Industriekonjunktur, IHK-Region Ulm, Herbst 2025
Industrie ohne Impulse
Die regionale Industrie hat weiterhin mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Der Auslandsabsatz wird durch zunehmenden Protektionismus, insbesondere die US-Importzollpolitik, sowie durch die starke chinesische Konkurrenz, die in vielen Bereichen technologisch aufgeschlossen hat und zudem häufig vom Staat subventioniert wird, erschwert. Zudem beeinträchtigen die Rahmenbedingungen in Deutschland (viel zu hohe Energiekosten, Bürokratie, marode Infrastruktur, hohe Unternehmenssteuern) die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen. Angesichts dieser Widrigkeiten, schlägt sich die Industrie aus der IHK-Region gar nicht schlecht.
Die anhaltend schwache Nachfrage aus dem In- und Ausland hat der regionalen Industrie zurückgehende Umsätze beschert. Sowohl im Auslands- als auch im Inlandsgeschäft ist die Zahl der von Erlöseinbußen betroffenen Unternehmen um zehn Punkte auf 46 Prozent gestiegen, der Anteil der Betriebe mit einem Umsatzplus hat sich mehr als halbiert (auf 10 Prozent). Das sich die Lageeinschätzungen in der Industrie trotzdem auf niedrigem Niveau leicht stabilisiert haben, liegt unter anderem daran, dass sich die Ertragslage nicht weiter verschlechtert hat. Somit bewerten weniger Betriebe ihre aktuelle Situation als schlecht als im Frühjahr dieses Jahres (Rückgang von 28 auf 21 Prozent), gut geht es unverändert nur einem Fünftel.
Auftragslage verschlechtert sich
Mit einer baldigen Belebung ihrer Geschäfte rechnet die regionale Industrie nicht. Die momentane Nachfragetendenz hat sich für viele Unternehmen verschlechtert. Der Auftragseingangsindikator, der die Differenz zwischen den Anteilen der Betriebe mit steigenden und fallen Auftragseingängen wiedergibt, ist bei den Inlandsaufträgen von 1,4 Punkten im Frühjahr auf aktuell -29 Punkte gefallen, bei der Auslandsnachfrage von 4,7 auf -38 Punkte.
Blicken die hiesigen Industrieunternehmen über den Moment hinaus auf die nächsten zwölf Monate hinaus, sind die Absatzerwartungen nicht so dramatisch, aber ebenfalls ungünstiger als zuvor. Dabei ist die Skepsis bezüglich der Exporte ausgeprägter als beim Inlandsabsatz. Die Exporteure leiden gleich zweifach unter der US-Zollpolitik. Von der Erhöhung der US-Importzölle sind fast alle Länder und Waren betroffen, was den Welthandel insgesamt betrifft. In der Folge fällt auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus der IHK-Region Ulm. Zudem schaden die US-Zölle auf Importe aus der EU den hiesigen Exporteuren direkt. Zudem haben sich auch die Perspektiven für den chinesischen Markt deutlich eingetrübt. Daher fehlen insgesamt die Impulse.
Skepsis statt Zuversicht
Die leichte Zuversicht der Industrie vom Frühjahr ist im Herbst 2025 einer leichten Skepsis gewichen. Als Reaktion auf die mäßigen Perspektiven ist die Zahl der Betriebe, die an den Budgets für Inlandsinvestitionen ansetzen weiter gestiegen. Nur noch jedes zehnte Unternehmen plant Kapazitätserweiterungen, ein Wert nahe dem Allzeittief während der globalen Finanzmarktkrise. Weiterhin sehen sich viele Betriebe zu einer Verkleinerung ihrer Belegschaften gezwungen.
