Unternehmen und Märkte

„Wir werden KI-Software nutzen, ohne es zu merken“

Am 7. März 2024 wird Münster zum KI-Hotspot: Auf dem KI-Festival data:unplugged werden Besucher auf Personen treffen, die sich für KI interessieren, sowie auf Leute, deren Systeme bereits bei Unternehmen eingesetzt werden. Grund genug, mit Festival-Organisator Marcel Windau über die Bedeutung von KI für zu sprechen. Das Interview führte Mareike Scharmacher-Wellmann, IHK-Fachreferentin Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsspiegel-Redakteurin.
Wirtschaftsspiegel: Herr Windau, welche Rolle spielt KI für kleine und mittelständische Unternehmen?
Marcel Windau:
Eigentlich ist KI wie ein ganz, ganz schlauer Computer, der Dinge lernt und versucht, Probleme bestmöglich zu lösen. Ähnlich wie ein Mensch das tut. Das Besondere ist, dass sie riesige Datenmengen verarbeiten kann und die nützlichsten Informationen daraus zieht. Am Ende kann ein Unternehmen Zeit und Geld sparen und natürlich einen viel besseren Service für Kunden bieten, zum Beispiel durch Chatbots oder intelligente Entscheidungsprozesse im E-Commerce Bereich.
Wirtschaftsspiegel: Welche Branchen sind vor allem durch KI betroffen?
Windau: In jeder Branche wird KI dazu führen, Aufgaben zu automatisieren, Geld und Zeit zu sparen und ganz neue Geschäftsfelder zu entdecken.
Wirtschaftsspiegel: Daten sind das, womit Künstliche Intelligenzen arbeiten. Bei vielen Unternehmen liegen Datenmengen sauber vor, bei einigen nicht. Wie schaffen es gerade kleinere Betriebe, ihre Daten aufzubereiten?
Windau: Dies ist eine sehr gute Frage. Für kleinere Betriebe, die ihre Daten aufbereiten möchten, ist es hilfreich, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das bedeutet, die wichtigsten Datenquellen zu identifizieren und automatisierte Tools zu nutzen, um den Prozess zu erleichtern. Schulungen im Team fördern das Verständnis für die Bedeutung von Daten, und die schrittweise Einführung dieser Maßnahmen minimiert mögliche Hürden. Bei Bedarf können auch externe Dienstleister in Betracht gezogen werden, um den Aufbereitungsprozess zu unterstützen.
Wirtschaftsspiegel: Was ist das Schwierigste für kleine und mittelständische Unternehmen, wenn es um KI geht?
Windau:
Abgesehen von der Datenqualität sind es die Kosten. Die Anschaffung von KI kostet Geld, so auch die Implementierung wie auch die Wartung. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben Respekt davor, weil sie sich selber damit nicht auskennen und auch den Impact von KI nicht beurteilen können. Es gibt Fördermittel, über die sich viel wieder reinholen lässt. Die dritte Herausforderung ist das fehlende Fachwissen: Kleinere Betriebe haben in der Regel keine eigene IT- Abteilung. Das führt dazu, dass Mitarbeiter geschult werden müssten oder ein starker Partner einbezogen werden müsste. Damit gibt man das Thema aber aus der Hand und ein bisschen verstehen sollte man davon schon. Veränderungsmanagement ist das nächste Stichwort, denn Menschen haben häufig Angst vor Veränderungen. Da gilt es, sauber zu kommunizieren und sensibel vorzugehen. Sonst entsteht aus Nichtwissen Angst und Ablehnung. Und natürlich ist Datenschutz ein Riesenthema. Was passiert mit firmeninternen Daten? Wie wird man gewährleisten können, dass der Datenschutz eingehalten werden kann? Da müssen Antworten gefunden werden. 
Wirtschaftsspiegel: Muss der Staat den rechtlichen Rahmen ziehen?
Windau: Wahrscheinlich wird es am Ende die Europäische Union machen. Streng genommen sind wir aktuell schon losgerannt und jetzt nachzuziehen, wird ein unfassbarer Kraftakt. Mit Verboten schafft man jedenfalls keine Wettbewerbsvorteile.
Wirtschaftsspiegel: Wie wird KI die Art, wie wir arbeiten, beeinflussen?
Windau: Das Internet hat viele Jobs verändert und ich glaube das passiert jetzt auch. Ich bin überzeugt, dass Aufgaben automatisiert werden können, dass die Jobs dafür aber nicht per se abgeschafft werden müssen, sondern dass sie durch gewisse Anforderungen ergänzt werden.
Wirtschaftsspiegel: Wie können Unternehmer ihre Belegschaft mitnehmen?
Windau: Viele Unternehmer wollen KI zur Chefsache machen, kommen zeitlich aber nicht dazu. Es wäre von Vorteil, intern jemanden zu haben, der sich für neue Technologien und KI unfassbar interessiert. Wenn man diese Person für sich gewinnt und diese einen gewissen Teil ihrer Arbeitszeit zur Identifizierung neuer Technologien nutzt, hat man den ersten Schritt gemacht. Das kann auch ein fachfremder Mensch sein.
Wirtschaftsspiegel: Blicken Sie mal in die Glaskugel – wie wird sich KI entwickeln?
Windau: Ich bin überzeugt, dass wir 2030 viel selbstverständlicher mit KI-Tools umgehen und wir mehrmals pro Tag mit KI-Software in Berührung kommen ohne es zu merken. Die Software wird günstiger und intuitiv bedienbar. Es ist ja ähnlich wie damals mit dem Internet. Am Anfang hat das keiner genutzt. Jetzt muss man wirklich angestrengt suchen, um jemanden zu finden, der kein Internet hat.
Wirtschaftsspiegel: Wechseln wir die Perspektive. Wie stehen die Chancen, dass ein Start-up aus Nord Westfalen es schafft, ein KI-Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen?
Windau: Wir haben renommierte Start-ups in der Region. Syte beispielsweise hat den deutschen KI-Preis gewonnen. Allerdings ist für Start-ups der Zugang zum Markt eine Herausforderung. Sie haben keine Kundenbeziehungen. Große Unternehmen fällt es leichter, unter ihren Kunden Abnehmer für ein neues KI-Produkt zu finden. Übrigens darf man nicht vergessen, dass KI in der Regel eine sehr lange Entwicklungszeit hat und diese Zeit finanziert werden muss. Die Rolle des Staates muss eine andere werden: Wenn es Unternehmen an der finanziellen Kraft fehlt, ihre Entwicklungen zu Ende zu bringen, muss der Zugang zu Fördergeldern erleichtert werden.
Wirtschaftsspiegel: Sie organisieren mit Dr. Bernard Sonnenschein für die Datenbusiness GmbH aus Münster das KI-Event data:unplugged im März 2024. Wird da Geschichte geschrieben?
Windau: Ich denke schon, dass data:unplugged Geschichte schreiben kann. Denn: data:unplugged wird das größte KI-Festival seiner Art. Bis dato haben wir vor allem Ticketkäufe aus Süddeutschland. Ich wäre schwer enttäuscht, wenn ein solches Event im Münsterland stattfindet und die überwiegenden Data Experts, Entscheiderinnen und Entscheider sowie Vordenkerinnen und Vordenker aus Bayern und Baden-Württemberg kommen. Großer Appell an dieser Stelle an alle Unternehmen aus der Region. KI-Feministin Eva Gengler spricht auf der data:unplugged über Ethik und Regulierung. Philipp Klöckner, der führende Digitalexperte Deutschlands, wird eine Keynote zur Zukunft der Arbeit halten. In der Summe haben wir über 25 Top Speaker aus der Digitalbranche eingeladen. Insgesamt erwarten wir über 500 Gäste, zur Hälfte Entscheider, zur Hälfte Data Scientisten.

Logo von data:unplugged
© data:unplugged
Terminhinweis: data:unplugged - KI-Festival in Münster am 7. März 2024

Welche Bedeutung Künstliche Intelligenz für die Industrie? Welche offenen Fragen gibt es in Bezug auf das Thema Datenschutz? Und wie wird sich die Art zu arbeiten verändern? Antworten bekommen Entscheider am 7. März 2024 auf dem KI-Festival data:unplugged in Münster. 
Mitarbeiter von BASF Coatings, viadee, der Atruvia AG, Funke Medien, Ernstings Family, SNOCKS und der Provinzial aus Münster stellen konkrete Anwedungsfälle vor.Künstlicher Intelligenz vor und berichten von ihren Erfahrungen. Darüber hinaus wird erstmals der „data:unplugged KI-Preis Start-Up powered by t3n“ verliehen. Startschuss für das ganztägige Event ist um 09:30 Uhr im Skaters Palace. Die IHK Nord Westfalen unterstützt die Veranstaltung als Sponsor.
Das Programm und Tickets gibt es online.

Kontakt

Redaktion Wirtschaftsspiegel