IHK-Region Ulm, Herbst 2026

Belebung auf schmalem Fundament

Die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst 2026 deuten in Summe darauf hin, dass sich die regionale Wirtschaft zu beleben beginnt. Stützen sind vor allem der Welthandel und die steigenden Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Das Fundament für einen selbst tragenden kräftigen Aufschwung bleibt jedoch schmal. Neben den globalen Unsicherheiten sind es vor allem die Strukturprobleme in Deutschland, die keine richtige Aufbruchstimmung aufkommen lassen.
Die Geschäfte der regionalen Unternehmen haben sich in den vergangenen Monaten weiter stabilisiert. So konnte ein Drittel der Betriebe ihre Umsätze steigern. Das entspricht einem Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber dem Frühjahr. Der Anteil der Betriebe mit Umsatzeinbußen ist um vier Punkte gesunken. Dadurch ist der Umsatzindikator, der die Differenz zwischen positiven und negativen Erlösmeldungen wiedergibt, zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder auf einen positiven Wert (5 Punkte) gestiegen.
Trotzdem bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage ungünstiger als im Frühjahr. Der Lageindikator ist von 16 auf neun Punkte abgesackt und entspricht damit seinem Wert zu Jahresauftakt. Die Ursache sind rückläufige Erträge: Die Ausgaben der Betriebe für Energie, Gehälter, Finanzierung und Bürokratie sind erneut schneller gestiegen als die Umsätze. Das gilt für nahezu alle Unternehmen und Branchen.

Heterogene Lage in den Branchen

Mit Abstand am besten und stabilsten laufen nach wie vor die Geschäfte der Anbieter von Dienstleistungen (32 Lagepunkte). In der Industrie und im Großhandel liegen die Lagebewertungen hingegen leicht unter der Zufriedenheitsschwelle: Etwas mehr Betrieben geht es schlecht als gut. Die schlechteste Lage ist weiterhin im Einzelhandel zu vermelden. Die gestiegene Inflation, Arbeitsplatzunsicherheit und Spritpreise sorgen hier für eine ausgeprägte Kaufzurückhaltung.
Die Kostenentwicklung wird auch in den kommenden Monaten im besonderen Fokus der hiesigen Wirtschaft bleiben. 58 Prozent sehen in den Arbeitskosten ein Risiko für die weitere Entwicklung des Unternehmens. 65 Prozent in den Energiepreisen. Und angesichts der ungelösten internationalen Konflikte ist mit einer nachhaltigen Entspannung bei den Energiekosten vorerst kaum zu rechnen.

Frische Impulse aus dem Ausland

Positive Signale sendet dagegen der Welthandel, der sich trotz der zahlreichen ungelösten internationalen Konflikte als erstaunlich robust erweist. Der Anteil der Unternehmen aus der IHK-Region Ulm, die mit steigenden Exporten rechnen, ist von knapp 38 Prozent auf 44 Prozent gestiegen. Er ist damit inzwischen mehr als doppelt so hoch wie zu Beginn des Jahres. Einen abnehmenden Auslandsabsatz erwartet nur noch jeder zehnte Betrieb, weniger als halb so viele als im Frühjahr.
Positiv entwickelt sich vor allem die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen aus der Eurozone sowie aus dem restlichen Europa. Auch die Exporte in die USA stabilisieren sich allmählich, auch wenn die US-Zollpolitik weiterhin schmerzt. In China ist dagegen vorerst für die hiesige Industrie nicht viel zu holen, weiter abnehmende Exporte werden mehrheitlich befürchtet. Insgesamt blicken sowohl die Industrie als auch die Gesamtwirtschaft zuversichtlich auf ihre globalen Geschäfte.

Zuversicht nimmt zu

Das wirkt sich merklich positiv auf die Erwartungen aus: In der Industrie sowie im mit ihr verbundenen Großhandel haben sich die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monat kräftig aufgehellt. Auch die Dienstleister blicken nicht mehr skeptisch, sondern leicht zuversichtlich nach vorn. Nur im Einzelhandel haben sich angesichts der hartnäckigen Kaufzurückhaltung der Verbraucher die Aussichten nochmals eingetrübt.
Im Schnitt aller Branchen sind 28 Prozent der Unternehmen optimistisch, knapp 22 Prozent bleiben pessimistisch. Der Erwartungsindikator ist von minus vier im Frühjahr auf plus sechs Punkte gestiegen. Aber daran, dass der Funke von den steigenden Exporten auf die Binnenwirtschaft überspringt und es zu einem selbsttragenden Aufschwung kommt, scheint die Mehrheit der Unternehmen noch nicht zu glauben. Vielmehr sieht die überwiegende Mehrheit der Betriebe in der Entwicklung ihrer Inlandsgeschäfte weiterhin ein Risiko (85 Prozent).

Inlandsinvestitionen: Fuß bleibt auf der Bremse

Die bestehenden Zweifel an der Nachhaltigkeit der Auftriebskräfte spiegeln sich insbesondere in den zurückhaltenden Investitions- und Beschäftigungsplänen wider. Weiterhin planen mehr Betriebe ihre Investitionen in Deutschland zu reduzieren als zu erhöhen. Der Abstand zwischen beiden Polen hat sich seit dem Frühjahr sogar leicht vergrößert.
Auch die Investitionsmotive bestätigen die Zurückhaltung. In die Erweiterung oder Expansion des eigenen Unternehmens, wollen nur 17 Prozent investieren – weniger als im langfristigen Durchschnitt (24 Prozent) und zu wenig für eine nachhaltige konjunkturelle Belebung. Dagegen dominieren Investitionen in die Optimierung und den Erhalt des bestehenden Anlagekapitals die Motivlage. 70 Prozent der Betriebe wollen Ersatzinvestitionen tätigen, 58 Prozent ihre Digitalisierung vorantreiben und 42 Prozent haben vor, durch ihr Investitionen Kosten zu sparen (Rationalisierung).
Es fehlt vor allem an Attraktivität und Planungssicherheit für die hiesige Wirtschaft, weshalb sie nur so viel im Inland investiert wie nötig. Dringend nötig ist eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts durch geringere Arbeitskosten, Bürokratieabbau und konkurrenzfähige Energiepreise. Dann werden die Unternehmen auch wieder verstärkt hierzulande investieren.

Zurückhaltende Personalplanung

Auch die leicht verbesserten, aber weiterhin restriktiven Beschäftigungsabsichten deuten nicht auf eine kräftige Belebung der Wirtschaft hin. Ein leichter Aufschwung lässt sich in den meisten Unternehmen auch mit dem vorhandenen Personal bewerkstelligen. Zumal angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels die meisten Unternehmen während der jüngsten Flaute versucht haben, ihre Fachkräfte trotz zu geringer Auftragszahlen so gut es geht im Betrieb zu halten.
Das bestätigen auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ende September 2026 lag die Arbeitslosenquote in IHK-Region Ulm bei 3,4 Prozent. Nur 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Ferienmonat August, was für eine moderate Herbsterholung spricht. Jedoch ist die Arbeitslosenquote damit auch nur geringfügig höher als vor einem Jahr. Aktuell planen 15 Prozent der Unternehmen, zusätzliches Personal einstellen, über 26 Prozent wollen dagegen ihre Belegschaft verkleinern.

Die Konjunktur in den Branchen:

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Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.
IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.
IHK-Konjunkturboard: Interaktives brandneues Dashboard zur grafischen Analyse der Ergebnisse der Konjunkturumfragen der IHKs in Baden-Württemberg für Branchen und IHK-Regionen anhand von Indikatoren.
Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrundeliegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.
Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialsweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum 3. Tertial 2025. Von über 38.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 363 Unternehmen befragt, von denen sich 128 (35,3 Prozent) an der Umfrage beteiligten.