IHK-MAGAZIN
Nr. 7218366
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Lübeck: Keepseven GmbH

Wenn der Laden zum Spielerlebnis wird

Keepseven verbindet in der Lübecker Königstraße Einzelhandel mit Spielerlebnis und Community. Was 2019 als Onlinehandel aus dem Wohnzimmer begann, ist heute ein „Local Game Store“ mit Platz für Turniere und regelmäßige Spielevents. Dabei reicht die Kundschaft vom Nachwuchs bis zu Spielern über 50 Jahren. Mit neuen Formaten wie einer gemeinsamen Spielereise nach Helsinki entwickelt das Unternehmen sein Konzept weiter.
Ein Frau steht an einem Ladenregal und lächelt in die Kamera
Bianca Andersen ist Geschäftsführerin von Keepseven
Wer vor den großen Schaufenstern in der Königstraße 34 steht, ahnt nicht, welche Welten sich dahinter verbergen. Denn bei Keepseven kann man in die Welten von Star Wars oder Disney Lorcarna genauso eintauchen wie in Pokémon, Digimon, Magic: The Gathering und noch einige mehr. Doch bei Keepseven kann man die Sammelkarten nicht nur kaufen und verkaufen. „Wir versuchen, ein Verkaufserlebnis im klassischen Einzelhandelsinne mit dem Spielerlebnis direkt vor Ort zu kombinieren“, sagt Geschäftsführerin Bianca Andersen. Und das Konzept geht auf.
Gegründet wurde die Keepseven GmbH durch Brian Blank und Phillip Schmidt. Sie haben sich mit dem Laden einen Traum erfüllt. Angefangen hat alles 2019 mit dem Onlinehandel mit Sammelkarten und dem dazugehörenden Zubehör wie Hüllen und Aufbewahrungsboxen aus dem heimischen Wohnzimmer heraus. 2021 gingen sie dann einen Schritt weiter, wagten den Schritt in Richtung stationären Handel und eröffneten ein Ladengeschäft mit Spielfläche in der Großen Burgstraße. „Damals bin ich dazugestoßen“, erzählt Andersen. Die gelernte kaufmännische Assistentin und Personaldienstleistungskauffrau, die zudem praktische Psychologin studiert hat, ist schon seit ihrer Kindheit ein Fan der Pokémon-Welt und fand die Idee toll, aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen.

Local Game Store: mit Sammelkarten Kunden begeistern und den Einzelhandel stärken

„Wir verstehen uns nicht als klassischen Einzelhandel. Geschäfte wie unseres nennt man ‚Local Game Store‘, kurz LGS. Das Konzept dahinter ist, dass die Leute bei uns Kartensets kaufen, dann an den Tisch gehen, ihre Boosterpacks öffnen und sich dort direkt zum Spielen verabreden.“ Dafür organisiert das Keepseven-Team an fünf Tagen in der Woche entsprechende Events. „Wir betreiben hier Community Building und bringen so Gleichgesinnte an den Tisch, die dann zusammen spielen.“
Auf der Spielfläche ist Platz für 40 Spieler. „Wenn wir Zusatztische aufstellen, passen auch 60 Leute hier rein“, sagt Andersen. Der Großteil der Kundschaft besteht aus Stammkunden. Die Alterspanne reicht dabei von 8 bis über 50 Jahre, berichtet Andersen. „Die meisten Spieler sind männlich und sind über 30. Es kommen aber auch Kids, die ganz locker mit den Erwachsenen spielen. Das Hobby verbindet einfach alle.“ Der Reiz des Spielens und Sammelns der unterschiedlichen Karten liegt für Andersen auf der Hand. „Die Strategie dahinter reizt, weil man bei diesem Spiel selber bestimmen kann, wie man es spiele, da es nur ein Grundgerüst an Regeln gibt. Gepaart wird es der sozialen Komponente. Man lernt leicht neue Leute kennen, die das gleiche Hobby haben und man kann sich unterhalten.“
Ein Frau präsentiert Sammelkarte an einem Tisch
Begehrte Ware: Pokémon-Sammelkarten sind ein Bestseller im Sortiment von Bianca Andersen
Nachdem der Standort in der Großen Burgstraße für den wachsenden Ansturm nicht mehr ausreichte, suchten Andersen, Blank und Schmidt fast ein Jahr nach einem größeren Ladengeschäft. „Wir wollten nicht in ein Industriegebiet ziehen. Es ist für uns wichtig, dass die Kunden uns gut erreichen können, also auch die, die nicht mit dem Auto anfahren.“ In der Königstraße wurden sie schließlich fündig. Dort befindet sich nicht nur das Ladengeschäft mit der Spielfläche, sondern auch ein kleines Studio, in dem Andersen kurze Videos für Social Media und Plattformen wie Twitch aufnimmt. Außerdem ist dort das Lager untergebracht, von dem aus das Onlinegeschäft betrieben wird. Diese Fläche würde Andersen gerne irgendwann zum Ladenbereich dazunehmen, doch dieser Wunsch muss vorerst Zukunftsmusik bleiben. „Es hätte alles noch größer sein dürfen, aber der Laden hat die meisten Anforderungen erfüllt, die wir haben.“

Kurzreise nach Helsinki ergänzt Geschäft in der Lübecker Innenstadt

Große Unterstützung seitens der Stadt gab es nicht. „Ganz im Gegenteil. Meiner Erfahrung nach hat man es als Kaufmann in Lübeck nicht leicht“, meint sie. Die Schwierigkeiten reichten von der Schaufenstergestaltung und -beschriftung bis hin zur Infrastruktur. „Wir haben das Glück, dass wir ein Geschäft sind, das von der Kundschaft gezielt angesteuert wird. Wenn jemand kommen will, kommt er auch.“
Damit das so bleibt, sind Andersen, Blank und Schmidt viel auf Spielemessen und Conventions unterwegs und versuchen, in ihren Spieleset-Welten immer am Ball zu bleiben und die ständige Nachfrage der Kunden zu bedienen. Das zieht auch größere Kreise, denn mittlerweile wird nicht nur in der Königstraße gespielt. Gemeinsam mit der Reederei Finnlines haben die drei Macher von Keepseven in diesem Jahr erstmals eine Kurzreise nach Helsinki und zurück für Liebhaber vom Spiel Magic: The Gathering durchgeführt. Knapp 100 Sammelkartenfans reisen in die finnische Hauptstadt und nutzen die Reise zum Spielen. „Das ist super angekommen. Für nächstes Jahr haben wir wieder so eine Reise geplant“, sagt sie.
Text und Fotos: Majka Gerke
Veröffentlicht: 2. November 2026