Pressemitteilung 26. Februar 2026
US-Geschäft bricht 2025 um 12,7 Prozent ein – Europa gewinnt an Gewicht
IHK-Präsident Paal: EU muss wirtschaftliche Schlagkraft stärken und gezielt neue Märkte öffnen
Stuttgart, 24. Februar 2026 – Die baden-württembergischen Exporte in die USA sind im vergangenen Jahr um 12,7 Prozent eingebrochen. Es ist der dritte Rückgang in Folge – nach minus 7,6 Prozent im Jahr 2023 und minus 4,3 Prozent im Jahr 2024 (Quelle Statistisches Bundesamt). Für die IHK Region Stuttgart ist klar: Die unberechenbare Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hinterlässt deutliche Spuren im Südwesten.
Dennoch hellen sich die Exporterwartungen im Südwesten laut aktueller IHK-Konjunkturumfrage leicht auf – allerdings nicht wegen, sondern trotz der USA. 28 Prozent der Industrieunternehmen rechnen mit steigenden Ausfuhren, knapp 20 Prozent mit Rückgängen. Von einer Trendwende kann jedoch keine Rede sein – Nordamerika bleibt schwer berechenbar, China schwach, die Eurozone stabilisiert sich leicht.
„Die Entwicklung mit den USA ist kein konjunktureller Ausschlag mehr, das ist politisch verursachter Schaden“, sagt Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart. „Die verschärfte US-Zollpolitik trifft unsere exportorientierten Unternehmen ins Mark. Seit einem Jahr erleben wir, wie politische Entscheidungen in Washington unmittelbar auf Auftragsbücher, Investitionspläne und Standortentscheidungen im Südwesten durchschlagen. Die Unsicherheit im US-Geschäft bleibt hoch – und sie ist Gift für eine Industrie, die auf langfristige Planung angewiesen ist.“
Auch wenn nicht jede neue Zollrunde politisch durchsetzbar sei, so verfüge die US-Administration dennoch weiterhin über ausreichende Instrumente, um Handel jederzeit zu erschweren. „Genau diese Unberechenbarkeit ist das Problem. Unsere Unternehmen wissen nicht, welche zusätzlichen Belastungen morgen gelten. So entsteht ein permanenter Risikozuschlag im transatlantischen Geschäft.“
Europa müsse jetzt geschlossen und selbstbewusst reagieren, so Paal. „Die Europäische Union muss ihre wirtschaftliche Schlagkraft stärken: durch konsequente Diversifizierung von Lieferketten und vor allem durch zügige, substanzielle Handelsabkommen mit verlässlichen Partnern weltweit. Für Baden-Württemberg als industrielle Exportregion gilt: Offene Märkte sind keine Option, sie sind Geschäftsgrundlage.“
USA bleiben wichtigster Handelspartner – aber mit Einbußen
Mit einem Exportvolumen von rund 30 Milliarden Euro bleiben die USA zwar 2025 der wichtigste Einzelmarkt für Baden-Württemberg. In kein anderes Land liefert der Südwesten mehr Waren – die Exporte sind dreimal so hoch wie nach Polen (9,9 Milliarden Euro) und doppelt so hoch wie in die Niederlande (15,9 Milliarden Euro).
Doch die Dynamik ist negativ. Der Anteil der USA an den baden-württembergischen Gesamtausfuhren sank von knapp 15 Prozent in den Jahren 2023 und 2024 auf nur noch rund 13 Prozent im Jahr 2025.
Besonders hart trifft es die industriellen Schlüsselbranchen des Landes:
- Kraftwagen und Kraftwagenteile: minus 13,4 Prozent
- Pharmazeutische Erzeugnisse: minus 19,9 Prozent
- Maschinenbau: minus 12,8 Prozent
Auch das China-Geschäft schwächelt
Die Exporte in die Volksrepublik gingen 2025 um 15 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro zurück. Besonders dramatisch war der Einbruch bei Fahrzeugen und Fahrzeugteilen (-36,9 Prozent). Der Anteil Chinas an den Gesamtausfuhren sank binnen zwei Jahren von 8 auf 6 Prozent.
Weg von den globalen Leitmärkten, hin zu Europa
Insgesamt legten die baden-württembergischen Exporte 2025 zwar leicht um 0,6 Prozent zu. Dieses minimale Plus verdeckt jedoch eine strukturelle Verschiebung: Weg von den globalen Leitmärkten, hin zu Europa.
- 48,7 Prozent der Ausfuhren gingen 2025 in die Europäische Union (117,5 Milliarden Euro).
- Die Eurozone steigerte ihren Anteil auf 35,9 Prozent (86,6 Milliarden Euro).
- Frankreich (+2,9 Prozent)
- Italien (+2,9 Prozent)
- Österreich (+5,9 Prozent)
- Polen (+7,3 Prozent)
- Spanien (+9,1 Prozent)
- Besonders stark wuchs das Geschäft mit der Schweiz: plus 22,2 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro, der Anteil stieg auf 10,2 Prozent.