Medieninformation vom 30. März 2023

IHK zur Einigung im Verbrenner-Streit: Technischer Fortschritt lässt sich nicht allein politisch planen

IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos begrüßt die Einigung zwischen Brüssel und Berlin, die Zulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in der EU auch nach 2035 zu ermöglichen, wenn diese nachweislich mit klimaneutralen E-Fuels betrieben werden.
„Technischer Fortschritt lässt sich nicht allein politisch planen. Deshalb plädiere ich für mehr Pragmatismus und Neutralität in dieser Debatte: Die Entscheidung für synthetische Kraftstoffe ist keine Entscheidung gegen Elektromobilität. Die Automobilwirtschaft bekennt sich ohnehin größtenteils zum elektrischen Antrieb als eine der effektivsten Lösungen für Pkws. In Europa, Nordamerika und China erwarten Hersteller und Zulieferer einen ambitionierten Hochlauf der Elektromobilität. Gleichzeitig macht es in anderen Weltregionen, für die Bestandsflotte oder für Anwendungsfälle wie beispielsweise den Schwerlastverkehr durchaus Sinn, Verbrennungsmotoren potenziell nahezu CO₂-neutral zu betreiben“, sagt Birgit Hakenjos.
Die IHK-Präsidentin mahnt gleichzeitig an, die erzielte Einigung jetzt auch schnell und rechtsverbindlich in das gegenwärtige System der Flottengrenzwerte zu integrieren. Denn seitens der EU-Kommission sei vorgesehen, nun per delegiertem Rechtsakt eine neue Fahrzeug-Kategorie der Euro-6-Norm zu schaffen. Der Automobilindustrie würde es aber nicht helfen, wenn der bereits angekündigte Widerstand gegen die nun getroffene Einigung eine weitere Hängepartie nach sich ziehen würde.
Gegen den Vorwurf, E-Fuels seien im Vergleich zum batterieelektrischen Antrieb viel energieineffizienter, argumentiert Birgit Hakenjos: „Dass die E-Mobilität mit einem hohen Wirkungsgrad punktet und E-Fuels bei der Herstellung viel Energie verbrauchen sind, nur ein vermeintlicher Gegensatz. Dieser relativiert sich sofort, wenn klimaneutrale Kraftstoffe global an Orten produziert werden, wo erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist. Letztlich wird die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien sowie der Preis darüber entscheiden, für welche Anwendungsfälle klimaneutrale E-Fuels Sinn ergeben.“
Die Transformation in der Automobilwirtschaft und Fragen zur Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung stehen auch bei der Kick-Off-Veranstaltung zu dem neuen regionalen Automotive-Initiative „AuToS SW-BW“ am 4. Mai in den Donauhallen in Donaueschingen auf der Tagesordnung. Weitere Informationen zum Projekt und zur Anmeldung sind online unter www.veranstaltungen-ihk-sbh.de/autos_kickoff abrufbar.