INFRASTRUKTUR

An der Autobahn A8 verschwinden die letzten „Lücken”

Nach Jahrzehnten „läuft” es nun: So lässt sich Stand des Autobahn-Ausbaus zwischen Karlsruhe und München zusammenfassen. Der Ausbau der letzten beiden zweispurigen Abschnitte auf künftig drei Fahrspuren hat ganz offiziell begonnen. Erst war, rechtzeitig zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, der „Albaufstieg” dran (13. Februar 2026), dann als wirklich letztes Teilstück zwischen den Landeshauptstädten der Abschnitt über die Landesgrenze bei Elchingen (31. August 2026).
Kurz vor der „Spatenstich”-Zeremonie bei Elchingen (Kreis Neu-Ulm) bildete sich auf der Autobahn ein kilometerlanger Stau in Richtung Stuttgart. Michael Kordon, Direktor der Autobahn GmbH in Südbayern, MdB Inge Gräßle, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, Ulrich Lange, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Nicole Razavi, Verkehrsministerin von Baden-Württemberg, MdB Michael Donth, Michael Güntner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH und Christine Baur-Fewson, Direktorin Autobahn GmbH Südwest warfen die Erde in die Luft, und direkt dahinter reihten sich kilometerweit die stehenden Fahrzeuge.
Sehr viel symbolträchtiger hätte sich das kaum arrangieren lassen: Die aneinander gereihten Lkws illustrierten nicht nur die Bedeutung dieser Autobahn für die Wirtschaft, was auch in den Festreden mehrfach unterstrichen wurde; der Stillstand auf der Fahrbahn stand auch für die schlichte Notwendigkeit des Ausbaus dieser störanfälligen europäischen Verkehrsachse und sinnbildlich durchaus auch für das jahrelange Warten auf den Baubeginn.

Fast zwei Milliarden Euro für die letzten Teilstücke

„Hier investiert Deutschland” verkündet selbstbewusst die Bautafel direkt an der Fahrspur Richtung München, und alles in allem werden dies in den kommenden Jahren annähernd zwei Milliarden Euro für die beiden Abschnitte der A 8 sein. Auf den gut elf Kilometern zwischen Ulm-West und dem Autobahnkreuz Ulm/Elchingen (A 8/A 7) werden knapp 400 Millionen Euro verbaut; der „Albaufstieg” zwischen Mühlhausen und Hohenstadt wird voraussichtlich mehr als 1,4 Milliarden Euro kosten. Zu dem Ausbauabschnitt bei Elchingen gehört auch über das Autobahnkreuz hinaus die Sanierung der A 7 bis zur Donaubrücke. An der A 8 werden auch Teile erneuert die seit dem Bau der Autobahn 1938 nahezu unverändert geblieben sind. Die 400 Millionen Euro kommen aus dem „Infrastruktur-Sondervermögen” des Bundes. Anders als bei der Bahn, wo es Geld nur für die Sanierung und nicht für den Aus- und Neubau gibt, sind im Bereich der Straße drei Milliarden Euro ausdrücklich für „baureife” Ausbauvorhaben vorgesehen; darauf hatte sich der Koalitionsausschuss im Oktober 2025 verständigt. Das fehlende A 8-Teilstück war im Bundesverkehrswegeplan von 2016 nicht bloß als “vordringlicher Bedarf”, sondern bereits als “laufendes und fest disponiertes” Projekt gelistet.
„Deutschland investiert, Deutschland plant, Deutschland baut ein gutes Zeichen”, stellte der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Lange fest. Es handle sich um „die süddeutsche Verkehrsachse”, um eine „Wirtschafts-Lebensader” und um „echte Engpassbeseitigung.” Und, fast in Sichtweite der Landesgrenze: „Heute ist ein schwäbischbayerisch-schwäbischer Tag.” Da die acht Spaten in bayerische Erde stachen lud baden-württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi ihren bayerischen Kollegen Christian Bernreiter schon mal zur Eröffnungsfeier, voraussichtlich 2032, ein paar Meter weiter im „Ländle” ein. Sie fügte hinzu: „Wir investieren hier nicht nur in die Straße, sondern in die Zukunft der Regionen und der Menschen. Ohne Infrastruktur wären Bayern und Baden-Württemberg nicht mehr vorne bei den Industriestandorten”, so Razavi, deshalb stelle man Geld für Straßen, Brücken und Schienen bereit.

Der „Albaufstieg", ein Generationen-Projekt

Mit einer Zeremonie ohne einen formellen Spatenstich” war zuvor, am Freitag, 13. Februar 2026, der Neubau des A8-Albaufstiegs zumindest offiziell gestartet worden. Damit geht ein im Wortsinne Generationenprojekt in die Realisierung: Nach rund 30 Jahren Diskussion hatte das Regierungspräsidium Stuttgart am 18. Dezember 2024 die Baugenehmigung (Planfeststellung) für die neue Tunnel-Strecke am „Drackensteiner Hang“ zwischen Stuttgart und Ulm an die Autobahn GmbH Südwest überreicht; Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder erteilte am 2. Dezember 2025 die Baufreigabe.
Beim „feierlichen Projektauftakt” mit dem damaligen Kanzleramtsminister Thorsten Frei (in Vertretung für Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder), Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Autobahn GmbH, Dr. Michael Güntner, gab es gar keinen Spaten zu sehen dafür aber wurde eine Torte angeschnitten (Pressemitteilung der Autobahn GmbH hier). Zunächst werde es nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes Erkundungsbohrungen geben und ein Entwässerungssystem werde errichtet; die eigentlichen Bauarbeiten an der Autobahn werden voraussichtlich erst im Herbst 2027 beginnen.
Harte Aussagen zum Zeitplan und zur Inbetriebnahme des neuen Albaufstiegs gab es bei der Feier nicht. Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann meinte deshalb launig, er selbst werde die Fertigstellung womöglich gar nicht mehr erleben – „und wenn doch, dann in einem Zustand, in dem ich mich nicht mehr für Autobahnen interessiere, sondern für die Frage ob bei mir zuhause in Laiz [Sigmaringen] die Gehwege so sind dass ich mit dem Rollator gut durchkomme."

Kein „Betreibermodell", keine Mautstelle

Ursprünglich sollte der neue Albaufstieg als ein privat finanziertes Autobahnprojekt realisiert werden (ÖPP/PPP – öffentlich-private Partnerschaft). Anders als bei den ÖPP-Abschnitten Ulm/Elchingen–Augsburg (Pansuevia) und Augsburg–München (Autobahnplus), bei denen die privaten Investitionen ausschließlich aus der Lkw-Maut refinanziert werden, sollte beim Albaufstieg – ähnlich wie bei Alpenpässen – allerdings eine zusätzliche Mautzahlung anfallen, auch für Pkw. Es fand sich aber kein Betreiberkonsortium, das bereit war, die neue Strecke zu errichten. Zu groß war die Sorge, dass zu viele Autofahrer der Mautzahlung ausweichen und die alte Strecke nutzen würde: Diese soll erhalten und frei zugänglich bleiben, auch um bei Störungen auf der A 8 den Verkehr ableiten zu können. Die neue Planung kommt nun ohne die Mautstelle auf der Albhochfläche aus.
Die neue gerade Tunnel-Brücken-Kombination überwindet die Strecke auf die Schwäbische Alb auf 7,6 statt bislang 12,2 Kilometern Länge; Steigung und Gefälle reduzieren sich von 6,3 auf 3,5 Prozent. Jede Tunnelröhre erhält drei Fahrstreifen und eine Standspur. Dies soll auch Staus vermeiden, die derzeit oft entstehen, wenn Lkw an der Steigung hängen bleiben oder sich mit schwerer Last fast im Schritttempo hinaufkämpfen.
Der heutige Albaufstieg, bei dem die Fahrbahnen berg- und talwärts getrennt geführt werden, ist einer der ältesten Autobahnabschnitte Deutschlands. Die Brückenbauwerke stammen zum Teil von Paul Bonatz, dem Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Der neue Albaufstieg wird in der Nähe der vor zwei Jahren in Betrieb genommenen Bahn-Neubaustrecke verlaufen, mit einem architektonisch vergleichbaren, aber nicht ganz so hohen Brückenbauwerk, das zwischen zwei Tunnels liegen wird.

Planfeststellung fast in letzter Minute

Vor allem Befürworter des Vorhabens hatten auf eine Veröffentlichung des Planfeststellungsbeschlusses noch im Jahr 2024 gedrängt. Hintergrund war die Befürchtung, dass die für die Planfeststellung notwendigen Umweltgutachten mit dem Jahreswechsel ihre Gültigkeit verlieren könnten.
Obwohl das Projekt vor Ort auch Gegner hat ist die politische Begeisterung groß. Selbst der damalige Grüne baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, der sich vielen Straßenbauprojekten entgegengestellt hatte, hatte sich beim Bund für den neuen Albaufstieg eingesetzt und sprach von einem „vorgezogenen Weihnachtsgeschenk, auf das wir aber viel zu lange warten mussten“.
Hier finden Sie die Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart zum Albaufstieg und eine Video-Animation der Autobahn-GmbH des Bundes über das Vorhaben (4:36 Min.). Die Pressemitteilung der Autobahn GmbH des Bundes zum Ausbau Ulm-West bis Ulm/Elchingen finden Sie hier. Einen Videobeitrag von „RegioTV” Ulm (3 Min.) vom „Spatenstich" am 31. August 2026 mit Statements von Politik und Autobahn GmbH finden Sie hier.