Sonderauswertung der Bezirkskammer Rems-Murr
Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis – Frühsommer 2026
Negative Rahmenbedingungen und verhaltene Erwartungen prägen die aktuelle Wirtschaftslage im Rems-Murr-Kreis.
Frühsommer 2026: Wirtschaftliche Erholung im Kreis gerät erneut unter Druck
Der Rems-Murr-Kreis liegt im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Lage mit einem Minus von 4,7 Prozent unter dem regionalen Durchschnitt und befindet sich weiterhin in einer angespannten wirtschaftlichen Situation. Diese negative Entwicklung ist vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland sowie der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten infolge des Konflikts im Nahen Osten zu sehen, die die regionale Wirtschaft spürbar belasten. Entsprechend fallen die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate mit minus 5,8 Prozent deutlich negativ aus und unterstreichen die derzeit eingetrübte konjunkturelle Perspektive.
„Die Bundesregierung muss ihr Reformtempo nun massiv erhöhen und endlich ins Handeln kommen, um nicht noch mehr Vertrauen zu verspielen. Wir haben überhaupt keine Zeit mehr zu verlieren. Mehr Tempo, Mut und Geschlossenheit sind das Gebot der Stunde. Die neue Landesregierung hat die Herausforderungen erkannt und räumt der Wirtschaft im Koalitionsvertrag oberste Priorität ein,“ betont Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart.
Die Industrie im Kreis blickt aktuell mit plus 8,5 Prozent noch vergleichsweise zuversichtlich in die Zukunft. Die Auftragslage ist gegenwärtig gut. Allerdings ist davon auszugehen, dass dies in Teilen auf Lageraufstockungen zurückzuführen ist, mit denen Unternehmen möglichen Lieferkettenstörungen infolge des Krieges im Nahen Osten begegnen. Dieser Effekt ist nicht nachhaltig; rückläufige Auftragseingänge sind absehbar.
Der stationäre Handel sowie die Dienstleistungsbranche beurteilen sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Entwicklung in den kommenden Monaten überwiegend negativ. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels und der damit verbundenen Stellenreduzierungen ist davon auszugehen, dass sich die Zurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten weiter fortsetzt.
Die größten Risiken für die regionale Wirtschaft liegen derzeit in der schwachen Inlandsnachfrage, gefolgt von hohen Energie- und Arbeitskosten. Entsprechend sinkt die Investitionsbereitschaft am Standort. Unternehmen prüfen verstärkt Alternativen, insbesondere innerhalb der Europäischen Union, wo politische Risiken als besser kalkulierbar eingeschätzt werden. Bei den Investitionsmotiven steht die Digitalisierung an erster Stelle, gefolgt vom Ersatzbedarf – das eine mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit, das andere, um die Einsatzfähigkeit zu sichern. Nicht zuletzt muss auch die Resilienz der Unternehmen in Deutschland branchenübergreifend stärker in den Fokus rücken und wird weitere Investitionen nach sich ziehen.
Vor dem Hintergrund rückläufiger Geschäfte mit den USA und China gewinnt die Erschließung neuer Absatzmärkte weiter an Bedeutung. Die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay verfügen über wachsende Märkte mit einer hohen Nachfrage nach industriellen Produkten, Technologien und Dienstleistungen. Das Mercosur-Abkommen erleichtert den Marktzugang, reduziert Zölle und schafft verlässlichere Rahmenbedingungen für den internationalen Handel.
„Das Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten ist ein ganz wichtiger und längst überfälliger Schritt, denn es eröffnet unserer Wirtschaft neue Absatzmärkte und ist auch ein deutliches Signal gegen Unilateralismus und Abschottung“, so Claus Paal.
Gesamtwirtschaft
Die Gesamtwirtschaftslage hat sich gegenüber der Einschätzung zu Jahrbeginn verschlechtert. Als gut bewerten 23,9 Prozent (JB 28,8 Prozent) der befragten Unternehmen aus dem Rems-Murr-Kreis ihre Wirtschaftslage. Ihre aktuelle Lage als zufriedenstellend bewerten 47,5 Prozent (JB 49,3 Prozent). 28,6 Prozent der Unternehmen betrachten ihre Lage als schlecht. Zu Jahresbeginn waren dies 21,8 Prozent.
Die Erwartungen für die kommenden 12 Monate zeigen im Moment noch ein positiveres Bild. 19,7 Prozent (JB 17,5 Prozent) rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. Mit einer Verschlechterung rechnen 25,5 Prozent (JB 25 Prozent) der befragten Unternehmen. 54,8 Prozent (JB 57,6 Prozent) der Unternehmen gehen zumindest von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Industrie
Aktuell bewerten 27,8 Prozent (JB 20,8 Prozent) der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als gut, eine schlechte Lage melden 35,6 Prozent (JB 30,7 Prozent). Der Geschäftslageindikator liegt bei minus 7,8 Punkten (JB -9,9 Punkten). Mit befriedigenden Geschäften rechnen 36,7 Prozent (JB 48,5 Prozent).
Die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich weiter leicht verbessert. 24,5 Prozent (JB 21,2 Prozent) der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 16 Prozent (JB 21,2 Prozent) mit einer Verschlechterung. Mit gleichbleibenden Erwartungen von 59,6 Prozent (JB 57,6 Prozent) blicken die Unternehmen in die Zukunft. Der Geschäftserwartungsindikator liegt somit im positiven Bereich von 8,5 Punkten (JB 0 Punkten).
Die Kapazitätsauslastung liegt bei 77,3 Prozent (JB 77,7 Prozent)
Handel
Im Groß- und Einzelhandel betrachten 13 Prozent (JB 19,5 Prozent) der Unternehmen ihre Lage als gut. Zufrieden sind 54,3 Prozent (JB 50 Prozent). Schlecht bewerten ihre Lage 32,6 Prozent (JB 30,6 Prozent).
Das sehr verhaltene Kaufverhalten der Kunden führt weiterhin dazu, dass 39,1 Prozent (JB 32,3 Prozent) der Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Situation erwarten. 54,3 Prozent (JB 56,5 Prozent) rechnen mit gleichbleibenden Geschäften. Mit einer Verbesserung rechnen 6,5 Prozent (JB 11,3 Prozent). Es wird weiterhin gespart, da eine Änderung der wirtschaftlichen Situation nicht in Sicht ist.
Dienstleister
Leider haben sich die positiven Zahlen zu Jahresbeginn als Strohfeuer erwiesen. Es betrachten nur noch 28,5 Prozent (JB 41,4 Prozent) der befragten Unternehmen ihre Lage als gut. Zufrieden mit ihrer Lage zeigen sich ein stabiles Feld von 49,2 Prozent (JB 47,3 Prozent) der Unternehmen. 22,3 Prozent (JB 11,3 Prozent) bewerten ihre Lage wieder als schlecht.
Hinsichtlich der Geschäftserwartung gehen 21,9 Prozent (JB 18,5 Prozent) der Unternehmen von einer Verbesserung in den kommenden 12 Monaten aus. 49,5 Prozent (JB 56,1 Prozent) gehen von gleichbleibenden und 28,6 Prozent (JB 25,3 Prozent) von schlechteren Ergebnissen aus.
Exporterwartungen
Der Anteil der Unternehmen, die mit steigenden Exporten rechnen, ist mit 15,7 Prozent deutlich gesunken (JB 25,9 Prozent). Der Anteil der Unternehmen mit stabilen Erwartungen hat sich leicht verbessert und liegt bei 59,7 Prozent (JB 49,6 Prozent). Der Anteil negativer Stimmen ist mit 24,6 Prozent (JB 24,4 Prozent) gesunken.
Weitere detaillierte Information zur konjunkturellen Einschätzung der Außenwirtschaftsentwicklung für die Region Stuttgart sind im Außenwirtschaftsbarometer der IHK Region Stuttgart enthalten, siehe hier.
Inlandsinvestitionen
Risiken
Beschäftigungszahlen
Die schlechte konjunkturelle Situation schlägt sich zwischenzeitlich auch deutlich in den Beschäftigungserwartungen der befragten Unternehmen nieder. Wenngleich die Arbeitslosenquote im April 2026 im Rems-Murr-Kreis bei 4,7 Prozent lag und sich der Arbeitsmarkt relativ stabil präsentiert, fehlt doch die sonst übliche saisonale Belebung und Dynamik. Eine Trendwende zum Besseren ist aktuell auch nicht zu erwarten.
Das aktuelle Stimmungsbild basiert auf der Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart, welche in der Zeit vom 13. April bis 3. Mai 2026 stattgefunden hat. In diese Sonderauswertung für den Rems-Murr-Kreis flossen die Rückmeldungen von 170 Unternehmen ein. Die Sonderauswertung der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr erscheint dreimal jährlich und spiegelt die Einschätzung der Wirtschaftslage zum Zeitpunkt des Abfragezeitraums wider.