Ladendiebstahl

Langfingern keine Chance geben

Rund 3,9 Milliarden Euro Inventurdifferenzen entstehen jährlich im deutschen Einzelhandel. Mit 3,3 Milliarden ist der Großteil davon auf Ladendiebstähle zurückzuführen. Doch wie können sich Unternehmen am effektivsten vor Langfingern schützen?
Zwar sei der finanzielle Schaden durch Ladendiebstähle in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, die Art der Delikte habe sich aber verändert, erklärt Frank Horst vom EHI Retail Institute in Köln. So sei die Zahl der Gelegenheitsdiebstähle zwar rückläufig, die organisierte Bandenkriminalität habe allerdings zugenommen. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Ladendiebstähle allerdings insgesamt 2014 (10.516 Fälle) im Vergleich zu 2013 (10.022) leicht an. Um sich effizient zu schützen, sei es zunächst wichtig, das Personal durch Schulungen zu sensibilisieren, rät Kriminalhauptkommissar Kay Katzenmeier vom Landespolizeiamt in Kiel. Darüber hinaus sei auch die Gestaltung der Geschäfte ein relevanter Faktor. "Dunkle Ecken und verwinkelte Gänge sind eine Einladung für Ladendiebe. Die Räumlichkeiten sollten daher hell und übersichtlich gestaltet sein und wenn nötig gut ausgeleuchtet werden", sagt er. Kleine, hochwertige Waren sollten gut sichtbar in Kassennähe aufbewahrt werden.
Datenschutz beachten
Vielfältig sind die technischen Möglichkeiten. Besonders verbreitet sind elektronische Warensicherung und Videoüberwachung. Bei Letzterer sei allerdings Vorsicht geboten, mahnt Katzenmeier: "In jedem Fall müssen hier die Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes beachtet werden." Er rät, immer den Betriebsrat einzubinden und genau zu bestimmen, welche Bereiche wofür überwacht werden, um die Persönlichkeitsrechte von Mitarbeitern und Kunden zu wahren. Bei Videoüberwachung im Außenbereich sei darauf zu achten, dass nur das eigene Grundstück auf den Aufnahmen abgebildet werde. Wer auch öffentliche Bereiche des Hausrechts filme und aufzeichne, mache sich strafbar. Die Auswertung der Bänder sollte möglichst nach dem Vieraugenprinzip erfolgen. Zudem rät der Experte zu Einbruchmeldeanlagen und Überfalltasten für Mitarbeiter in bestimmten Bereichen. Beides solle auf jeden Fall mit einem Wachunternehmen verbunden sein, das im Notfall die Polizei verständigen könne.
Darüber hinaus, so Katzenmeier, sollte niemals zu viel Bargeld in den Kassen aufbewahrt werden. Auch sollten die entsprechenden Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften beachtet werden. Der Transport des Geldes sollte am besten durch einen professionellen Dienstleister erfolgen. Zudem rät Katzenmeier dazu, die Möglichkeit der Rohrpost zu nutzen, damit auf dem Weg zum Transporter nichts verloren geht. Wichtig sei es zudem, die Warenwege gut zu überwachen. "Gerade bei der Anlieferung und Einsortierung geht sehr viel verloren", so Katzenmeier.
Erfreulich sei, dass die Unternehmen zunehmend Sensibilität für die Diebstahlsicherung entwickelten. "Trotzdem gibt es immer noch sehr viele Vorfälle", sagt Katzenmeier. "Die Betriebe sollten sich daher laufend selbst überprüfen. Hierfür sollte optimalerweise ein Sicherheitsbeauftragter bestimmt werden." Von falscher Sparsamkeit rät er ab: "Häufig wird keine gute Technik eingesetzt, um die Kosten möglichst gering zu halten. Beliebt sind auch Kameraattrappen im Außenbereich. Diese erkennt ein Profi aber sofort."
Andrea Henkel
Veröffentlicht am 2. Dezember 2015