten Betriebe steigt im Vergleich zum Jahresbeginn um vier Prozent-punkte auf sechs Prozent.

Rotstift bei Investitionsbudgets

Für die gewerbliche Wirtschaft im Bezirk der IHK zu Rostock ist ein möglicher Aufschwung in die Ferne gerückt. Gerade einmal jedes zehnte Unternehmen blickt optimistisch in die Zukunft (11 Prozent). Mehr als dreimal so viele Umfrageteilnehmende (37 Prozent) befürchten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäfte. Einhergehend mit den stark pessimistischen Geschäftsperspektiven setzen die Unternehmen bei ihren Investitionsbudgets den Rotstift an. Der herbe Verlust an geschäftlicher Zuversicht führt ebenfalls dazu, dass die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen im IHK-Bezirk Rostock deutlich unter Druck geraten. Erheblich mehr Betriebe als noch in der Vorumfrage müssen ihre Personalpläne nach unten anpassen. Einhergehend mit den wirtschaftlichen Verwerfungen des Iran-Krieges katapultieren sich die „Energiepreise“ und die aus der Coronapandemie altbekannten Problemgeschwister „Rohstoffpreise“ und „Verfügbarkeit von Rohstoffen und Vorprodukten“ mit Macht zurück in den Sorgenkatalog der befragten Unternehmen.