Verkehrsachsen

Erleichterung an der Schlei

Der Neubau der Schleibrücke Lindaunis – eine der wichtigsten Verkehrsachsen zwischen Flensburg und Kiel – bringt besonders maritime Betriebe in Existenznöte. Gemeinsam mit den Unternehmen konnte die IHK durch Gespräche mit der Politik das Schlimmste abwenden.
Circa eine Million Euro Umsatzverlust jährlich und der Verlust von 200 Arbeitsplätzen – diesem Schreckensszenario sahen sich die maritimen Wirtschaftsbetriebe an der inneren Schlei ausgesetzt. Denn Verzögerungen und Ausfälle beim Neubau der klappbaren Straßen- und Schienenbrücke bei Lindaunis, dem Knotenpunkt für sämtlichen Verkehr auf Straße, Schiene und Wasser, sorgten dafür, dass die alte Brücke sich nicht mehr stündlich öffnete. Damit war die Durchfahrt für Schiffe stark eingeschränkt oder ganz gesperrt und somit die Verbindung zur Ostsee abgeschnitten. Bis zur geplanten Inbetriebnahme 2025 war keine Besserung in Sicht. Die Ursache für die Komplikationen ist, dass die 2019 gestarteten Arbeiten an der neuen Brücke Setzungen an der Bestandsbrücke auslösen. Die geplante Inbetriebnahme 2023 musste deshalb um zwei Jahre nach hinten verschoben werden. Aber es sollte noch schlimmer kommen: Bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind, sollte die alte Brücke sogar über mehrere Monate gar nicht mehr für die Schifffahrt aufgeklappt werden – ohne Rücksicht auf ihre Saisonverläufe.
„Die maritimen Betriebe haben – anders als der Verkehr über Schiene und Straße – keine Möglichkeit auszuweichen und sind auf die Passierbarkeit der Bundeswasserstraße Schlei angewiesen“, so Stefan Wesemann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Schleswig, der den Prozess zusammen mit IHK-Infrastrukturreferent Dr. Jerome Stuck durch die Moderation von Gesprächen zwischen der für den Bau verantwortlichen DB Netz AG und den Betrieben begleitete und die Landes- und Kommunalpolitik auf die Betroffenheit der Betriebe aufmerksam machte. Zudem setzte sich die IHK dafür ein, den Bauablaufplan und die Schließzeiten der Bestandsbrücke anzupassen, und forderte, einen Notfallplan für eine dauerhaft geöffnete Brücke und einen neu eingerichteten Fährbetrieb aufzustellen. Um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen, gründeten die betroffenen Betriebe das Aktionsbündnis „Maritime Wirtschaft Innere Schlei“. Sie forderten Planungssicherheit, verlässliche Brückenöffnungen, transparente Kommunikation, einen Informationsaustausch zwischen den Beteiligten sowie einen Notfallplan, mit einem Fährverkehr und einer Brücke außer Betrieb.
Nach Dialogen zwischen Wirtschaftsministerium, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Betrieben, Deutscher Bahn und IHK wendete sich die Lage zum Besseren: Die Deutsche Bahn passte die Bauablaufplanung an und stimmt die Schließzeiten der Brücke künftig auf die Saisonzeiten der maritimen Wirtschaft ab. Auch plant die DB Netz AG mit dem Land, eine Machbarkeitsstudie für einen Notfallplan in Auftrag zu geben. „Wir sind erleichtert, dass die Ministerien und die Deutsche Bahn die besondere Situation der maritimen Betriebe erkannt haben und beim weiteren Vorgehen berücksichtigen“, sagt Jerome Stuck. „So konnte der Schaden für die maritime Wirtschaft deutlich reduziert und Existenzen gerettet werden.“
Autorin: Aenne Boye