Gründung

Basiswissen Versicherungen: der Einstieg für Gründerinnen und Gründer

Orientierung für einen sicheren Unternehmensstart.
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist verbunden mit Chancen, aber auch mit Risiken. Viele Gründerinnen und Gründer konzentrieren sich zunächst auf Businessplan, Finanzierung, Kundengewinnung und Marktauftritt. Themen wie Versicherungen erscheinen dabei oft zweitrangig. Doch spätestens, wenn ein Schaden eintritt oder die eigene Arbeitskraft ausfällt, zeigt sich: Fehlende Absicherung kann existenzbedrohend sein.
Eine fundierte Versicherungsstrategie gehört deshalb von Anfang an zur Gründungsplanung. Sie sichert nicht nur die wirtschaftliche Existenz, sondern schafft Vertrauen bei Banken, Geschäftspartnern und Auftraggebern. Professionelle Absicherung bedeutet, Risiken zu kennen, zu bewerten und bewusst zu steuern.

Der Einstieg: So gehen Sie vor

Wer gründet, sollte mit einer eigenständigen Risikoanalyse beginnen. Nur wer die eigenen Gefahrenquellen kennt, kann passgenau vorsorgen. Eine systematische Herangehensweise empfiehlt sich:
  1. Bestandsaufnahme: Welche Risiken bestehen privat und betrieblich?
  2. Priorisierung: Welche Schäden hätten existenzielle Auswirkungen?
  3. Versicherungsbedarf ermitteln: Welche Risiken lassen sich versichern und zu welchen Konditionen? Welche Risiken kann ich selbst tragen, welche nicht?
  4. Vorgaben beachten: Welche Risiken verlangen Auftraggebende oder gesetzliche Vorschriften zwingend?
  5. Laufende Überprüfung: Ein Versicherungspaket ist kein statisches Produkt. Veränderungen im Geschäft (z. B. mehr Mitarbeitende, neue Standorte, neue Leistungen) erfordern Anpassungen.
Dabei gilt: Nicht alles, was angeboten wird, ist notwendig, aber was notwendig ist, muss zuverlässig abgedeckt sein. Eine Beratung durch unabhängige Fachleute ist besonders in der Anfangsphase sinnvoll, um Über- oder Unterversicherung zu vermeiden. Aus dieser Analyse ergibt sich ein Versicherungsplan, der individuelle Prioritäten berücksichtigt: von der persönlichen Absicherung über den Schutz des Unternehmens bis hin zu branchenspezifischen Risiken.

Wichtige Versicherungen im Überblick

a) Persönliche Absicherung

b) Betriebliche Absicherung

Die 10 größten Irrtümer

Viele Gründerinnen und Gründer unterschätzen oder missverstehen die Bedeutung von Versicherungen. Zu den häufigsten Irrtümern zählen:
  1. „Ich bin noch klein, da lohnt sich das nicht.“
    Gerade kleine Unternehmen haben kaum finanzielle Reserven, um unerwartete Schäden abzufangen. Schon ein einziger Haftpflichtfall kann zur Insolvenz führen.
  2. „Meine Privathaftpflicht deckt das mit ab.“
    Berufliche Risiken sind grundsätzlich ausgeschlossen. Ohne Betriebshaftpflicht haftet der oder die Gründende privat und unbeschränkt.
  3. „Ich kann das später noch regeln.“
    Später kann zu spät sein, etwa, wenn bereits ein Schaden eingetreten ist oder gesundheitliche Einschränkungen den Abschluss bestimmter Policen unmöglich machen.
  4. „Versicherungen zahlen ohnehin nie.“
    Leistungsablehnungen beruhen fast immer auf fehlerhaften Angaben oder unzureichender Beratung. Wer sauber dokumentiert und den Versicherungsschutz regelmäßig prüft, erhält im Schadensfall auch Leistungen.
  5. „Ich bin nebenberuflich tätig, da brauche ich nichts.“
    Auch nebenberufliche Selbstständigkeit birgt Risiken. Schon eine kleine Nebentätigkeit kann Haftungsansprüche auslösen, die die private Existenz gefährden. Auflagen, Gesetze und Regulieren gelten für alle Marktteilnehmenden, unabhängig von Umsatzgrößen.
  6. „Ich brauche keine Absicherung, weil ich im Homeoffice arbeite.“
    Schäden im häuslichen Arbeitsumfeld, z. B. durch elektrische Geräte, IT-Pannen oder Datenverluste sind in der Regel nicht über private Policen gedeckt.
  7. „Versicherungen sind alle gleich – Hauptsache günstig.“
    Tarife unterscheiden sich erheblich in Leistung, Deckungssumme und Bedingungen. Preisorientierte Entscheidungen führen häufig zu Unterversicherung.
  8. „Meine Steuerberatung oder Bank kümmert sich darum.“
    Diese Berufsgruppen beraten nicht zur Risikodeckung. Für den Versicherungsschutz ist ausschließlich der oder die Gründende selbst verantwortlich, gegebenenfalls mit Unterstützung spezialisierter Beratungen.
  9. „Ich kann Risiken steuerlich absetzen, dann ist das halb so schlimm.“
    Zwar sind viele Versicherungsbeiträge als Betriebsausgaben abzugsfähig, doch das mindert lediglich die Steuerlast, nicht das eigentliche Risiko.
  10. „Wenn ich eine GmbH oder UG gründe, bin ich automatisch vor allen Haftungsrisiken geschützt und brauche keine Versicherung.“
    Das stimmt so nicht. Zwar ist die Haftung bei Kapitalgesellschaften rechtlich begrenzt, doch viele Risiken bleiben bestehen. Geschäftsführende Personen haften zum Beispiel persönlich bei Pflichtverletzungen, fehlerhaften Entscheidungen oder unzureichender Organisation. Auch betriebliche Schäden, Vermögensverluste oder Haftungsansprüche Dritter treffen die Gesellschaft direkt, unabhängig von der Rechtsform. Versicherungen bleiben daher auch bei einer GmbH oder UG ein zentraler Bestandteil der unternehmerischen Risikovorsorge.

Was wird häufig vergessen?

  • Absicherung der Arbeitskraft: Ohne Einkommen keine Liquidität.
  • Betriebsausfallversicherung: Besonders für Einzelunternehmer wichtig.
  • Cyber-Versicherung: Bei digitaler Abhängigkeit zunehmend relevant.
  • Private Haftpflicht und Unfallversicherung: Basisabsicherung, die auch im Alltag schützt.
  • Absicherung der Schlüsselpersonen: In jungen Unternehmen hängt vieles von einzelnen Personen ab. Ein Ausfall kann das gesamte Geschäftsmodell gefährden.

Notfallvorsorge als Bestandteil der Absicherung

Neben Versicherungen gehört auch die Notfallvorsorge zur umfassenden Risikoprävention. Sie beantwortet die Frage: Was passiert, wenn der oder die Unternehmensverantwortliche plötzlich ausfällt. Sei es durch Krankheit, Unfall oder Tod?
Gerade in jungen Unternehmen ist das Know-how häufig stark an einzelne Personen gebunden. Ohne klare Vertretungsregelungen und Dokumentation kann der Betrieb innerhalb weniger Tage handlungsunfähig werden. Notfallvorsorge bedeutet daher:
  • Zugriffsregelungen schaffen: Wer darf im Ernstfall auf Bankkonten, Verträge oder Kundendaten zugreifen?
  • Vollmachten und Passwörter sichern: Sämtliche administrativen Zugänge müssen strukturiert dokumentiert werden.
  • Kommunikationswege festlegen: Wer informiert Kunden und Kundinnen, Mitarbeitende oder Lieferanten?
  • Vertretung benennen: Wer führt operative Entscheidungen weiter?
  • Dokumentation pflegen: Alle betrieblichen Kerninformationen müssen aktuell, auffindbar und vertraulich hinterlegt sein.
Die IHK Köln unterstützt Ihre Mitglieder bei diesem Thema mit dem IHK-Notfallhandbuch (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 3096 KB), das Schritt für Schritt durch die Erstellung einer betrieblichen Notfallmappe führt. Es bietet Vorlagen, Checklisten und Hinweise zu rechtlichen Aspekten der Unternehmensfortführung. Einmal eingerichtet, sollte die Notfallmappe regelmäßig überprüft und aktualisiert werden.