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Die Kriege in der Ukraine und im Gaza-Streifen, die schwächelnde Weltwirtschaft, die Einfuhrzölle der USA sowie nicht wettbewerbsfähige Energiepreise und eine lähmende Bürokratie sorgen für eine zunehmende Verunsicherung in der hiesigen Wirtschaft. In der Folge halten sich viele Unternehmen mit Investitionen zurück, was die Nachfrage nach Investitionsgütern zusätzlich schwächt. Auch halten sich die Betriebe mit Neueinstellungen zurück oder bauen bereits Personal ab.
Dass die IHK-Region Ulm trotzdem weiterhin die IHK-Region mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Deutschland bleibt, liegt vor allem daran, dass die Wirtschaft der IHK-Region Ulm bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze und deren Besetzung im vergangenen Jahrzehnt sehr erfolgreich war. Zwischen 2015 und 2024 ist die Zahl der Beschäftigten um 12,5 Prozent gestiegen - mehr als doppelt so stark wie auf Landesebene. Angesichts der schon über zwei Jahre andauernden Wirtschaftsflaute ist das Beschäftigungswachstum inzwischen zum erliegen gekommen. Die Arbeitslosenquote nimmt wieder langsam zu.
Dennoch gab jeder zweite Betrieb in der Herbst-Konjunkturumfrage der IHK Ulm an, offene Stellen zu haben, für die sie keine passenden Fachkräfte finden. Die betroffenen Unternehmen befürchten, dass die Fachkräfteengpässe ihre weitere betriebliche Entwicklung in den kommenden Monaten behindern könnten. Die Ergebnisse des neuen IHK-Fachkräftemonitors bestätigen diese Umfrageergebnisse. So müssen in der IHK-Region Ulm derzeit rund 11.500 offene Stellen unbesetzt bleiben, weil sich keine passenden Fach- und Arbeitskräfte finden.
Die Engpässe werden bis 2035 auf 18.650 fehlende Arbeits- und Fachkräfte zunehmen. Folglich werden dann 6,3 Prozent der Stellen unbesetzt bleiben – eine Verdoppelung gegenüber 2024. Das Thema Fachkräftemangel darf trotz aktueller Stagnation und geopolitischer Krisen somit nicht aus den Augen verloren werden.
Vor allem beruflich qualifizierte Fachkräfte fehlen
Engpässe bestehen laut Monitor gerade bei gewerblich-technischen Berufen, aber auch für Tätigkeiten in Logistik, im Verkauf, im Gesundheitswesen sowie in der Unternehmensorganisation. Besonders groß sind die Engpässe dabei bei beruflich qualifizierten Fachkräften: Bei fast zwei Drittel aller unbesetzten Stellen werden Fachleute mit abgeschlossener Berufsausbildung oder einem Weiterbildungsabschluss wie Meister, Fachwirt, Techniker oder Betriebswirt. Akademische Experten bleiben ebenfalls gefragt (11 Prozent). Selbst Arbeitskräfte ohne einen qualifizierten Berufsabschluss (Helfer) werden zunehmend knapper. Sie machen 2035 mehr als ein fünftel der Engpässe aus.
Wenn Unternehmen Arbeitsplätze dauerhaft nicht besetzen können, bedeutet dies, dass Aufträge nicht umgesetzt oder gar nicht erst angenommen werden oder Dienstleistungen nicht erbracht werden können. Wenn Planer und Ingenieure fehlen, wenn nicht ausreichend Fachkräfte zu Bedienung und Wartung neuer Anlagen vorhanden sind, werden die Betriebe zudem weniger investieren.
Laut den Berechnungen der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) - den Erstellern des neuen IHK-Fachkräftemonitor - würden der Baden-Württembergischen Wirtschaft über die nächsten zehn Jahre insgesamt 170 Mrd. Euro an Wertschöpfung entgehen.
Wirtschaft will berufliche Bildung ausbauen
45 Prozent der hiesigen Unternehmen will der zunehmenden Fachkräfteknappheit mit mehr Ausbildung begegnen. 32 Prozent der Betriebe setzt auf eine verstärkte Weiterbildung. Die IHK Ulm unterstützt ihre Betriebe mit verschiedenen Projekten und Angeboten: Zum Beispiel, indem sie das Interesse von Kindern und Jugendlichen an Naturwissenschaft und Technik wecken will, die Berufsorientierung verbessert, die erfolgreiche Ausbildung sichert, ein demografiebewusstes Personalmanagement und das betriebliche Gesundheitsmanagement in Unternehmen fokussiert sowie beim Finden von Fachkräften aus dem Ausland und der Integration von Flüchtlingen unterstützt. Auch für Studienabbrecher, die mit einer dualen Ausbildung neu starten möchten, hat die IHK ein Angebot.
Zu den bevorzugten betrieblichen Strategien gegen den Fachkräftemangel gehören auch die Rationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung, die Steigerung der eigenen Attraktivität als Arbeitgeber sowie die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sowohl die Personalsuche im Ausland als auch die vermehrte Einstellung älterer Arbeitnehmer kommen für über ein Fünftel der Unternehmen zur -Deckung ihres Personalbedarfes in Frage.