Automobilindustrie im Wandel
Automobilstandort Deutschland im Umbruch
Die Automobilbranche steckt mitten im Transformationsprozess. Das ist auch für Bayerisch-Schwaben als Industrie-, Maschinenbau- und Zuliefererstandort von zentraler Bedeutung. Wie sehr der Wirtschaftsraum Schwaben vom Wandel der Automobilbranche betroffen ist, zeigt eine Studie der IW Consult.
Automobilbranche im Wandel
Die Automobilbranche bringt laut der Studie, die die IW Consult im September 2025 veröffentlicht hat, allein in Deutschland einen jährlichen Umsatz von 341 Mrd. Euro und beschäftigt rund 3,2 Mio. Erwerbstätige, u.a. für Hersteller, Zulieferbetriebe und Serviceunternehmen wie Tankstellen und Werkstätten. Von diesen Beschäftigten arbeiten rund 1,2 Mio. in der produktionsnahen Automobilwirtschaft - also in der Fertigung von Teilen und Komponenten. Gerade dieser Bereich steht vor zwei strukturellen und einer konjunkturellen Herausforderungen, wie die Studie der IW Consult zeigt:
- Die automobile Transformation zum elektrifizierten, digitalen und automatisierten Fahrzeug. Dieser Wandel führt aktuell zu sinkenden Marktanteilen deutscher Hersteller gerade in China. Bei den sogenannten “new energy vehicles” liegt dieser bei 5 % im Vergleich zu 22 % über alle Antriebsarten hinweg.
- Der Trend geht zur Local-for-Local Produktion. Deutsche Automobilhersteller produzieren immer mehr in der Nähe der Absatzmärkte vor Ort, in denen die Fahrzeuge verkauft werden. Werden aktuell 3,2 Mio. Autos exportiert (minus 26 % im Vergleich zu 2015), produzieren deutsche Hersteller im Ausland 10 Mio. Autos.
- Die weltweite Autoproduktion erholt sich nur langsam, nach 73,8 Mio. Fahrzeugen im Jahr 2017 sind es im Jahr 2024 67,7 Mio. Autos gewesen.
Diese drei Herausforderungen führen zu sinkenden Produktionszahlen und sinkender Beschäftigung in Deutschland. So könnten laut Ankündigung der Hersteller und Zulieferer von den 1,2 Mio. Beschäftigten in der produktionsnahen Automobilwirtschaft bis 2030 netto rund 90.000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Bayerisch-Schwaben im Wandel mit Chancen
Auch in Bayerisch-Schwaben gibt es laut der Studie Regionen, die einen überdurchschnittlich hoher Anteil der Beschäftigten in der produktionsnahen Automobilwirtschaft haben. Während im Durchschnitt in Deutschland 3,4 % der Beschäftigten in der Automobilwirtschaft tätig sind, sind es zum Beispiel im Landkreis Oberallgäu 9,6 %, im Landkreis Neu-Ulm 6,6 % oder in der Stadt Memmingen 6,3 %.
Die Studie betrachtet aber auch Chancenfelder für die Automobilwirtschaft und zeigt auf, dass auch eine Neuausrichtung erfolgt. Immer mehr Beschäftigte sind in Bereichen wie der “Elektrifizierung des Antriebsstrangs”, der “Fahrzeugvernetzung” und der “Fahrzeugautomatisierung” tätig. Für Schwaben zeigt sich, dass es in einzelnen Regionen überdurchschnittliche Beschäftigtenanteile insbesondere in den Chancenfeldern “Elektrifizierung des Antriebsstrangs” sowie in der “Fahrzeugautomatisierung” gibt, wie zum Beispiel in den Landkreisen Oberallgäu und Lindau.
Aus der Studie lässt sich ableiten, dass es kurzfristig (bis ca. 2027) zu moderatem Beschäftigungsabbau kommen kann, besonders bei Verbrenner-Zulieferern. Mittelfristig (bis ca. 2035) wird eine Stabilisierung durch neue Technologien möglich werden. Somit wird gerade die produktionsnahe Automobilwirtschaft unter Veränderungsdruck bleiben, dem mit dem Einzug in neue Chancenfelder in der Automobilwirtschaft begegnet werden kann.
Quelle: IW Consult “Wirtschaftliche Bedeutung regionaler Automobilnetzwerke in Deutschland - Update 2025”, Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), 09.09.2025 (Datenstand: Mai 2025)
Im Jahr 2023 waren in Bayerisch-Schwaben gut 54.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie, das heißt in der Kernindustrie (WZ 29) und in ausgewählten angrenzenden Teilbranchen, tätig. Näheres zu diesen Auswertungen der IHK Schwaben finden Sie im folgenden Artikel.
