Wirtschaftslagebericht
Nahostkrieg und Reformstau: Zuversicht schwindet
Die vorsichtigen Hoffnungen auf einen konjunkturellen Erholungskurs vom Jahresbeginn 2026 haben sich verflüchtigt. Stattdessen werden die Unternehmen im IHK-Bezirk Ludwigsburg verbreitet von Nachfrageschwäche und Kostensteigerungen in die Zange genommen.
„Die aktuelle Gemengelage ist besorgniserregend“, so Bezirkskammerpräsident Axel Kunkel, und ergänzt mit Blick auf die Umfrageergebnisse: „Die stark gestiegenen Kosten und Engpässe bei Energie und Rohstoffen sorgen weltweit für Verunsicherung und Investitionszurückhaltung. Darunter leidet das Exportgeschäft unserer Industrie genauso wie die Konsumnachfrage in Handel und Gastronomie vor Ort massiv“.
Im Vergleich zum Jahresbeginn 2026 ist der Anteil der „gut“ Lagebewertungen von 28 auf 18 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der „schlecht“ Rückmeldungen ist von 18 auf 29 Prozent gestiegen. Verschlechterte Lagebewertungen zeigen sich in allen Branchen, besonders ausgeprägt sind sie in der Industrie mit einem Rückgang um rund 30 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Frühsommer 2025 ist der Umsatz nur bei knapp jedem vierten Unternehmen gestiegen, bei fast jedem zweiten gefallen (rund 24 zu 47 Prozent). Bei der Frage zur derzeitigen Tendenz beim Auftragseingang geben nur rund 2 von 10 „steigend“ aber 4 von zehn „fallend“ an (19 zu 39 Prozent).
Die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate fallen mit rund 12 Prozent „verbessern“ und 35 Prozent „verschlechtern“ Angaben sehr zurückhaltend aus. Die schwache Inlandsnachfrage, gestiegene Energiepreise und hohe Arbeitskosten sind die Top-Geschäftsrisiken (71/60/57 Prozent). Die inländischen Investitionspläne der Unternehmen bleiben mit rund 14 Prozent „zunehmen“ und 33 Prozent „abnehmen“ Rückmeldungen sehr zurückhaltend. Eine steigende Beschäftigtenzahl erwarten aktuell rund 10, eine fallende 39 Prozent der Unternehmen.
„Wir brauchen jetzt dringend einen Befreiungsschlag mit schnellen Entlastungen bei Energie, Arbeit, Steuern und Bürokratie, die in den Betrieben auch tatsächlich spürbar sind. Nur so lässt sich Vertrauen zurückgewinnen und unser Standort stärken“, fordert Kunkel.
Beim Blick in die Branchen zeigt sich in der Industrie eine äußerst schwache Kapazitätsauslastung von durchschnittlich nur rund 70 Prozent. Im Baugewerbe erschweren gestiegene Energie-, Rohstoff- und Finanzierungskosten die Geschäfte. Im breit gefächerten Dienstleistungssektor liegt der Saldowert aus „gut“ minus „schlecht“ Lageangaben mit rund 5 Prozentpunkten nur noch leicht im Plus, nach 21 zu Jahresbeginn. Während etwa aus dem IT-Bereich günstige Rückmeldungen kommen, stehen Gastgewerbe und Güterverkehr nachfrage- und kostenseitig unter Druck. Der Einzelhandel verzeichnet ein deutlich gedämpftes Kaufverhalten, nicht zuletzt durch erhöhtes Vorsorgesparen. Der produktionsverbindende Großhandel spürt die schwächelnde Nachfrage aus Industrie- und Bauwirtschaft.
An der Frühsommer-Umfrage der IHK Region Stuttgart haben im Zeitraum 13. April bis 4. Mai 2026 insgesamt 966 Unternehmen teilgenommen, darunter 176 aus dem IHK-Bezirk Ludwigsburg.
Den ausführlichen Wirtschaftslagebericht Frühsommer 2026 der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.