Informationen und Tipps

FAQs zur Energiekrise

Die Energieversorgung im kommenden Winter steht auf wackeligen Füßen. Erdgaspreise schießen durch die Decke, die zweite Warnstufe des Notfallplans Gas ist ausgerufen, die Regierung schwört Wirtschaft und Gesellschaft auf Energiesparen ein. Vor allem für die Strom- und Wärmeproduktion sind viele betriebliche Prozesse abhängig von Gas. Welche Regeln gelten jetzt für Unternehmen? Wo gibt es Unterstützung und Förderung? Die IHK Potsdam teilt auf dieser Seite regelmäßig Informationen rund um die Energiekrise. Die Seite wird fortlaufend ergänzt.

Aktueller Stand zur Gas- und Strompreisbremse

Die Expertenkommission Gas und Wärme (EKGW) hat am 31. Oktober ihren Abschlussbericht an die Bundesregierung übergeben. Darauffolgend haben die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung am 2. November neben der Gas- auch eine Strompreisbremse vereinbart. Es ist zu beachten, dass die aufgeführten Informationen und Maßnahmen nicht endgültig sind und noch von der Bundesregierung in Gesetzen und Verordnungen umgesetzt und teilweise von der Europäischen Kommission aus beihilferechtlichen Gründen genehmigt werden müssen. Der von der Bundesregierung am 29. September 2022 vorgestellte wirtschaftliche Abwehrschirm geht zu großen Teilen in der Gas- und Strompreisbremse auf.
Nachstehend finden Sie kompakt die wichtigsten Aspekte zur Gas- und Stompreisbremse:
  • Es werden zwei Gruppen von Verbrauchern unterschieden:
    • Gruppe 1: Haushalte und Gewerbe
    • Gruppe 2: Industrielle RLM-Kunden
  • Für Gas- und Fernwärme soll es für Gruppe 1 durch die Übernahme der Abschlagszahlung im Monat Dezember eine einmalige Entlastung geben.
  • Die Strompreisbremse soll ab dem 1. Januar 2023 in Kraft treten:
    • Gruppe 1: Für ein Kontingent von 80 Prozent des historischen Verbrauchs soll ein Bruttopreis von 40 Cent je Kilowattstunde gelten.
    • Gruppe 2: Für ein Kontingent von 70 Prozent des jährlichen Verbrauchs 2021 soll ein Nettopreis von 13 Cent je Kilowattstunde gelten.
  • Die Gaspreisbremse soll laut Empfehlung der Kommission für Gruppe 1 ab März 2023 in Kraft treten. Bund und Länder streben eine Einführung zum 1. Februar 2023 an. Für Gruppe 2 ist der Beginn zum 1. Januar 2023 geplant:
    • Gruppe 1: Für ein Kontingent von 80 Prozent der Jahresverbrauchsprognose soll ein Brutto-Arbeitspreis von 12 Cent je Kilowattstunde gelten.
    • Gruppe 2: Für ein Kontingent von 70 Prozent des relevanten Vergleichszeitraums im Jahr 2021 soll ein reduzierter Beschaffungspreis von 7 Cent je Kilowattstunde gelten. Zum Beschaffungspreis kommen noch Netzentgelte, Energiesteuer, Gasumlagen sowie CO2-Kosten.
  • Für jegliche Verbrauchsmengen oberhalb der Kontingente soll der vertraglich verabredete Arbeits- bzw. Marktpreis gelten.
Weitergehende Informationen finden Sie in den FAQs des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zur  Gaspreisbremse und Strompreisbremse.
Aktuelle Lage Energieversorgung: Zur aktuellen Lage der Gasversorgung in Deutschland veröffentlicht die Bundesnetzagentur (BNetzA) täglich einen Lagebericht zur aktuellen Lage der Gasversorgung in Deutschland. Die Berichte können Sie hier einsehen: Täglicher Bericht der BNetzA

Was können Unternehmen jetzt tun?

  • Energieverbrauch optimieren, Strom und Gas einsparen
Die beste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Das gilt in Zeiten der Klimawende und in der aktuellen Versorgungskrise umso mehr. Die Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke haben eine Liste für Kurzfristmaßnahmen für Energieeinsparung und Energiesubstitution in Unternehmen erstellt.
  • Kontakt mit Versorgungsunternehmen aufnehmen
Die individuelle Versorgungssituationen von Unternehmen variieren stark, ebenso verschieden sind die örtlichen Versorger aufgestellt, die die Energie an ihre Endkunden liefern. Nehmen Sie direkten Kontakt zu Ihrem Versorger auf, auch wenn die Versorgung aktuell noch gesichert ist. So können Sie Fragen direkt klären und die Versorgungslage und die Kostenentwicklung in Erfahrung bringen.
  • Fuel-Switch-Möglichkeiten prüfen und ggf. frühzeitig einleiten
Wegen der stark gestiegenen Gaspreise und drohender Versorgungsengpässe denken Unternehmen über eine Brennstoffumstellung nach. Viele Unternehmen besitzen noch alte Heizöltanks oder Brenner, die sowohl Gas als auch Heizöl oder Diesel (Dual Fuel) verfeuern können. Andere könnten von Gas- auf Kohle- oder Holzfeuerung umstellen oder mobile Anlagen einsetzen. Um Gasfeuerung umzurüsten, müssen technische, finanzielle und rechtliche Hürden genommen werden.

Was Betriebe wissen müssen

(Stand: 30.09.22)
Kurzfristige Energiesparmaßnahmen (EnSikuMaV)
Das Bundeskabinett hat am 24. August 2022 kurzfristige Einsparmaßnahmen beschlossen. Ab dem 1. September 2022 gelten für Unternehmen eine Reihe von Vorschriften. Besonders bei öffentlichen Unternehmen, der Energie-, Immobilien-, Tourismuswirtschaft und dem Handel müssen nun zeitnah eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden.
Die "Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen" (Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung – EnSikuMaV) gilt ab dem 1. September 2022 für sechs Monate.

Die wichtigsten Vorschriften im Überblick


Der Einzelhandel muss Ladentüren und Eingangssysteme, bei deren Öffnung ein Verlust von Heizwärme auftritt, geschlossen halten. Ausnahme: Das Offenhalten ist als Fluchtweg notwendig.
Werbeanlagen dürfen in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr des Folgetages nicht beleuchtet werden. Ausnahmen gelten aus Gründen der Verkehrssicherheit oder zur Abwehr anderer Gefahren, wenn dies kurzfristig nicht durch andere Maßnahmen ersetzt werden kann.
In öffentlichen Nichtwohngebäuden gelten eine Reihe von Vorschriften.
Auch die Beleuchtung von öffentlichen Nichtwohngebäuden und Baudenkmälern von außen ist untersagt. Ausgenommen sind Sicherheits- und Notbeleuchtungen sowie kurzfristige Beleuchtungen bei Kulturveranstaltungen und Volksfesten.
  • Gemeinschaftsflächen, die nicht dem Aufenthalt von Personen dienen, dürfen nicht beheizt werden. Ausnahmen gelten für sensible Einrichtungen (beispielsweise Schulen, medizinische oder Pflegeeinrichtungen). Auch aus technischen Gründen kann ein Abweichen zulässig sein.
  • In Arbeitsräumen darf die Lufttemperatur zudem – je nach Art und Schwere der Arbeit – Temperaturen von 12 bis 19 Grad nicht übersteigen.
  • Dezentrale Trinkwassererwärmungsanlagen (Durchlauferhitzer oder Boiler) müssen ausgeschaltet werden, wenn deren Betrieb überwiegend zum Händewaschen vorgesehen ist.
In Arbeitsräumen in Arbeitsstätten (außerhalb der öffentlichen Nichtwohngebäude) gelten die oben genannten Maximaltemperaturen für öffentliche Gebäude als Mindesttemperaturen. Unternehmen können also von den Vorgaben der Arbeitsschutzrichtlinie im Durchschnitt um einen Grad nach unten abweichen, müssen es jedoch nicht.
Für Gas- und Wärmelieferanten gelten eine Reihe von Informationspflichten, wenn sie Eigentümer von Wohngebäuden oder Nutzer von Wohneinheiten leitungsgebunden mit Gas oder Wärme beliefern.
Bis zum 30. September 2022 müssen sie Energieverbrauch und die Energiekosten der vorangegangenen und künftigen Abrechnungsperiode sowie das rechnerische Einsparpotenzial des Gebäudes bei Absenkung der Durchschnittstemperatur um 1 Grad mitteilen.
  • Eigentümer von Wohngebäuden mit weniger als zehn Wohneinheiten leiten die Informationen der Lieferanten an die Nutzer weiter.
  • Eigentümer von Wohngebäuden mit mindestens zehn Wohneinheiten müssen den Nutzern diese Informationen bis zum 31. Oktober 2022 mit spezifischen Angaben zu der jeweiligen Wohneinheit mitteilen. Erhalten sie nur allgemeine Informationen, müssen sie eine individualisierte Mitteilung entsprechende Informationen anhand typischer Verbräuche bis zum 31. Januar versenden. Sie müssen zudem über Kontaktinformationen und eine Internetadresse einer Verbraucherorganisation, einer Energieagentur oder sonstigen Einrichtungen informieren oder auf die Kampagne "80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel" mit entsprechenden Informationen hinweisen.
Detailliertere Informationen und ein FAQ zum Thema finden Sie auf der Internetseite des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): Kurzfristige Energieeinsparmaßnahmen: Was Betriebe wissen müssen

Bei Kündigung oder Auslaufen des Vertrages: Besteht Anspruch?

Nur für Haushalte (grundsätzlich) und Kleinstbetriebe (Stromverbrauch bis zu 10.000 kWh pro Jahr) besteht ein Anspruch auf einen neuen Vertrag in der Grundversorgung. Um mögliche Ausfälle zu vermeiden, sprechen Sie vor Vertragsende frühzeitig mit Ihrem Versorger über einen neuen Vertrag.

Es wird kein neuer Strom bzw. Gasvertrag angeboten, was tun?

Die Verfügbarkeiten sowie die Preise für Strom und Gas unterliegen derzeit großen Schwankungen. Stellen Sie daher am besten regelmäßig Anfragen an die Versorger in Ihrer Region zur Unterbreitung von neuen Angeboten. Die IHK-Organisation zeigt diese Problemsituation regelmäßig der Politik auf. ( Resolution Energiepolitik)

Neuer Vertrag zu unwirtschaftlichen Preisen, was nun?

Die Preise für Strom und Gas unterliegen derzeit großen Schwankungen. Stellen Sie daher am besten regelmäßig Anfragen an die Versorger in Ihrer Region zur Unterbreitung von neuen Angeboten. Aktuell wird auf Bundesebene an einem „Abwehrschirm“ gearbeitet, welcher die gesamte Breite der Wirtschaft entlasten soll. (Stand: 29.09.22)

Was geschieht bei Warnstufe 3 (Notfallplan Gas)?

  • Der Staat greift in den Markt ein.
  • Die Bundesnetzagentur würde zum Bundeslastverteiler.
  • In enger Abstimmung mit den Netzbetreibern bestimmt sie über die Verteilung von Gas.
  • Haushalte, soziale Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, und Gaskraftwerke, die zugleich auch der Wärmeversorgung von Haushalten dienen, gelten als geschützte Verbraucher, die möglichst lange mit Gas zu versorgen sind.
  • Unternehmen sind keine geschützten Verbraucher.
  • Die Bundesnetzagentur hat ein Papier zur Abwägung der Lastverteilung vorgelegt.

Können Unternehmen abgeschaltet werden?

Auszuschließen ist dies grundsätzlich nicht. Das Vorgehen im Ernstfall ist aktuell noch nicht absehbar. Die Bundesnetzagentur rief Unternehmen bereits im Mai auf, ihre Gassituation und Abschaltpotenziale zu melden.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

KfW-Sonderprogramm UBR 2022
Mit dem KfW-Sonderprogramm UBR 2022 erhalten Unternehmen unabhängig von Branche und Größenklasse Zugang zu zinsgünstigen Krediten mit weitgehender Haftungsfreistellung der Hausbanken. Das Sonderprogramm ist befristet bis zum 31.12.2022.
Energiekostendämpfungsprogramm (EKDP)
Das EKDP ermöglicht Unternehmen, welche besonders von den Folgen des russischen Angriffskrieges betroffen sind, Zuschüsse zu gestiegenen Erdgas- und Strompreisen.
Das Energiekostendämpfungsprogramm wurde bis Ende 2022 verlängert. Ein Folgeprogramm ist in Arbeit, für dieses wird eine neue Antragsfrist gelten.
Kurzarbeitergeld (Kug)
Eine Gewährung von Kurzarbeitergeld (Kug) ausschließlich wegen aktueller Preissteigerungen, insbesondere beim Gas und anderen Energieträgern, ist nicht möglich. Es besteht jedoch ein Anspruch, wenn der eingetretene Arbeitsausfall auf wirtschaftlichen Ursachen oder einem unabwendbaren Ereignis beruht. Dies können beispielsweise konjunkturell bedingte Auftrags-/Nachfragerückgänge sein. Weitere Informationen zum Kug können Sie einem FAQ der Bundesagentur für Arbeit entnehmen.
Förderdatenbank
Auf der Förderdatenbank des Bundes erhalten Sie einen Überblick über Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

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