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Wie wirkt sich die anhaltend schwache Entwicklung der Wirtschaft auf den Fachkräftemangel in der IHK-Region Ulm aus? Wird weiterhin eine Zuwanderung qualifizierter Menschen benötigt? Diesen Fragen ging die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) bei der Aktualisierung des IHK-Fachkräftemonitors nach.
Angesichts ungelöster inländischer Strukturprobleme und stetig zunehmender externer Belastungen (Kriege in der Ukraine, in Gaza und im Iran, Zollpolitik der USA) verharrt die Wirtschaft der Region Ulm in der Seitwärtsbewegung. In der Folge nimmt auch der Personalbedarf einiger Unternehmen ab. Im 1. Halbjahr 2026 lag die regionale Arbeitslosenquote im Schnitt bei 3,4 Prozent. Das entspricht einer Zunahme um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. 2019 betrug sie sogar nur 2,4 Prozent.
Auch der Vergleich der aktuellen Zahlen aus dem IHK-Fachkräftemonitor mit denen aus der letztjährigen Prognose bestätigt den Trend einer tendenziell abnehmenden Arbeitskräftenachfrage, die für eine gewisse Entlastung auf Arbeitsmarkt sorgt: Es fehlen in diesem Jahr im Vergleich zur Vorjahresprognose deutlich weniger Arbeits- und Fachkräfte. Die Zahl der unbesetzten Stellen ist um ein Viertel auf 7.900 zurückgegangen. Das bedeutet jedoch auch, dass Fachkräfte knapp bleiben, trotz aller Krisen.
Zudem wird sich der Fachkräftemangel nicht wie von selbst auflösen. Bis 2025 werden viel mehr Beschäftigte aus der Babyboomer-Generation in Rente gehen, als junge Menschen und neue Zuwanderer in den Arbeitsmarkt eintreten werden. Die Engpässe werden bis 2035 auf 13.400 fehlende Arbeits- und Fachkräfte zunehmen. Folglich werden dann 3,6 Prozent aller Stellen unbesetzt bleiben – eine Verdoppelung gegenüber 2024. Das Thema Fachkräftemangel darf trotz aktueller Stagnation und geopolitischer Krisen somit nicht aus den Augen verloren werden.
Vor allem beruflich qualifizierte Fachkräfte fehlen
Engpässe bestehen laut Monitor gerade bei gewerblich-technischen Berufen, aber auch für Tätigkeiten in Logistik, im Verkauf, im Gesundheitswesen sowie in der Unternehmensorganisation. Besonders groß sind die Engpässe somit bei beruflich qualifizierten Fachkräften: Das gilt sowohl aktuell als auch in den kommenden Jahren, mit klar steigender Tendenz 2035 werden bei sechs von zehn unbesetzten Stellen Fachleute mit abgeschlossener Berufsausbildung vergeblich gesucht, weitere 22 Prozent der Stellen bleiben vakant, weil Fachleute mit einem Weiterbildungsabschluss, also Meister, Fachwirte, Techniker oder Betriebswirte fehlen.
Der Mangel an Akademikern wird bis 2035 weiter zunehmen. Dann wird er für jede neunte dauerhafte Vakanz verantwortlich sein. Allein bei Stellen mit geringen Qualifikationsanforderungen nehmen die Arbeitskräftelücken ab, ohne jedoch gänzlich zu verschwinden. 2035 werden für rund sechs Prozent aller nicht besetzbaren Stellen geringqualifizierte Menschen (Helfer) erfolglos gesucht.
Fachkräfte aus dem Ausland sind unentbehrlich
Und was würde passieren, wenn es künftig keine Zuwanderung mehr gäbe? In dem Basisszenario des IHK-Fachkräftemonitors, also der unter allen verfügbaren Informationen wahrscheinlichsten Entwicklung, wird eine jährliche Nettozuwanderung von 200.000 Personen nach Deutschland angenommen. In einem neuen Zuwanderungsszenario wird dagegen die Nettozuwanderung deutschlandweit auf null gesetzt. So als würde über Deutschland eine Käseglocke gestülpt und niemand käme mehr hinaus oder hinein.
Die Folgen für die regionale Wirtschaft wären gravierend: Die Fachkräfteengpässe würden jedes Jahr deutlich höher ausfallen. Die Zahl der unbesetzten Stellen würde bis 2035 um fast 80 Prozent auf insgesamt knapp 24.000 anwachsen. Das heißt: Es würden rund 10.500 zusätzliche Stellen in den Unternehmen vakant bleiben. Besonders betroffen wären laut Fachkräftemonitor Verkehrs- und Logistikberufe sowie medizinische Gesundheitsberufe.
IHK unterstützt Betriebe mit dem Welcome Center
Mit dem Welcome Center Ulm/Oberschwaben unterstützt die IHK Ulm Unternehmen bei der Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte. Das Welcome Center informiert zu rechtlichen und praktischen Fragen der Fachkräfteeinwanderung, unterstützt bei der Einreise und Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen und zeigt passende Wege für die Beschäftigung internationaler Talente auf. Darüber hinaus berät das Welcome Center auch zu Onboarding, betrieblicher Integration und zur Bindung neuer Mitarbeiter, damit internationale Rekrutierung langfristig zum Erfolg wird.
Engpässe verursachen einen hohen wirtschaftlichen Schaden
Wenn Unternehmen Arbeitsplätze dauerhaft nicht besetzen können, bedeutet dies, dass Aufträge nicht umgesetzt oder gar nicht erst angenommen werden oder Dienstleistungen nicht erbracht werden können. Wenn Planer und Ingenieure fehlen, wenn nicht ausreichend Fachkräfte zu Bedienung und Wartung neuer Anlagen vorhanden sind, werden die Betriebe zudem weniger investieren.
Die auf diese Weise entgehende Wertschöpfung addiert sich im Basisszenario bis 2025 für Baden-Württemberg auf 101 Mrd. Euro. Ohne Zuwanderung wäre der wirtschaftliche Schaden sogar fast dreimal so hoch: Würden die Grenzen Deutschland für ausländische Fachkräfte geschlossen (keinerlei Zuwanderung), würde der bis 2035 in Baden-Württemberg produzierte Wohlstand sogar um 283 Mrd. Euro geringer ausfallen.