Konjunkturklima auf Krisenniveau im Frühsommer 2026

Pessimismus bremst Ostbrandenburgs Wirtschaft. - Die wirtschaftliche Stimmung im IHK Bezirk Ostbrandenburg hat sich im Frühsommer 2026 deutlich verschlechtert: Der Konjunkturklimaindex sinkt auf 76 Punkte. Damit erreicht er ein Niveau, das zuletzt nur bei externen Schocks wie der Coronakrise oder dem Beginn des Ukraine-Krieges festgestellt wurde.
Besonders Handel, Dienstleistung und Gastgewerbe leiden unter der allgemeinen Konsumzurückhaltung. Auch im Industrie- und Baugewerbe überwiegen - trotz leichter Erholungstendenzen - pessimistische Geschäftserwartungen, schwache Investitionen und negative Beschäftigungspläne. Hauptbelastungen über alle Branchen hinweg bleiben hohe Energie- und Rohstoffpreise, wirtschaftspolitische Unsicherheiten sowie hohe Arbeitskosten. Dadurch agieren die Unternehmen insgesamt defensiv und setzten eher auf Anpassung als auf Wachstum.
Dreimal im Jahr werden Unternehmen in Berlin und Brandenburg von den jeweiligen IHKs in Brandenburg zu ihrer aktuellen konjunkturellen Lage und ihren Erwartungen befragt. Sie liefern ein detailliertes Bild der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen und zukünftigen Entwicklungen in Ostbrandenburg.

Sie wollen sich an der Umfrage beteiligen? Melden Sie sich gern unter umfragen@ihk-ostbrandenburg.de

1. Konjunkturklimaindex

Der Konjunkturklimaindex (KKI) ist seit Jahresbeginn um 18 Punkte auf 76 Punkte gesunken und erreicht damit aktuell ein Niveau, das vorher nur während schwerer Konjunkturkrisen beobachtet wurde. Besonders kritisch bewerten größere Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden ihre Situation. Insgesamt verfestigt sich der Eindruck einer anhaltenden strukturellen Belastungssituation. Weit entfernt sind die Ergebnisse von der Wachstumsschwelle, die bei 100 Punkten liegt.
Bislang fehlt es an wirtschaftspolitischen Impulsen, um Investitionen und Wachstum wieder zu stärken. Dazu gehören z. B. eine verlässliche politische Zielsetzung, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sowie eine leistungsfähige, digitale Verwaltung. Trotz zahlreicher Reformankündigungen nehmen viele Unternehmen bislang keine spürbaren Entlastungen wahr.
Besonders schwach entwickelt sich der Handel mit einem KKI von 58 Punkten sowie das Verkehrsgewerbe mit nur noch 53 Punkten. Beide Branchen leiden massiv unter Konsumzurückhaltung, Kostensteigerungen und pessimistischen Erwartungen. Auch die Industrie verbleibt mit 72 Punkten deutlich unter der Wachstumsschwelle. Das Baugewerbe hellt sich zwar leicht auf und erreicht 84 Punkte, bleibt aber ebenfalls deutlich unter früheren Niveaus. Die Dienstleistungswirtschaft verliert ihre bisherige stabilisierende Rolle und fällt von 105 auf 79 KKI-Punkte zurück.
Der Konjunkturklimaindex (KKI) fasst die Salden aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen zu einem gemeinsamen Indikator zusammen und ermöglicht so einen schnellen Überblick über die wirtschaftliche Stimmung in verschiedenen Branchen.
(Hinweis: Durch das Anklicken der Branchen und Bereiche können Sie einzelne Graphen an- und abwählen.)

2. Geschäftslage und Erwartungen

Die aktuelle Geschäftslage trübt sich in vielen Branchen ein. Besonders Handel, Gastgewerbe und personenbezogene Dienstleistungen berichten von deutlichen Verschlechterungen infolge schwacher Nachfrage und verunsicherter Verbraucher. Industrie und Bau zeigen zwar punktuelle Stabilisierungstendenzen, diese reichen jedoch nicht aus, um die Gesamtwirtschaft zu stützen.
Der größte Belastungsfaktor sind die Geschäftserwartungen. In nahezu allen Branchen hat sich die pessimistische Grundstimmung im Vergleich zu vorherigen Befragungen weiter ausgebreitet. Besonders negativ fallen die Erwartungen im Verkehrsgewerbe, bei personenbezogenen Dienstleistern und im Einzelhandel aus. Im Verkehrsgewerbe rechnet keines der befragten Unternehmen mit einer Verbesserung der Lage, während zwei Drittel von weiteren Verschlechterungen ausgehen. Auch Industrie, Großhandel und die übrigen Dienstleister (Finanzen und Versicherungen / Immobilien/ unternehmensnahe Dienstleister) erwarten zunehmend rückläufige Geschäfte. Im Baugewerbe bleiben die Erwartungen trotz leichter Lageaufhellung ebenfalls zurückhaltend.

3. Wirtschaftliche Risiken

Wir fragen die Unternehmen, worin sie die größte Beeinträchtigung in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung sehen.
Als größtes Risiko nennen 79 Prozent der Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise. Besonders stark betroffen sind Großhandel, Gastgewerbe, Bauwirtschaft, Industrie, Immobilienwirtschaft sowie Verkehr und Logistik. Zusätzlich belasten wirtschaftspolitische Unsicherheiten (73 %), hohe Arbeitskosten (59 %) und eine schwache Inlandsnachfrage (48 %) die Unternehmen erheblich.
Im Handel spielen zusätzlich der internationale Wettbewerbsdruck und die Konsumzurückhaltung eine große Rolle. Die Bauwirtschaft kritisiert vor allem hohe Finanzierungskosten, unsichere Förderbedingungen sowie langwierige Genehmigungsprozesse. In der Industrie gewinnen geopolitische Unsicherheiten und damit Sorgen um den Auslandsabsatz an Bedeutung. Verkehr und Logistik leiden zusätzlich unter steigenden Maut- und Transportkosten sowie regulatorischen Anforderungen. Der Fachkräftemangel bleibt zwar relevant, tritt angesichts der schwachen Konjunktur jedoch etwas in den Hintergrund.
Für eine Trendwende braucht die Wirtschaft deshalb eine bezahlbare und planbare Energieversorgung, den beschleunigten Ausbau von Verkehrs- und Energienetzen sowie eine stärkere Entlastung bei Steuern, Abgaben und Netzentgelten. Verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bilden die Grundlage für Investitionsentscheidungen.

4. Investitionsabsichten

Aufgrund der angespannten konjunkturellen Situation und der verbreiteten Unsicherheit bleibt die Investitionsbereitschaft insgesamt schwach und stagniert bei knapp unter der Hälfte aller Betriebe. In allen Branchen bleibt der Anteil der investierenden Unternehmen unter dem langjährigen Durchschnitt. Bei kleineren Betrieben sinkt die Investitionsbereitschaft weiter auf schwache 39 Prozent, bei größeren Betrieben zeigt sich eine leichte Stabilisierung auf niedrigem Niveau (69 %).
Investitionen konzentrieren sich zunehmend auf Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Ersatzbedarfe statt auf Wachstum. Produktinnovationen und Umweltschutz gewinnen teilweise an Bedeutung, deuten jedoch eher auf Anpassungsdruck als auf Aufbruchsstimmung hin.
Die Industrie hält ihre Investitionsbereitschaft vergleichsweise stabil, wobei Rationalisierung, Innovation und Umweltschutz wichtige Motive bleiben. Im Baugewerbe sinkt die Investitionsneigung dagegen stark auf nur noch jedes fünfte Unternehmen. Im Handel dominieren Effizienzsteigerungen und bei einigen Großhändlern auch Kapazitätsausweitungen, während Innovationsinvestitionen insgesamt zurückgehen.
Die Dienstleistungswirtschaft investiert weiterhin auf niedrigem Niveau. Insbesondere die Immobilienwirtschaft zeigt noch eine vergleichsweise starke Aktivität. Im Verkehrsgewerbe investieren zwar weniger Unternehmen, die verbliebenen Investoren erhöhen jedoch ihre Budgets deutlich und setzen verstärkt auf Kapazitätsausweitungen und Umweltschutz.

5. Beschäftigungspläne

Die Beschäftigungspläne verschlechtern sich deutlich. Fast jedes dritte Unternehmen plant Personalabbau, insbesondere größere Unternehmen reagieren zunehmend defensiv. Besonders betroffen sind Verkehr und Logistik, personenbezogene Dienstleister sowie der Einzelhandel.
In der Industrie dominieren weiterhin stabile Personalpläne, dennoch bleibt der Anteil geplanter Stellenstreichungen hoch (29 %). Im Baugewerbe gibt es kaum Neueinstellungsabsichten und weiterhin verbreitete Abbaupläne (35 %). Der Einzelhandel plant verstärkt Stellenabbau (46 %), während sich die Situation im Großhandel etwas stabilisiert. In der Dienstleistungswirtschaft verschlechtern sich die Beschäftigungsabsichten ebenfalls deutlich. Im Verkehrsgewerbe ist der Anteil geplanter Freistellungen besonders hoch (43 %). Selbst stabile Teilbranchen wie Finanz- und Versicherungsdienstleister bauen zunehmend Personal ab. Im Vergleich zum Jahresbeginn sinken unter den Dienstleistungsbranchen die Beschäftigungspläne am stärksten im personenbezogenen Sektor (Saldo sinkt von - 3 auf -35 Punkte).
Insgesamt reagieren die Unternehmen auf schwache Nachfrage, hohe Kosten und Unsicherheit zunehmend mit Zurückhaltung bei Personalaufbau und Investitionen.