Pressemitteilung
Ohne starke Häfen steht Europas Handel still
Europäische Hafenstrategie muss Kurs auf strategische Investitionsoffensive nehmen
IHK Nord. Die Europäische Kommission hat gestern ihren Vorschlag für eine Europäische Hafenstrategie vorgelegt, bei dieser handelt es sich um die erste umfassende Strategie für Europas Häfen. Ein entscheidender Moment für Norddeutschland, denn die Wettbewerbsfähigkeit Europas hängt von leistungsfähigen und zukunftsfesten Seehäfen ab.
André Grobien, Vorsitzender der IHK Nord sagt: „Deutschland verantwortete im Jahr 2024 rund 27 Prozent der Exporte und rund 19 Prozent der Importe des gesamten EU-Handels mit Drittstaaten, ein erheblicher Teil davon läuft über die norddeutschen Häfen. Vereinfacht formuliert bedeutet dies: unsere Häfen sind unverzichtbare Knotenpunkte für globale Lieferketten, ohne sie steht der europäische Handel still. Eine Europäische Hafenstrategie muss dies abbilden und die Förderlogik strategischer ausrichten – fokussiert auf Hafenanlagen und Hinterlandanbindungen. Ein erheblicher Investitionsstau bedroht unsere logistische Leistungsfähigkeit, diesen gilt es aufzulösen.“
Einen weiteren Faktor für eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Häfen sieht die IHK Nord in der Reform des europäischen Beihilferechts. Zur Ermöglichung dringend erforderlicher Investitionen auf nationaler und regionaler Ebene bedarf es einer grundlegenden Reform des EU-Beihilferechts. Diese sollte die Zulässigkeit von Investitionen in Suprastrukturen sicherstellen, wie sie in der Nationalen Hafenstrategien für die See- und Binnenhäfen der Bundesregierung gefordert wird.
Zugleich müssen auch private Investitionen möglich sein. Hierzu bedarf es klarer Beteiligungsregeln, die die Kontrolle europäischer Hafeninfrastruktur sichern.
„Unsere Seehäfen sind nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern auch geopolitisch sensibel. Ihre strategische Bedeutung für die Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Souveränität Europas erfordert einen sorgfältigen Umgang mit ausländischen Investitionen. Gleichzeitig darf die notwendige Schutzfunktion nicht zu einer pauschalen Abschottung führen, die private Investitionen verhindert und damit die Wettbewerbsfähigkeit langfristig schwächt“, so Grobien weiter.
Neben ihrer Funktion als wirtschaftliche Drehscheibe Europas, sind Häfen auch ein Schlüsselfaktor in der Sicherheitspolitik. Für diverse sicherheitspolitische Aufgaben im Krisenfall – ob bei der logistischen Versorgung der Truppen oder der Verlegung von Material und Personal – für diverse sicherheitspolitische Aufgaben im Krisenfall sind die norddeutschen Häfen unverzichtbar.
„Die Europäische Kommission hat die militärische Mobilität als sicherheitspolitisches Kernziel definiert, Häfen müssen hier mitgedacht werden, insbesondere durch die bauliche Verstärkung von Zufahrtsbrücken und die Ertüchtigung von Kaianlagen, um hohe Lasten sicher und schnell umzuschlagen“, so Grobien abschließend.
Wie auch der vielbeachtete Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der EU hervorhebt, besitzt die maritime Industrie eine hohe strategische Bedeutung für Europas wirtschaftliche Souveränität. Bereits in der letzten Legislaturperiode hatte das Europäische Parlament die Europäische Kommission zur Vorlage einer Europäischen Hafenstrategie aufgefordert, da es bislang an einer umfassenden Strategie für Häfen auf europäischer Ebene fehlt.
INFO: Parallel zur Europäischen Hafenstrategie hat die Europäische Kommission ebenfalls einen Vorschlag für eine Europäische Maritime Industriestrategie vorgelegt. Auch diese Initiative wurde von der IHK Nord im Hinblick auf ihre Bedeutung für die norddeutsche Wirtschaft eingeordnet. Alle Informationen finden Sie online unter: www.ihk-nord.de/maritim