Einzelhandel in der Region Stuttgart

Einzelhandelskennziffern in der Region Stuttgart 2023

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze
Die aktuelle Kaufkraft-Analyse der IHK Region Stuttgart zeigt prinzipiell durchaus positive Perspektiven für Einzelhandelsbetriebe in der Region Stuttgart auf.
  • Die Region Stuttgart gehört mit einer einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von 22,9 Milliarden Euro (inklusive Online-Handel) zusammen mit den Großräumen München und Rhein/Main erneut zu den Standorten mit der höchsten Kaufkraft in Deutschland
  • An kleineren und mittleren Standorten rund um Stuttgart ist die einzelhandelsrelevante Kaufkraft besonders hoch.
  • Mehr als ein Viertel des Kaufkraftpotenzials von Baden-Württemberg ist in der Region zu finden. 
Die Analyse verdeutlicht aber auch die Probleme vieler Einkaufsstandorte wie neue Verkaufsflächen an peripheren Lagen, Probleme bei der Erreichbarkeit für Kunden und Lieferanten sowie mancherorts sinkende Attraktivität des Umfelds durch Leerstände, vor allem aber die Auswirkungen des wachsenden Online-Handels sowie die zunehmende Kaufzurückhaltung.

Einzelhandelsrelevante Kaufkraft

Die Region Stuttgart gehört dank einer einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von 22,9 Milliarden Euro (inklusive Online-Handel) zusammen mit den Großräumen München und Rhein/Main erneut zu den Standorten mit der höchsten Kaufkraft in Deutschland. 
Unter den Gemeinden über 10.000 Einwohnern liegen in der Region Stuttgart in absoluten Zahlen erwartungsgemäß die großen vorne: Stuttgart (gut 5,2 Milliarden Euro), Esslingen (771 Millionen Euro) und Ludwigsburg (740 Millionen Euro) führen auch 2023 die Liste an. 
Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft pro Kopf liegt bei den in dieser Studie untersuchten 62 Kommunen der Region Stuttgart mit mehr als 10.000 Einwohnern zwischen 6.665 Euro und 9.914 Euro und damit fast überall höher als der Bundesdurchschnitt von 7.463 Euro. Pro Einwohner liegt in der Region auch ein weiteres Jahr in Folge Gerlingen (mit fast 10.000 Euro) an der Spitze vor Schwieberdingen (mit knapp 9.400 Euro pro Kopf) sowie Leonberg, Korb, Tamm und Leinfelden-Echterdingen. Am unteren Ende der Rangliste liegen Eislingen und Geislingen an der Steige. Auch Göppingen, Welzheim verfügen nur über ein Kaufkraftpotenzial unterhalb des Bundesdurchschnitts.

Umsatz im stationären Einzelhandel

Die Umsätze im stationären Einzelhandel in der Region werden voraussichtlich 2023 nominal um 964 Millionen Euro höher ausfallen als 2022. Die Umsätze im stationären Einzelhandel liegen bei 17,7 Milliarden Euro. Ein beträchtlicher Anteil (5,1 Milliarden Euro; eine Zunahme um über 1,1 Milliarden Euro seit 2019!) der gesamtem Kaufkraft wird außerhalb der Region ausgegeben und ein Großteil des Kaufkraftvolumens fließt zunehmend in den Online-Handel.
In der Region Stuttgart liegen naturgemäß die großen Standorte auch beim absoluten Umsatz des stationären Einzelhandels vorn - die Landeshauptstadt mit fast 5 Milliarden Euro mit großem Abstand vor Ludwigsburg (knapp 1 Milliarde Euro) und Sindelfingen (etwa 730 Millionen Euro). Am anderen Ende bringt es der örtliche Einzelhandel in Korb nur auf rund 31 Millionen Euro Umsatz.
Interessanter ist allerdings der Vergleich pro Einwohner: Hier liegen Sindelfingen (fast 11.200 Euro bzw. Kennziffer 177,7 bei Deutschland = 100) und Backnang (knapp 10.500 Euro bzw. Kennziffer 166,5) vor Ludwigsburg (ebenfalls fast 10.500 Euro bzw. Kennziffer 166,4); mit etwas Abstand folgt Göppingen (Kennziffer 157,5). An der Reihenfolge zu erkennen, dass der großflächige Einzelhandel die Höhe des Umsatzes maßgeblich bestimmt. Häufig ziehen Einzelhandelsstandorte auf der „Grünen Wiese“ Kaufkraft aus anderen Gemeinden ab und führen zu einer Umsatzverlagerung an solche Standorte. Sindelfingen mit den großen Einkaufszentren und Fachmärkten ist bestes Beispiel hierfür.
Schlusslicht der Region bildet Korb mit einem Pro-Kopf-Umsatz von 2.800 Euro, davor liegen die Gemeinden Freiberg und Kernen (alle weniger als 50 Prozent des Bundesdurchschnitts).  Hier kann die örtliche Nahversorgung gefährdet sein. 

Zentralität

Die Kennziffer der Zentralität bildet die örtliche Kaufkraftbindung ab. Hierbei haben etliche Mittelzentren im näheren Umfeld Stuttgarts die höchsten Werte in der Region. Aber vielfach liegt dies allerdings an großflächigen Ansiedlungen von Einkaufszentren. Andere Standorte, vor allem in Nachbarschaft zu den erfolgreichsten, zeigen mit niedrigen Werten Defizite bei der Nahversorgungsfunktion auf. 
Innerhalb der Region Stuttgart weisen Sindelfingen, Backnang, Ludwigsburg und Göppingen die höchste Kaufkraftbindung auf; alle liegen bei einer Kennziffer von über 150.  Auch Korb als Schlusslicht bei den Umsätzen pro Einwohner bleibt am Ende der Zentralitätsrangliste; die Kennziffer liegt hier wegen der im Vergleich zum Bund höheren Kaufkraft allerdings bei 38,6.

Metropolenvergleich

Stuttgart belegt im Bundesvergleich der Metropolen mit einer Einzelhandelskaufkraft von 8.199 Euro  pro-Kopf den dritten Platz hinter München (9.359 Euro) und Düsseldorf (8.508 Euro).  Beim Einzelhandelsumsatz pro Kopf erreicht Stuttgart mit knapp 7.800 Euro Rang 4 (Umsatzkennziffer 124) hinter München, Düsseldorf und Nürnberg. Die Umsatzkennziffer von 124 zeigt an, dass Stuttgarter Einzelhändler pro Einwohner 24 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt einnehmen.
Stuttgart belegt mit einer Zentralitätskennziffer von 112,8 den achten Rang im Bundesranking. Dies bedeutet, dass die Einzelhändler in Stuttgart rund 13 Prozent per Saldo mehr an Umsatz generieren als dies aufgrund der Einkommensverhältnisse der Stuttgarter zu erwarten wäre. Schlusslicht der Vergleichsgruppe ist Duisburg.
Die umfangreiche Broschüre “Kaufkraft und Umsätze in der Region – Corona, Ukraine und die Folgen” (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 1425 KB) enthält sämtliche Werte der Städte und Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern der Region Stuttgart.