Pressemitteilung 27. Februar 2026

„Digital Independence Day“ – Rund ein Drittel der Unternehmen im Land beklagt starke Abhängigkeit von US-Technologien

IHK-Chefin Susanne Herre: Datensouveränität und unternehmerische Entscheidungsfreiheit sind zentrale Standortfaktoren

32 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg sind nach eigener Einschätzung stark auf Microsoft-Office-Produkte angewiesen. Noch deutlicher wird die digitale Bindung an einzelne Anbieter bei den Betriebssystemen: 39 Prozent der Unternehmen setzen vollständig auf Microsoft Windows, weitere 25 Prozent weitgehend. Damit arbeiten fast zwei Drittel der Unternehmen im Land in hohem Maße mit Microsoft Windows. Das zeigt die Auswertung der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025.

Digitale Abhängigkeiten als strukturelles Risiko

Anlässlich des „Digital Independence Day“ am 1. März mahnt die IHK Region Stuttgart, digitale Souveränität stärker in den Fokus von Wirtschaft und Politik zu rücken. „Digitale Infrastrukturen sind heute geschäftskritisch – einseitige Bindungen an einzelne Anbieter bergen erhebliche Risiken“, erklärt Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart. „Das ist kein Randthema, sondern ein strukturelles Risiko für unsere Wettbewerbsfähigkeit.“
Fehlende Updates, steigende Lizenzkosten oder starke Bindungen an Anbieter könnten Unternehmen gerade in Krisensituationen empfindlich treffen. „Wer technologisch kaum Ausweichmöglichkeiten hat, verliert im Ernstfall wertvolle Handlungsoptionen“, so Herre. Zudem dürfe die geopolitische Dimension nicht unterschätzt werden. Die starke Orientierung an außereuropäischen Dienstleistern werfe grundlegende Fragen auf – etwa mit Blick auf den US-Cloud-Act, mögliche staatliche Zugriffsmöglichkeiten aus Drittstaaten oder wachsende internationale Spannungen. „Datensouveränität, IT-Sicherheit und unternehmerische Entscheidungsfreiheit sind zentrale Standortfaktoren. Hier brauchen wir mehr Resilienz und echte Alternativen“, betont Herre.

Open-Source-Alternativen für mehr Sicherheit

Auch bei Plattformen und Maschinensoftware der Unternehmen im Südwesten zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar fällt die Abhängigkeit auf den ersten Blick geringer aus, doch viele Unternehmen geben an, dies nicht genau einschätzen zu können. Das deute darauf hin, dass Abhängigkeiten unterschätzt würden, so die IHK-Chefin. „Gerade hier braucht es mehr Transparenz und eine strategische Auseinandersetzung.“
Der IHK-Ausschuss für Digitalisierung und IT-Wirtschaft ist aktuell dabei, ein Workshop-Format zu entwickeln, um Unternehmen über digitale Abhängigkeiten zu informieren und Lösungswege aufzuzeigen.

Hintergrund zur Umfrage:

An der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025 haben in der Zeit vom 10. November bis 28. November 2025 bundesweit knapp 5.000 Unternehmen teilgenommen. Aus Baden-Württemberg haben sich fast 500 Unternehmen beteiligt.
Der „Digital Independence Day“ ist eine Initiative verschiedener Akteure, die sich gemeinsam für mehr Unabhängigkeit und Demokratie im digitalen Raum einsetzen wollen. Er findet jeden ersten Sonntag im Monat statt und will für das Thema digitale Abhängigkeit sensibilisieren.