IHK-MAGAZIN
Nr. 5379918
3 min Lesezeit
André Steinau an der Wasserstofftankstelle in Husum
Energiewende

Hoffnungsträger Wasserstoff

Wasserstoff gilt als zentraler Baustein, damit eine Energiewende gelingen kann. Ein Vorreiter aus Schleswig-Holstein möchte mit dem grünen Kraftstoff den Verkehr emissionsfrei gestalten.
Der Verkehrssektor ist laut Umweltbundesamt für 20 Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich. Da sich grüner Wasserstoff speichern lässt, gilt er als großer Hoffnungsträger der nachhaltigen Verkehrswende. Im Norden Schleswig-Holsteins erleben die Autofahrer und Fahrgäste des Linienverkehrs bereits, wie diese Mobilitätswende zukünftig aussehen kann.
In Nordfriesland hat die GP Joule Gruppe das deutschlandweit größte, grüne Wasserstoffmobilitätsprojekt umgesetzt. Das nordfriesische Unternehmen stellt aus regionaler Windkraft grünen Wasserstoff her, den Lkw, Pkw und ÖPNV-Busse an zwei öffentlichen Tankstellen in Husum und Niebüll tanken. Mit der eFarm ­– so der Name des Projekts – möchte GP Joule mit regional erzeugtem Strom den Verkehr in Nordfriesland emissionsfrei und klimaneutral gestalten. „Den Strom produzieren wir hier im Norden für ganz Deutschland, deshalb war uns wichtig, dass auch die Menschen vor Ort profitieren“, betont André Steinau, Geschäftsführer der GP Joule Hydrogen GmbH. 2016 entstand so die Idee zur eFarm: mehr Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien in der
André Steinau tankt an der Wasserstofftankstelle in Husum
André Steinau, Geschäftsführer der GP Joule Hydrogen GmbH, vor der eFarm in Niebüll © IHK/Dewanger
Bevölkerung schaffen und überschüssige Strommengen speichern und nutzen zu können. „Zuerst mussten wir Gesellschafter für das Konzept begeistern, aber die Nordfriesen als Vorreiter der Energiewende konnten wir schnell überzeugen“, so Steinau. Unter den 20 Gesellschaftern sind auch Bürgerwind- und solarparks, sodass rund 3.500 Nordfriesen an dem Projekt beteiligt sind. „Perspektivisch können wir die zwei bis drei Terrawattstunden Strom, die man jährlich wegen überlasteter Netze abschaltet, in Wasserstoff umwandeln und transportieren“, sagt er. Ein weiterer Vorteil sei, dass bei Sonne und Wind produzierter Wasserstoff jederzeit getankt werden kann, da er lagerbar ist.
Den Strom produzieren wir hier im Norden für ganz Deutschland, deshalb war uns wichtig, dass auch die Menschen vor Ort profitieren.
Als nächstes möchte der Mittelständler die Schwerlastmobilität in Deutschland dekarbonisieren, indem er wasserstoffbetriebene Lkw inklusive Kraftstoff an Logistiker und Speditionen vermietet. „Wir unterstützen Unternehmen auf ihrem Weg in einen CO2-freien Transport“, so Steinau. Dafür baut und betreibt das Unternehmen in der Nähe der Fuhrparks die Tankstellen und schafft dezentrale Elektrolysekapazitäten, die Grünstrom in Wasserstoff umwandeln.
Für seine Innovationen erhielt GP Joule bereits mehrere Preise. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr zeichnete die eFarm etwa mit dem Deutschen Mobilitätspreis aus. Der Preis ehrt engagierte Menschen und herausragende Projekte, die innovativ, nachhaltig und gemeinschaftlich die Mobilität der Zukunft gestalten. „Die Auszeichnung belohnt den Mut aller Beteiligten, etwas Neues im großen Maßstab anzupacken. Sie bescheinigt der Idee hinter eFarm und damit GP Joule eine Strahlkraft über die Landesgrenzen hinweg“, sagt André Steinau. Es bleibt spannend, welche preiswürdigen Projekte das Unternehmen in Zukunft umsetzen wird.
Aenne Boye

Weitere News

Bezahlsysteme
Ein Kunde bezahlt mit einer Smartwatch © STOCK.ADOBE.COM/SEVENTYFOUR

Karte, Smartwatch, Bargeld – die Zahlungsmöglichkeiten im stationären Handel nehmen zu. Experten aus dem Handel und der Finanzbranche geben Tipps, wie Betriebe sich bestmöglich aufstellen.

2 min Lesezeit
Pricing
Hans-Christian Riekhof © Christoph Mischke

Mit der UNICconsult Strategieentwicklung GmbH berät Riekhof Betriebe zum Pricing. Im Interview erklärt er, was Betriebe beachten sollten.

2 min Lesezeit
Nordic Wool Factory
Francesco Mazuhn auf dem Motorrad auf den Färöerinseln © NORDIC WOOL FACTORY

Ein Umzug auf die Färöer hat Francesco Mazuhn vom Marketingmanager zum Produzenten von Wollbekleidung gemacht. Mit seiner Nordic Wool Factory bringt er die Wolle eines Landes in die ganze Welt.

2 min Lesezeit