Pressemitteilung

IHK zu Rostock stellt Ergebnisse der Ausbildungs- und Azubiumfrage 2026 vor

Rostock. Die duale Berufsausbildung bleibt ein zentraler Pfeiler der Fachkräftesicherung in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Ausbildungsumfragen der IHK zu Rostock. Während die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen mit ihrem Ausbildungsbetrieb zufrieden ist und ihre Ausbildung weiterempfehlen würde, kämpfen viele Unternehmen weiterhin mit der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze und sehen Defizite bei der Ausbildungsreife der Bewerberinnen und Bewerber.

Fast jeder zweite Betrieb konnte Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen

Rund 48 Prozent der Ausbildungsbetriebe konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Hauptgrund waren fehlende geeignete Bewerbungen. Aber auch ausbleibende Bewerbungen, logistische Herausforderungen wie Wohnraum oder weite Wege zu den Berufsschulen sowie Vertragsauflösungen während der Probezeit spielten eine Rolle.
Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt die Ausbildungsbereitschaft hoch: Rund 59 Prozent der Unternehmen planen, ihr Ausbildungsangebot im kommenden Jahr stabil zu halten, mehr als 21 Prozent wollen sogar zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten.

Ausbildungsreife bleibt zentrales Thema

Die größte Herausforderung sehen die Unternehmen nach wie vor bei der Ausbildungsreife vieler Bewerberinnen und Bewerber. Fast 90 Prozent der Betriebe berichten von Mängeln in diesem Bereich. Besonders häufig werden Defizite bei mathematischen Grundkenntnissen, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin sowie Leistungsbereitschaft und Motivation genannt.
„Die duale Ausbildung ist ein entscheidender Schlüssel für die Fachkräftesicherung in unserem Land“, sagt IHK-Präsident Klaus-Jürgen Strupp. „Damit Unternehmen ihr Ausbildungsangebot ausweiten können, brauchen wir aber auch bessere Rahmenbedingungen bei Ausbildungsreife, Mobilität und bezahlbarem Wohnraum.”
Gleichzeitig zeigen die Unternehmen großes Engagement: Die Hälfte der Betriebe bietet eigene Unterstützungs- und Nachhilfeangebote an. Ein Drittel gibt lernschwächeren Jugendlichen grundsätzlich auch ohne öffentliche Förderung eine Chance.

Wohnraum und Mobilität werden zunehmend zum Standortfaktor

Sowohl Unternehmen als auch Auszubildende sehen Wohnraum und Erreichbarkeit der Berufsschulen als wichtige Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Mehr als 73 Prozent der Betriebe fordern Programme zur Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende, zwei Drittel wünschen sich einen einfacheren Zugang zu finanziellen Hilfen für junge Menschen zur Unterstützung der Mobilität und der Unterkunft.
Auch die Azubiumfrage bestätigt den Handlungsbedarf: Mehr als jeder fünfte Azubi im ersten Ausbildungsjahr hat bereits Ausbildungsangebote aufgrund zu großer Entfernungen, schlechter Verkehrsanbindungen oder fehlender Unterkunftsmöglichkeiten abgelehnt.
Die IHK zu Rostock setzt sich bereits seit längerem für bessere Rahmenbedingungen bei Unterkunft und Mobilität ein. Sie informiert Auszubildende über Zuschüsse zu Fahrt- und Übernachtungskosten.

Hohe Zufriedenheit bei den Auszubildenden

Trotz bestehender Herausforderungen fällt das Urteil der jungen Menschen über ihre Ausbildung überwiegend positiv aus. Mehr als 82 Prozent würden ihre Ausbildung im Betrieb weiterempfehlen. Besonders positiv werden das Betriebsklima, die Betreuung durch die Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die Karriere- und Übernahmechancen bewertet.
„Die hohe Zufriedenheit der Auszubildenden ist ein starkes Signal für die Qualität der dualen Ausbildung. Sie zeigt, dass sich Praxisnähe, gute Betreuung und echte Karriereperspektiven für junge Menschen auszahlen“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Melanie Wicht.
Zudem erlernen rund 78 Prozent der Befragten ihren Wunschberuf. Für die Berufswahl waren vor allem Praktika, das persönliche Umfeld sowie Internet- und Social-Media-Angebote entscheidend.

Praxisnähe und Karrierechancen überzeugen

Die wichtigsten Motive für die Wahl einer Ausbildung sind für die Auszubildenden die Praxisnähe, die Aussicht auf Karriere- und Übernahmechancen sowie die Möglichkeit, schnell ins Berufsleben einzusteigen. Auch die Ausbildungsvergütung spielt für viele junge Menschen eine wichtige Rolle. Hier kann die duale Ausbildung gegenüber einem Studium punkten.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Ausbildung

Das Thema Künstliche Intelligenz gewinnt auch in der beruflichen Bildung an Bedeutung. Rund 52 Prozent der Unternehmen messen KI bereits eine mittlere bis sehr hohe Bedeutung für die Ausbildung bei. Allerdings nutzt derzeit noch knapp die Hälfte der Betriebe KI in der Ausbildung gar nicht. Dort, wo KI eingesetzt wird, geschieht dies vor allem beim Lernen und in der Prüfungsvorbereitung.
Auszubildende bestätigen die Berührungspunkte mit KI. Fast 46 Prozent nutzen KI im Rahmen von Lernaufträgen in der Berufsschule.

Fachkräftesicherung bleibt gemeinsame Aufgabe

Die Ergebnisse beider Umfragen, die sich mit den Ergebnissen der bundesweiten DIHK-Ausbildungsumfrage weitgehend decken, zeigen deutlich: Die duale Ausbildung bietet jungen Menschen weiterhin attraktive Perspektiven und wird von den Betrieben als wichtigstes Instrument zur Fachkräftesicherung angesehen. Um das vorhandene Potenzial besser auszuschöpfen, sind jedoch weitere Anstrengungen bei der Berufsorientierung, der Verbesserung der Ausbildungsreife, der Mobilität sowie des bezahlbaren Wohnraums erforderlich. Nur gemeinsam können Unternehmen, Schulen, Politik und Kammern den Fachkräftenachwuchs von morgen sichern.