Konjunktur Stadt Stuttgart

Erste Signale der Stabilisierung – kommt der Aufschwung?

Die wirtschaftliche Lage in Stuttgart zeigt erste Anzeichen der Entspannung. Zwar bleibt die Dynamik verhalten, doch nach mehreren schwierigen Quartalen zeichnet sich eine allmähliche Stabilisierung ab.
Insbesondere die Industrie sendet vorsichtig positive Signale, während Handel und konsumorientierte Branchen weiterhin mit strukturellen und konjunkturellen Belastungen kämpfen. Die Frage, die sich stellt: Handelt es sich um eine nachhaltige Trendwende – oder lediglich um eine kurzfristige Phase relativer Erholung?

Gesamtwirtschaftliche Lage – Aufhellung mit angezogener Handbremse

Erstmals seit dem Frühsommer 2024 verbessert sich die Stimmung in der Stuttgarter Wirtschaft wieder leicht. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als „gut“ bewerten, steigt auf 26 Prozent und liegt damit einen Prozentpunkt über dem Wert vom Herbst 2025. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Betriebe, die ihre Lage als „schlecht“ einschätzen, um drei Punkte auf nun 22 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich im Lageindikator, der von null auf vier Punkte steigt.
Auch die Erwartungen der Unternehmen ziehen leicht an: Sie klettern von minus zwei auf plus zwei Punkte und erreichen damit wieder einen positiven Bereich. Bemerkenswert ist der Vergleich zur Gesamtregion Stuttgart:
  • Aktuelle Lage: Die Stuttgarter Unternehmen schätzen ihre Lage negativer ein als die Unternehmen in der Gesamtregion.
  • Erwartungen: Stuttgarter Unternehmen sind im regionalen Vergleich überraschend optimistisch und liegen vorn.
Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den befragten Branchen: Während die Industrie deutlich optimistischer in die Zukunft sieht, schwindet die Hoffnung beim Handel, der Dienstleistungssektor bleibt stabil.

Branchenanalyse: Erste Erholungstendenzen, aber unter historischem Schnitt

Die Konjunktur bei Industrieunternehmen in der Landeshauptstadt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung, aber auf einem niedrigen Niveau. Die Lage verharrt zwar bei minus 31 Punkten, ein Zeichen anhaltender Ertragsengpässe, niedriger Kapazitätsauslastung und zurückhaltender Investitionen. Allerdings steigen die Erwartungen um beeindruckende 28 Punkte nach oben und landen somit im positiven Bereich bei vier Punkten. Im Branchenvergleich legt die Industrie damit bei den Erwartungen am deutlichsten zu. Zwar rechnet rund jedes fünfte Industrieunternehmen weiterhin mit einer Verschlechterung der Geschäftslage innerhalb der kommenden zwölf Monate, doch 27 Prozent erwarten eine Verbesserung.
Dass sich die Erwartungen ausgerechnet in einer für die exportorientierte Region schwierigen wirtschaftlichen Phase positiv entwickeln, liegt maßgeblich am wieder zunehmenden Exportgeschäft – dem zentralen Stabilitätsfaktor für die Industrie in Stuttgart.
Der stark ausgeprägte Dienstleistungssektor ist traditionell eine der wirtschaftlichen Stützen Stuttgarts. Über Jahre hinweg konnte er die Schwächen von Industrie und Handel abfedern – insbesondere durch Finanzdienstleistungen, Beratungsunternehmen, IT-Services sowie rechtliche und kaufmännische Dienstleistungen.
Aktuell zeigt der Sektor jedoch wenig Dynamik. Der Lageindikator ist leicht verbessert auf plus 16 Punkte, die Erwartungen stagnieren bei plus drei Punkten. Unter dieser scheinbaren Stabilität verbergen sich deutliche Unterschiede zwischen den Teilbranchen:
Das Hotel- und Gastgewerbe bleibt stark belastet. Obwohl die Mehrwertsteuer auf Speisen auf sieben Prozent reduziert wurde, verpufft der von der Branche erhoffte Impuls. Gründe sind die spürbar sinkende Konsumbereitschaft, steigende Energie- und Personalkosten, hohe Abgabenbelastung sowie eine zunehmende Zurückhaltung bei Geschäftsreisen und Events. Weniger als zehn Prozent der Unternehmen melden eine gute Lage, während etwa 40 Prozent von einer schlechten sprechen – ein alarmierendes Missverhältnis. Bei Transport & Verkehrsunternehmen ist die Lage leicht positiv, aber fragil. Die Unternehmen bleiben von externen Impulsen wie der konjunkturellen Entwicklung bei Industrie und Bau abhängig.
Der Handelssektor in Stuttgart bleibt im konjunkturellen Gegenwind gefangen. Die anhaltende Kaufzurückhaltung von Haushalten wie Unternehmen drückt die Branche mittlerweile im dritten Jahr in Folge ins Minus, die Auftragseingänge sind rückläufig, ebenso wie die geplanten Investitionen und die Beschäftigungserwartungen.
Besonders alarmierend: Selbst der letzte Rest an Zuversicht bröckelt. Seit Herbst sind die Erwartungen um 38 Punkte auf nun minus 29 Punkte abgestürzt und machen den Handel damit zum klaren Schlusslicht im Branchenvergleich. Der Stimmungsabsturz wurde im schwachen Weihnachtsgeschäft bekräftigt: Statt Impulsen gab es Ernüchterung. Sowohl im Einzel- als auch im Großhandel rutschen Umsatz und Erträge deutlich hinter die ohnehin gedämpften Erwartungen zurück.

Risikoatlas: Von Konsumflaute bis Weltpolitik

Die Unternehmen sehen sich mit zahlreichen Risiken konfrontiert, die sowohl aus dem Inland als auch aus dem globalen Umfeld stammen.
Die Inlandsnachfrage ist geprägt von der Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte sowie der Investitionszurückhaltung der Unternehmen. Gründe sind die anhaltende Unsicherheit über die wirtschaftspolitische Entwicklung sowie steigende Lebenshaltungskosten. Im Besonderen für den Handel sowie Hotellerie und Gastronomie in Stuttgart bedeutet dies eine erhebliche Belastung.
Die Arbeitskosten bleiben ein ernstzunehmendes Risiko. Grund hierfür sind die bevorstehenden oder schon abgeschlossenen Tarifrunden. Diese lassen deutliche Lohnsteigerungen erwarten, die sich in den nochmals gestiegenen Risiken abbilden.
Die Wirtschaftspolitik wird kontinuierlich als belastend bewertet. Die erhofften großen Reformen bleiben nach wie vor aus. Auch geopolitische Spannungen werden zunehmend als Unsicherheitsfaktor wahrgenommen, neben den bekannten Krisenherden rücken immer neue Spannungen wie die Situation um Grönland in den Fokus.
Der Fachkräftemangel, lange Zeit eines der größten Risiken, ist ins Mittelfeld gerückt, bleibt aber langfristig relevant. Die seit Jahren schwache Konjunktur hat den Druck auf dem Arbeitsmarkt spürbar reduziert, jedoch steigt nun die Arbeitslosigkeit. In Stuttgart liegt die Quote aktuell bei 6,8 Prozent und damit deutlich über dem Niveau der Vorjahre.

Investieren: Aufhellung ohne Aufbruch

Branchenübergreifend treten Unternehmen bei Investitionen weiter auf die Bremse. Investiert wird meist nur dort, wo es unvermeidbar ist, etwa in die Digitalisierung, um nicht den Anschluss an Wettbewerber zu verlieren, oder in reinen Ersatzbedarf. Besonders deutlich wird die Zurückhaltung bei Kapazitätserweiterungen. Sie sind zwar gegenüber dem vergangenen Herbst gestiegen, bleiben aber weit hinter den langfristigen Werten der vergangenen Dekade zurück.

Fazit: Stabilisierung ja – Aufschwung (noch) ungewiss

Die Stuttgarter Wirtschaft befindet sich am Beginn einer vorsichtigen Stabilisierung. Die Industrie zeigt erste Anzeichen der Erholung, getragen von einer Verbesserung im Exportumfeld. Dienstleistungen bleiben Rückgrat der lokalen Wirtschaft, verlieren aber an Dynamik. Der Handel dagegen steckt tief in der Krise.
Aktuell steht Stuttgart an einer Wegmarke – zwischen der Chance auf eine echte konjunkturelle Erholung und der Gefahr eines langanhaltenden Seitwärtslaufs. Ob der Schwung reicht, um die Stuttgarter Wirtschaft langfristig zu stabilisieren, hängt auch von politischen Entscheidungen, globaler Konjunktur und der Fähigkeit der Unternehmen ab, flexibel zu reagieren. Für die Stuttgarter Wirtschaft gilt daher: Chancen nutzen, Risiken aktiv managen und die eigene Resilienz stärken.
Über die Umfrage:

Diese Auswertung beruht auf der IHK-Konjunkturumfrage, an welcher zwischen dem 29. Dezember 2025 und 20. Januar 2026 insgesamt 1.027 Unternehmen aus der Region teilgenommen haben – darunter 191 Unternehmen aus der Stadt Stuttgart.

Die IHK-Konjunkturumfrage ist mehr als nur ein Stimmungsbarometer – sie ist ein direkter Draht zur Wirtschaftspolitik. Ihr Unternehmen möchte auch an der IHK-Konjunkturumfrage teilnehmen? Sie können sich gerne mit einer formlosen E-Mail an konjunktur@stuttgart.ihk.de anmelden.