Pressemitteilung vom 13. Juli 2022

Bioökonomie – Unternehmen sind bereit

Die Unternehmen der Region Stuttgart nehmen die biologische Transformation der Wirtschaft als eine zusätzliche Herausforderung an. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die IHK Region Stuttgart unter gut 800 Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat. Demnach erwägen viele Betriebe schon in den kommenden drei Jahren, Produkte und Dienstleistungen auf Grundlage der Bioökonomie zu entwickeln.
Die Ausrichtung des Geschäftes auf nachhaltige Verfahren und Produkte, die Nutzung erneuerbarer Energien und Ressourcen sowie die Orientierung an natürlichen Prozessen wird unter dem Begriff Bioökonomie zusammengefasst. Auf EU-Ebene hat der European Green Deal einen starken Impuls für die nachhaltig-biologische Transformation gegeben, auch die Bundesregierung und das Land Baden-Württemberg definieren die Bioökonomie als eines der großen politischen Ziele der nächsten Jahre. 
Laut der IHK-Umfrage sind mehr als zwei Dritteln der Betriebe schon jetzt Produkte oder Verfahren bekannt, die auf nachwachsenden Ressourcen basieren und somit den Kriterien eines nachhaltigen Wirtschaftskreislaufes genügen. Ebenso viele stimmten den Aussagen zu, die Bioökonomie sei als „die nächste industrielle Revolution“ anzusehen und Deutschland müsse die biologische Transformation so schnell wie möglich angehen – das heißt noch vor Abschluss der digitalen Transformation und des Wandels in der automobilen Antriebstechnologie. Und gleichfalls zwei Drittel gehen davon aus, dass der Megatrend Bioökonomie für die Mehrzahl der Unternehmen Wettbewerbsvorteile bieten kann. Neben der Umwelttechnik, der Land- und Forstwirtschaft werden die größten Potenziale in der Textil- und Lebensmittelindustrie gesehen.
Auch für das eigene Unternehmen schätzt die Mehrzahl der Betriebe die Bioökonomie als relevant ein. Mehr als vier Fünftel sehen es als sinnvoll an, schon in den nächsten drei Jahren bioökonomische Prozesse in ihrem Unternehmen einzusetzen, auch wenn mehr als die Hälfte einräumt, dass es dabei Konflikte mit der Wirtschaftlichkeit geben könnte. Fast die Hälfte der antwortenden Unternehmen sieht Hindernisse bei der Verbreitung nachhaltiger Produktionsmethoden denn auch nicht in mangelnder Qualität und Reife, sondern in Markthindernissen wie etwa der preislichen Konkurrenzfähigkeit.
Nach Ansicht der Mehrheit der Befragten sind auch kleine und mittlere Unternehmen in der Lage, bioökonomische Produkte zu entwickeln, benötige jedoch stärkere Unterstützung durch die Politik. Zu den vorhandenen staatlichen Strategiepapieren, Expertengremien und Förderprogrammen gibt es jedoch offensichtlich noch Informationsbedarf. So ist die Bioökonomiestrategie des Landes-Baden-Württemberg sowie auch des Bundes jeweils nur etwa einem Viertel der Betriebe bekannt. Als neutrale Erstanlaufstellen sind an dieser Stelle die durch die Europäischen Union und das Land Baden-Württemberg geförderten Technologietransfermanager und die neuen regionalen Kompetenzstellen Ressourceneffizienz (KEFF+) bei der IHK zu nennen. Diese helfen unkompliziert und kostenfrei bei der Erschließung des Innovationsökosystems in der Region Stuttgart und darüber hinaus.