Pressemitteilung

Schiffbau gibt Zuversicht, Häfen und Schifffahrt unter Druck

Hamburg. Die Konjunkturaussichten der maritimen Wirtschaft in Deutschland bewegen sich im Frühjahr 2026 zwischen Zuversicht und Zukunftssorgen. Während der Schiffbau dank einer guten Auftragslage positive Impulse erhält, trüben sich die Perspektiven für Hafenwirtschaft und Schifffahrt ein. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Nord. Als zentrale Risiken nennen die Unternehmen weiterhin hohe Energie- und Rohstoffpreise, unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie steigende Arbeitskosten.

Schiffbau stabilisiert sich weiter

Im Schiffbau ist der Geschäftsklimaindex um sieben Punkte auf 103 Punkte gestiegen (von 0 = schlecht bis 200 = sehr gut). Treiber dafür sind vor allem die sehr gute Auftragslage und die daraus resultierende Planungssicherheit. 77,9 Prozent der befragten Werften bewerten ihre aktuelle Auftragslage als gut oder befriedigend. 52,5 Prozent rechnen zudem mit einer günstigeren Geschäftslage. Als größte Risiken nennen die Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise (90,3 Prozent), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (67,3 Prozent) sowie Fachkräftemangel und Arbeitskosten (jeweils 65,5 Prozent).

Hafenwirtschaft unter Druck

Die Hafenwirtschaft spürt den konjunkturellen Gegenwind besonders deutlich – das Konjunkturbarometer ist um 16,6 Punkte auf 80,5 Punkte gesunken. 75,4 Prozent der befragten Hafenunternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als befriedigend, 37,9 Prozent erwarten eine ungünstigere Entwicklung. Als größte Risiken gelten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (78,7 Prozent), die Energie- und Rohstoffkosten (69,6 Prozent) sowie die schwache Inlandsnachfrage infolge der Konjunkturentwicklung (52,7 Prozent).
André Grobien, Vorsitzender der IHK Nord, bekräftigt die Forderung nach einem stärkeren Engagement des Bundes für die deutschen Seehäfen: „Auf der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden haben der Bundeskanzler und alle Beteiligten die systemrelevante Bedeutung unserer Seehäfen betont. Daraus muss jetzt eine dauerhafte Beteiligung des Bundes von mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr an der Finanzierung der Infrastruktur für deutsche Seehäfen folgen“, so Grobien. „Zudem sollten zusätzlich Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur genutzt werden, um den vordringlichsten Sanierungsstau in den Häfen wirksam abzubauen.“

Schifffahrt hat niedrigere Geschäftserwartungen

Auch die Schifffahrt blickt deutlich verhaltener auf die kommenden Monate - der Geschäftsklimaindex ist um neun Punkte auf 73,7 Punkte gesunken. 82,7 Prozent der Reeder melden eine gute oder befriedigende Geschäftslage, zugleich rechnen aber mehr als 45 Prozent mit einer ungünstigeren Entwicklung. Als größte Belastungen gelten die Energie- und Rohstoffpreise (96,6 Prozent), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (68,3 Prozent) sowie die Arbeitskosten (47,5 Prozent).
Der IHK-Nord-Vorsitzende warnt: „Die Sperrung der Straße von Hormus infolge des Kriegs zwischen dem Iran, den USA und Israel zeigt beispielhaft, wie verwundbar Schifffahrt und Außenhandel gegenüber geopolitischen Krisen sind. Zusammen mit der US-Zollpolitik wachsen damit die Unsicherheiten für den exportorientierten Wirtschaftsstandort Deutschland weiter.“