IHK-Pressemitteilung vom 08.02.2022

Fachkräftemangel wieder größtes Risiko der Wirtschaft

Wiesbauer: Fachkräfte brauchen „Future Skills“


„Der Fachkräftemangel ist omnipräsent – auch wenn er durch die Pandemie in den Hintergrund gerückt ist. Und wenn in den nächsten Jahren die Generation der Babyboomer wegfällt, schlägt der demografische Wandel voll zu“, betont Thomas Wiesbauer, Präsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg anlässlich der IHK-Pressekonferenz in Stuttgart, bei der Umfrage-Ergebnisse der letzten beiden Konjunkturumfragen (Herbst 2021 und Jahresbeginn 2022) vorgestellt wurden. Schon im Herbst bestätigten die befragten Betriebe den akuten Fachkräftemangel: Sechs von zehn Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen, weil sie keine passenden Fachkräfte finden. In der aktuellen Konjunkturumfrage ist der Fachkräftemangel bei den Geschäftsrisiken der Unternehmen wieder auf Platz 1 geschnellt. 
Fast 70 Prozent der Unternehmen mit Fachkräftebedarf suchen Fachkräfte mit Ausbildungsabschluss, 43 Prozent Fachkräfte mit Hochschulabschluss und ein Drittel sucht Fachkräfte mit Weiterbildungsabschluss. Bis ins Jahr 2030 soll sich das noch verschlimmern. Laut IHK-Fachkräftemonitor, einem Online-Tool mit dem sich der Bedarf an Qualifikationen in Baden-Württemberg prognostizieren lässt, wird für die Region Stuttgart ein Mangel von 150.000 Fachkräften vorhergesagt, davon 130.000 beruflich Qualifizierte und lediglich 20.000 Akademiker. „Das zeigt: sowohl Aus- als auch Weiterbildung lohnen sich. Deshalb ist es auch ein wichtiges Ergebnis der Umfrage, dass jeder zweite Betrieb mehr ausbilden will und fast 40 Prozent ihre Beschäftigten weiterbilden wollen. Ein hohes Bildungsengagement ist notwendig, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten“, so Wiesbauer. Neben der Ausbildung lohne sich auch die Weiterbildung für Betriebe und deren Mitarbeiter. Deswegen komme es darauf an, die vorhandenen Mitarbeiter so weiterzubilden, dass sie die geforderten Kompetenzen der Zukunft, die „Future Skills“, erwerben können. 
Für Weiterbildungsinteressierte gibt es inzwischen viel Unterstützung. Das reicht vom Bildungsurlaub über die steuerliche Absetzbarkeit bis zur finanziellen Unterstützung durch die Arbeitsagentur. Dass sich die Mühe lohnt, hat die Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen (IAW) zur Bildungsrendite aus dem Jahr 2019 aufgezeigt: Der kumulierte Verdienst einer Person mit Ausbildung und anschließender Weiterbildung liegt am Ende des Erwerbslebens fast gleichauf mit dem von Hochschulabsolventen. Bis zum 60. Geburtstag hat erstere sogar die Nase vorn. Beispielsweise hat eine Fachkraft mit Aus- und Weiterbildung im Alter von 34 Jahren bereits fast 75.000 Euro mehr verdient als ein gleichaltriger Uni-Absolvent. Außerdem erreicht man mit einigen Weiterbildungsabschlüssen die Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR). Das ist die höchste Stufe auf der international einheitlichen Qualifikationsskala und ist dem Master-Uni-Abschluss gleichgestellt.

Hintergrund:

In der Region Stuttgart gibt es ein vielfältiges Angebot von Bildungseinrichtungen und Seminaranbietern. Über das Weiterbildungs-Informations-Systems (WIS) und beispielsweise auch über das Netzwerk Fortbildung kann nach Seminaranbietern und interessante Weiterbildungsseminare gesucht werden. Auch die IHK-Weiterbildungsberatung beantwortet Fragen von Interessierten.