INFRASTRUKTUR

Lückenschluss an der Autobahn A8: Baubeginn für den neuen Albaufstieg

Mit einer Zeremonie ohne den formellen Spatenstich” am Freitag, 13. Februar 2026 ist der Neubau des A8-Albaufstiegs zumindest offiziell gestartet worden. Damit geht ein im Wortsinne Generationenprojekt in die Realisierung: Nach rund 30 Jahren Diskussion hatte das Regierungspräsidium Stuttgart am 18. Dezember 2024 die Baugenehmigung (Planfeststellung) für die neue Tunnel-Strecke am „Drackensteiner Hang“ zwischen Stuttgart und Ulm an die Autobahn GmbH Südwest überreicht; Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder erteilte am 2. Dezember 2025 die Baufreigabe.
Beim „feierlichen Projektauftakt” mit Kanzleramtsminister Thorsten Frei (in Vertretung für Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder), Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Autobahn GmbH, Dr. Michael Güntner, gab es gar keinen Spaten zu sehen dafür aber wurde eine Torte angeschnitten. (Pressemitteilung der Autobahn GmbH hier.) Zunächst werde es nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes Erkundungsbohrungen geben und ein Entwässerungssystem werde errichtet; die eigentlichen Bauarbeiten an der Autobahn werden voraussichtlich erst im Herbst 2027 beginnen.

Nicht der erste frühe Baubeginn"

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Landtagswahl keine vier Wochen später am 8. März 2026 hatte vor allem die baden-württembergische Landtags-Opposition den Termin kritisiert. Der FDP-Politiker Christian Jung hatte in den Medien von einem Fake-Termin” gesprochen. Es sei in der Geschichte von Deutschland bislang einmalig dass man einen Spatenstich über 18 Monate vor dem Beginn der Bauarbeiten macht.”
Tatsächlich aber ist der symbolische Akt weder einmalig” noch ungewöhnlich: Für das Bahnprojekt NürnbergIngolstadt gab es den Spatenstich” am 15. Juli 1994, übrigens zwei Monate vor einer Landtagswahl in Bayern. Tatsächlich gebaut wurde zunächst nur an einem bereits vorhandenen fünf Kilometer langen Zulauf-Streckenabschnitt in Nürnberg, weil Planung und Finanzierung der eigentlichen Gesamtstrecke zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht abgeschlossen waren. Die großflächigen Arbeiten an der Neubaustrecke begannen erst 1998 und damit mehr als vier Jahre nach dem Spatenstich".

Wichtiger Lückenschluss zwischen Karlsruhe und München

Das A8-Projekt in Baden-Württemberg stellt auch aus bayerisch-schwäbischer Sicht zumindest den planerischen Lückenschluss zwischen München, Augsburg, Ulm und Stuttgart dar; damit soll der topographisch anspruchsvolle und letzte verbliebene zweispurige Abschnitt durch eine neue Tunnel- und Brückenstrecke mit drei Streifen je Richtung ersetzt werden. Für die anderen noch fehlenden vierspurigen Abschnitte im Raum Ulm/Elchingen gibt es bereits Planfeststellungsbeschlüsse.
Der Neubau des Albaufstiegs soll rund 1,4 Milliarden Euro kosten. Die A 8 mit dem Albaufstieg ist das Teil des transeuropäischen Verkehrskorridors Rhein/Donau (TEN). Das Streckenstück zwischen den Anschlussstellen Mühlhausen und Hohenstadt wird täglich von knapp 70 000 Fahrzeugen genutzt.
Harte Aussagen zum Zeitplan und zur Inbetriebnahme des neuen Albaufstiegs gab es beim „Spatenstich" nicht. Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann meinte deshalb launig, er selbst werde die Fertigstellung womöglich gar nicht mehr erleben – „und wenn doch, dann in einbem Zustand, in dem ich mich nicht mehr für Autobahnen interessiere, sondern für die Frage ob bei mir zuhause in Laiz [Sigmaringen] die Gehwege so sind dass ich mit dem Rollator gut durchkomme."

Kein „Betreibermodell": neue Planung ohne Mautstelle

Ursprünglich sollte der neue Albaufstieg als ein privat finanziertes Autobahnprojekt realisiert werden (ÖPP/PPP – öffentlich-private Partnerschaft). Anders als bei den ÖPP-Abschnitten München–Augsburg (Autobahnplus) und Augsburg–Ulm (Pansuevia), bei denen die privaten Investitionen ausschließlich aus der Lkw-Maut refinanziert werden, sollte beim Albaufstieg – ähnlich wie bei Alpenpässen – allerdings eine zusätzliche Mautzahlung anfallen, und zwar auch für Pkw. Es fand sich aber kein Betreiberkonsortium, das bereit war, die neue Strecke zu errichten. Zu groß war die Sorge, dass zu viele Autofahrer der Mautzahlung ausweichen und die alte Strecke nutzen würde: Diese soll erhalten und frei zugänglich bleiben, auch um bei Störungen auf der A 8 den Verkehr ableiten zu können. Die neue Planung kommt nun ohne die Mautstelle auf der Albhochfläche aus.
Die neue gerade Tunnel-Brücken-Kombination überwindet die Strecke auf die Schwäbische Alb auf 7,6 statt bislang 12,2 Kilometern Länge; Steigung und Gefälle reduzieren sich von 6,3 auf 3,5 Prozent. Jede Tunnelröhre erhält drei Fahrstreifen und eine Standspur. Dies soll auch Staus vermeiden, die derzeit oft entstehen, wenn Lkw an der Steigung hängen bleiben oder diese im Schritttempo überwinden.
Der heutige Albaufstieg, bei dem die Fahrbahnen berg- und talwärts getrennt geführt werden, ist einer der ältesten Autobahnabschnitte Deutschlands. Die Brückenbauwerke stammen zum Teil von Paul Bonatz, dem Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Der neue Albaufstieg wird in der Nähe der vor zwei Jahren in Betrieb genommenen Bahn-Neubaustrecke verlaufen, mit einem architektonisch vergleichbaren, aber nicht ganz so hohen Brückenbauwerk, das zwischen zwei Tunnels liegen wird.

Planfeststellung fast in letzter Minute

Vor allem Befürworter des Vorhabens hatten auf eine Veröffentlichung des Planfeststellungsbeschlusses noch im Jahr 2024 gedrängt. Hintergrund war die Befürchtung, dass die für die Planfeststellung notwendigen Umweltgutachten mit dem Jahreswechsel ihre Gültigkeit verlieren könnten.
Obwohl das Projekt vor Ort auch Gegner hat ist die politische Begeisterung groß. Selbst der Grüne baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, der sich vielen Straßenbauprojekten entgegen stellt, hatte sich beim Bund für den neuen Albaufstieg eingesetzt und sprach von einem „vorgezogenen Weihnachtsgeschenk, auf das wir aber viel zu lange warten mussten“.
Hier finden Sie die Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart und eine Video-Animation der Autobahn-GmbH des Bundes über das Vorhaben (4:36 Min.).