Wirtschaft im IHK-Bezirk Rostock: Die Geschäfte verbessern sich, die Stimmung zieht (noch) nicht mit

Der IHK-Geschäftsklima­index kann sich im Herbst 2026 vom Rückschlag der Vorumfrage etwas erholen. Der Indexwert steigt um sieben auf 95 Punkte. Die aktuelle Lage der gewerblichen Wirtschaft im Bezirk der IHK zu Rostock hat sich im Vergleich zum Frühsommer merklich verbessert. Die Erwartungen der befragten Unternehmen sind zwar weiterhin sehr skeptisch, aber nicht mehr ganz so eingetrübt wie zuletzt.
Auch im Herbst sind die Betriebe mit vielen Faktoren konfrontiert, die ihre geschäftliche Entwicklung beeinträchtigen. Die Rückkehr zu einer belastbaren Zuversicht der Unternehmen in die eigene Geschäftsentwicklung sowie die Kompetenz und der Wille auf allen staatlichen Ebenen, verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen zu schaffen, sind Grundvoraussetzungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Aufwärtsbewegung.
Konjunkturumfrage Herbst 2026
  • Geschäftslage verbessert: Vier von fünf Unternehmen bewerten ihre aktuelle Situation mindestens als befriedigend. Besonders das Verkehrs- und Gastgewerbe entwickeln sich positiv.
  • Investitionen nehmen zu: 23 Prozent der Betriebe planen höhere Investitionen, insbesondere in Digitalisierung und die Modernisierung betrieblicher Prozesse.
  • Exporte mit positiven Signalen: Die Exportaussichten hellen sich deutlich auf und geben Anlass zur Hoffnung auf eine konjunkturelle Stabilisierung.
  • Arbeitsmarkt bleibt unter Druck: Nur acht Prozent der Unternehmen planen Neueinstellungen, jedes vierte Unternehmen rechnet mit Stellenabbau. Gleichzeitig können ein Drittel der Betriebe offene Stellen nicht besetzen.
  • Arbeits- und Energiekosten als größte Risiken: Jeweils 65 Prozent der Unternehmen nennen diese Faktoren als zentrale Geschäftsrisiken. Auch Bürokratie und wirtschaftspolitische Unsicherheiten belasten die Betriebe.
Die deutsche Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten besser entwickelt, als noch zu Jahresbeginn und zwischenzeitlich danach erwartet. Die wirtschaftliche Erholung, die auch auf den IHK-Bezirk abstrahlt, ist durch staatliche Investitionen in Infrastruktur sowie Verteidigung und Sicherheit maßgeblich fiskalgetrieben. Zusätzliche Exportimpulse, die auf zeitweise weltweite Engpässe und Aufstockungen von Lagerbeständen ausländischer Käufer angesichts des Konflikts in der Golfregion zurückgehen, haben stützend gewirkt.
Der Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist von einem „aber“ geprägt: Eine Erholung ist zwar sichtbar, strukturelle und wirtschaftliche Probleme sind aber nicht aufgelöst. Hohe Energiepreise, weiterhin zu viel Bürokratie und eine in Teilen der deutschen Wirtschaft schwache Wettbewerbsfähigkeit bremsen einen Aufschwung in der Breite aus. Und die Risiken bleiben bestehen: teure Energie bei anhaltendem Iran-Krieg und Verunsicherungen durch hybride Angriffe belasten die deutsche Wirtschaft. Auch ist die wirtschaftliche Erholung bei den privaten Haushalten bislang kaum angekommen. Durch die zuletzt wieder gestiegenen Energiepreise und den Inflationsdruck hat sich die Kaufkraft der Verbraucher verringert bzw. neben den Ausgaben für Energie wie beim Tanken steht weniger Geld für den Konsum zur Verfügung.

Geschäftsklima im IHK-Bezirk Rostock

Für viele Betriebe und Wirtschaftszweige im IHK-Bezirk Rostock ist die geschäftliche Situation auch im Herbst 2026 mit mannigfaltigen Herausforderungen verbunden, wenngleich weniger intensiv als noch vor wenigen Monaten in der Frühsommerumfrage der IHK ersichtlich.
Neben der verbesserten Lage der befragten Betriebe deuten erste Frühindikatoren – wie die deutlich optimistischeren Exportaussichten oder der verbesserte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex für MV – eine mögliche konjunkturelle Erholung an.
Auf der anderen Seite fehlen weiterhin Impulse aus der Inlandsnachfrage und die ordnungspolitischen sowie strukturellen Herausforderungen der Bundesrepublik verhindern den dringend benötigten Wandel hin zu mehr Zuversicht bei den Unternehmen und den Verbrauchenden. Hinzukommen auch im Herbst 2026 viele Unsicherheitsfaktoren: Die handelspolitischen Verwerfungen, die der seit einem dreiviertel Jahr andauernde Krieg der USA und Israels gegen den Iran ausgelöst hat, das nach wie vor nicht absehbare Ende des Ukrainekriegs, die innenpolitischen Herausforderungen der Modernisierung der Sozialen Marktwirtschaft oder die Nachwirkungen der jüngsten Landtagwahlen auf landes- und bundespolitischer Ebene.
Sichtbare Fortschritte bei den Aufgaben, die für die politisch Verantwortlichen jenseits weltpolitischer Bühnen gestalten können, sind eine Grundvoraussetzung dafür, dass Betriebe und private Haushalte der ‚Pessimismusfalle‘ ausweichen können und die deutsche Volkswirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einschwenken kann.
Der IHK-Geschäftsklimaindex steigt im Herbst auf 95 Indexpunkte (gesamtes Mecklenburg-Vorpommern: 94, deutschlandweiter Wert: 95). Er liegt damit sieben Indexpunkte über dem Wert der Vorumfrage, erreicht aber nicht das Niveau der Herbstumfrage im Vorjahr von 103 und rangiert weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 109 Indexpunkten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Auswertung der Antworten von 279 Unternehmen im Rahmen der Konjunkturumfrage der IHK zu Rostock, die von Mitte September bis Anfang Oktober 2026 stattfand.
Die aktuelle konjunkturelle Aufhellung resultiert vor allem aus einer merklichen Verbesserung der Geschäftslage bei weiterhin pessimistischen, aber etwas verbesserten, Geschäftserwartungen im Vergleich zur Vorumfrage im April/Mai dieses Jahres.
Mit Ausnahme der Bauwirtschaft hat sich das Geschäftsklima in allen Branchen der gewerblichen Wirtschaft verbessert oder ist stabil geblieben, wenn auch in differenziertem Ausmaß. Dies findet seinen Niederschlag einerseits in deutlich verbesserten Investitionsplänen und zuversichtlicheren Exporterwartungen, während andererseits keine positive Entwicklung bei den Beschäftigungsabsichten ersichtlich ist.
Hintergrund: Der IHK-Konjunkturklimaindex bildet das Ergebnis der Konjunkturumfrage in einer Größe ab, indem Geschäftslage- und Geschäftserwartungseinschätzungen gleichrangig berücksichtigt werden. Er wird gebildet als geometrischer Mittelwert der Salden aus Geschäftslage und -erwartungen.

Geschäftslage: Verkehrs- und Gastgewerbe deutlich verbessert

In der aktuellen Befragung geben vier von fünf Betrieben an, dass ihre gegenwärtige Geschäftslage wenigstens befriedigend ist (33 Prozent bewerten diese als „gut“). Der Abstand zu den negativen Einschätzungen hat sich deutlich verbessert („schlecht“: 19 Prozent). Der sektorübergreifende Geschäftslagesaldo steigt im Vergleich zur Frühsommerumfrage um zehn auf 13 Prozentpunkte. Er liegt weiterhin unter seinem langfristigen Mittel von 25 Prozentpunkten. Mit Ausnahme der Bauwirtschaft – die jedoch in der Vorumfrage einen deutlich überdurchschnittlichen Wert von 31 Prozentpunkten realisierte – konnten sich alle Branchen positiv entwickeln: Das Gastgewerbe schaut auf eine deutlich bessere eigene wirtschaftliche Lage und erreicht erstmals seit dem vergangenen Herbst mit 19 Prozentpunkten einen positiven Lagesaldo. Das Verkehrsgewerbe, üblicherweise ein Konjunkturfrühindikator, legt stark zu (Lagesaldo: plus 31 auf sieben Prozentpunkte).
Die konjunkturelle Lageaufhellung findet ebenso in den Einschätzungen der Betriebe zu ihren Auftragsbeständen ihren Niederschlag: 71 Prozent der betreffenden Befragten schätzen ihren aktuellen Auftragsbestand als „eher groß“ oder „üblich“ ein. Im Frühsommer lag dieser Anteil noch vier Prozentpunkte niedriger.
Hintergrund: Der Saldo ergibt sich als Differenz der prozentualen Anteile aus positiven (gut/besser) und negativen (schlecht/schlechter) Einschätzungen. Die neutralen (befriedigend/gleichbleibend) Antworten bleiben unberücksichtigt.

Aktuelle Finanzlage: Geringerer Problemdruck

Das verbesserte Geschäftsklima bei den befragten Unternehmen bildet sich auch darin ab, dass die eigene Finanzlage aktuell als weniger kritisch angesehen wird: 54 Prozent halten sie im Moment für unproblematisch (Vorumfrage: 50 Prozent). Die Ertrags- und Umsatzsituation ist für viele Firmen so belastbar, dass etwas weniger auf die Eigenkapitalreserven zurückgegriffen werden muss (minus zwei Prozentpunkte auf 27 Prozent im Vergleich zum April/Mai). Auch der Anteil der Befragten, die momentan mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen haben, sinkt von 22 auf 17 Prozent. Sahen sich in der Vorumfrage vier Prozent der Unternehmen von einer Insolvenz bedroht, sind es im Herbst drei Prozent (Mittelwert seit Anfang 2021: 2,8 Prozent).

Geschäftserwartungen: Weniger düster als im Herbst des Vorjahres

Gegenwärtig stehen die Zeichen noch nicht für einen nachhaltigen Aufschwung der gewerblichen Wirtschaft im IHK-Bezirk: Die Befragten sind über alle Branchen hinweg weiterhin überwiegend nicht zuversichtlich, wenngleich sich die Erwartungen im Vergleich zur Vorumfrage verbessert haben. Über die Wirtschaftszweige ergibt sich dabei ein differenziertes Bild. Die beharrliche gesamtwirtschaftliche Nachfrageschwäche setzt viele Unternehmen unter Druck. Die Unsicherheit über weitere Kostenbelastungen, besonders bei den Arbeitskosten, inklusive der Sozialversicherungsbeiträge, den Energiekosten und deren Auswirkungen auf die Betriebe wie auch die schwächelnde Konsumseite verhindern, dass Zuversicht aufkommt. In der Folge ergibt sich bei den Geschäftserwartungen für die kommenden Monate nur eine leichte Aufwärtsbewegung auf sehr niedrigem Niveau: Während zwar einerseits nur neun Prozent der Umfrageteilnehmenden optimistisch auf die kommenden Monate schauen (Frühsommer: elf), rechnet auf der anderen Seite mit 30 Prozent ein um sieben Prozentpunkte geringerer Anteil als in der Vorumfrage mit schlechteren Geschäften. Der Erwartungssaldo verbessert sich leicht von minus 26 auf minus 20 Prozentpunkte. Er liegt damit immer noch weit unter seinem langjährigen Mittelwert von minus zweieinhalb Prozentpunkten.

Investitionen: Deutliche Belebung

Die etwas weniger pessimistischen Geschäftsausblicke führen im Herbst zu einer Belebung der Investitionsabsichten der Betriebe. Die langsam ihre Wirkung entfaltenden Investitionspakete des Bundes und die Notwendigkeit, den Anschluss an die fortschreitende Digitalisierung und Modernisierung der betrieblichen Abläufe nicht zu verlieren, tragen dazu bei. Über die gesamte gewerbliche Wirtschaft betrachtet geben zwar immer noch 36 Prozent (Frühsommer: 43, Vorjahr: 35) der Befragten an, ihre Investitionen reduzieren zu wollen, allerdings plant beinahe ein Viertel, die Investitionsausgaben zu steigern (plus fünf auf 23 Prozentpunkte zur Vorumfrage, Vorjahr: 24). Der Investitionssaldo steigt im Vergleich zum Frühsommer um elf auf minus 14 Prozentpunkte. Der Anteil der Firmen, die in den kommenden zwölf Monaten keine Investitionen planen, verringert sich dagegen nur leicht um einen Prozentpunkt auf 36 Prozent.
Trotz der positiveren Dynamik zeigt sich bei den Investitionsmotiven die fortdauernde Investitionsschwäche: Vorherrschender Beweggrund ist der Ersatz von Betriebsmitteln: 74 Prozent der investitionsbereiten Befragten planen, in den kommenden Monaten Investitionen in den Substanzerhalt zu tätigen. Nicht überraschend ist, dass in der aktuellen wirtschaftlichen Lage die Kapazitätsausweitung mit 22 Prozent nur eine unterdurchschnittliche Rolle spielt (langjähriger Mittelwert: 30). Die hohen und weiter steigenden Kosten für Werk- und Betriebsstoffe sowie den Faktor Arbeit führen dazu, dass mit 38 Prozent ein fast gleich hoher Anteil an Unternehmen wie in der Vorjahresumfrage (40 Prozent) in Rationalisierungsmaßnahmen investieren will und dieses Investitionsmotiv merklich über dem langfristigen Durchschnitt von 31 Prozent verortet ist. Bei den investitionsbereiten Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes, die die Energie- und Rohstoffpreise sowie die Arbeitskosten als Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung benennen, ist die Bereitschaft für Rationalisierungsinvestitionen mit 58 Prozent noch deutlich stärker ausgeprägt.

Fremdfinanzierung: Zinsentwicklung belastet

Im Herbst 2026 stellt sich die Fremdfinanzierungssituation für die Mehrheit der Befragten als überwiegend unproblematisch dar. Die meisten Firmen haben einen guten (18 Prozent) bzw. zufriedenstellenden (22 Prozent) Zugang zu externen Finanzierungsquellen. 49 Prozent benötigen keine Finanzierung durch Dritte. Der Anteil der Firmen, die über einen schlechten Zugang oder abgelehnte Finanzierungen berichten, liegt mit elf Prozent zwei Prozentpunkte unter den Werten der Vorumfrage vom Frühsommer. Die zuletzt wieder deutlich angezogene Inflationsrate bzw. die Unsicherheit über den künftigen Preisauftrieb und höhere Risikoaufschlägen für Unternehmen in der aktuell mit Risiken behafteten konjunkturellen Situation dürften dazu beigetragen haben, dass das Zinsniveau bei den von einer Verschlechterung betroffenen Unternehmen wieder an Problematik zugelegt hat: 43 Prozent geben die Zinshöhe als Grund an (Frühsommer: 25 Prozent, Herbst 2025: 31).

Exporte: Europäische Absatzmärkte sorgen für Entlastung

Nachdem die Exporterwartungen, u.a. aufgrund der Auswirkungen des im Februar begonnenen Irankriegs der Vereinigten Staaten und ihres Verbündeten Israel in der Frühsommerbefragung, sehr niedrig lagen, ist im Herbst eine merkliche Aufhellung bei den Befragten mit internationalen Absatzmärken zu beobachten: 21 Prozent gehen von sinkenden Exporten in den kommenden zwölf Monaten aus (Jahresbeginn: 36, Frühsommer: 31), während 18 Prozent mit einer Steigerung ihres Auslandsgeschäftes rechnen (Frühsommer: 11). Ausschlaggebend dafür dürfte sein, dass wichtige europäische Märkte wie auch der Ausblick auf leichtere Marktzugänge durch die zuletzt abgeschlossenen EU-Handelsabkommen in diesem Jahr an Dynamik gewonnen haben, während eine schwächere Nachfrage aus den USA und China sowie zunehmende Handelskonflikte – gerade mit diesen beiden Akteuren – das Auslandsgeschäft belasten.

Beschäftigung: Aktuell keine Belebung

Die nur moderate Verbesserung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation führt noch nicht dazu, dass sich die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen erholen: Lediglich acht Prozent (April/Mai: neun) planen die Beschäftigung zu erhöhen, zwei Drittel wollen wie in der Vorumfrage diese konstant halten. Der Anteil der Betriebe, die einen Beschäftigungsrückgang erwarten, bleibt mit 25 Prozent sehr hoch (Frühsommer: 24). Insofern ist es nachvollziehbar, dass der Fachkräftemangel als Risikofaktor aktuell nur von verhältnismäßig geringer Bedeutung für die Befragten ist - lediglich ein knappes Drittel benennt diese Problemkategorie (langfristiger Durchschnitt: 46 Prozent).
Dennoch zeigt sich trotz der nach wie vor wenig dynamischen konjunkturellen Situation, dass bei einem Drittel der befragten Firmen Stellen unbesetzt bleiben, weil keine passenden Mitarbeitenden gefunden werden können. Besonders die Bauwirtschaft und das Verarbeitende Gewerbe sind überdurchschnittlich vom Fach- bzw. Arbeitskräftemangel betroffen: 46 Prozent der Bau- und 43 Prozent der Industriebetriebe geben an, dass Stellen nicht besetzt werden können. Branchenübergreifend geben 72 Prozent der Firmen mit unbesetzten Stellen an, dass der Personal- und Fachkräftemangel die eigene wirtschaftliche Entwicklung hemmt. Unabhängig von der aktuell schwächeren Arbeitskräftenachfrage bleibt die Sicherung der Arbeits- und Fachkräftebasis daher für die Unternehmen eine zentrale langfristige Herausforderung. Ausländische Beschäftigte leisten hierzu in vielen Betrieben bereits heute einen wichtigen Beitrag.

Probleme: Arbeits- und Energiekosten dominieren

Gestiegene bzw. steigenden Arbeitskosten, u.a. als Folge der Mindestlohnerhöhungen, sowie Sozialabgaben und die Perspektive auf weitere Belastungen, wenn die zwingend notwendige Modernisierung im System der sozialen Sicherung nicht bald in konkrete Reformen mündet, sind ausschlaggebend dafür, dass die Rubrik „Arbeitskosten“ gemeinsam mit Energiepreisen einen unrühmlichen Spitzenplatz in der Rangfolge der betrieblichen Risiken und Probleme erreicht (beide 65 Prozent). Für die Arbeitskosten wird im Rahmen der Risikostatistik der Konjunkturumfrage der IHK zu Rostock ein neuer Höchstwert erreicht. Die Sorgenkategorie „wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“ liegt mit 44 Prozent vier Prozentpunkte unter dem Frühsommerwert. Auch im Herbst nennen viele Befragte, neben einzelnen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die hohen bürokratischen Belastungen als Sorgenfaktor. Zugenommen haben in den Freitextantworten der Umfrage die Rückmeldungen, worin Sorgen über die gesellschaftliche Spaltung und deren Auswirkungen auf die Gewinnung und Sicherung von migrantischen Fachkräften geäußert werden.

Geschäftsklima in den Branchen

Industrie

Die Geschäftslage der befragten Industrieunternehmen verbessert sich leicht. Nachdem in den letzten vier Befragungen eine kontinuierliche Abwärtsbewegung festgestellt werden konnte, bewegt sich das Verarbeitende Gewerbe in der aktuellen Umfrage auf dem Durchschnittsniveau aller betrachteten Branchen. Der Anteil der Betriebe, die ihre aktuellen Geschäfte positiv beurteilen, liegt mit 28 Prozent vier Prozentpunkte über dem Wert der Vorumfrage, während der Anteil der „schlechten“ Rückmeldungen um einen Prozentpunkt auf 13 Prozent sinkt. Sechs von zehn Unternehmen in der Industrie bewerten die aktuelle Lage als „befriedigend“.
Die Geschäftsaussichten haben sich dagegen leicht eingetrübt: Blickten im Frühsommer noch 17 Prozent optimistisch auf die kommenden Monate, während 14 Prozent skeptisch waren, zeigt sich im Herbst eine Verschlechterung dieses Verhältnisses: Zehn Prozent gehen von einer Verbesserung aus und ein Fünftel erwartet schlechtere Geschäfte. Im Branchenvergleich liegt das Verarbeitende Gewerbe mit einem Geschäftsklimaindexwert von 102 Indexpunkten dennoch an erster Stelle.

Baugewerbe

Die Einschätzungen der Baubetriebe zu ihren Auftragsbeständen hatten sich im Verlauf der letzten Umfragen deutlich positiv entwickelt: Aktuell geben 18 Prozent an, dass ihre Auftragsbestände eher zu gering sind, während dieser Anteil vor einem Jahr noch bei 43 Prozent lag. Dennoch sind viele Befragte der Branche des IHK-Bezirks der Meinung, dass die Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung zu langsam ihre Wirksamkeit entfalten. Zusammen mit den zusätzlichen Belastungen, besonders bei Arbeits- und Energiekosten, führt das in der aktuellen Befragung dazu, dass mit 27 Prozent ein geringerer Anteil eine „gute“ Lage konstatiert als in der Vorumfrage (38 Prozent). 18 Prozent geben eine negative Rückmeldung (Frühsommer: 8). Kein Baubetrieb erwartet eine Verbesserung in den kommenden Monaten, während 27 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. In der Folge sinkt der Branchengeschäftsklimaindex um sechs auf 89 Indexpunkte (langjähriger Durchschnittswert: 108).
Hinweis: Da die Stichprobengröße in der Bauwirtschaft sehr klein ausgefallen ist, besteht nur eine eingeschränkte Aussagekraft.

Handel

Nach einer kontinuierlich schlechteren Entwicklung in den IHK-Konjunkturumfragen seit dem vergangenen Herbst, kann sich der Handel im IHK-Bezirk in der aktuellen Umfrage etwas erholen. Die Händler sind nach wie vor stark von der schwachen Inlandsnachfrage betroffen, allerdings liegt diese Sorgenkategorie mit 55 Prozent der Nennungen “nur noch” an dritter Stelle der Rangfolge der Hemmnisse und Probleme des Wirtschaftszweiges. In der Herbstumfrage schätzen fast gleich viele Handelsbetriebe ihre Lage als „gut“ (25 Prozent) wie als „schlecht“ (27 Prozent) ein. Im Frühsommer übertrafen noch die negativen die positiven Einschätzungen um 16 Prozentpunkte. Die Geschäftserwartungen der Handelsunternehmen deuten eine mögliche Abkehr aus dem Stimmungskeller an: Während in der Vorumfrage mehr als jeder zweite Händler pessimistisch war, sinkt dieser Anteil im Herbst auf 42 Prozent. Der Branchengeschäftsklimaindex klettert um 15 auf 82 Indexpunkte.

Verkehrsgewerbe

Ein noch größerer Erholungseffekt als im Handel ist bei den Verkehrsbetrieben beobachtbar. Der Branchenklimaindex steigt von 66 auf 89 Indexpunkte (langfristiger Mittelwert: 112). Der Geschäftslagesaldo verbessert sich im Vergleich zu dem als katastrophal zu bezeichnenden Frühsommerwert um 30 auf sieben Prozentpunkte. Er rangiert damit aber nach wie vor deutlich unter dem branchenübergreifenden Wert von 13 Prozentpunkten. Auch der Erwartungssaldo legt einen ähnlich großen Sprung hin und steigt um 18 auf minus 26 Prozentpunkte an. Frühindikatoren wie der zuletzt wieder gestiegene Lkw-Maut-Fahrleistungsindex für Mecklenburg-Vorpommern im September (vorläufige Werte) stützen die wieder etwas positivere Stimmung in der Verkehrs- und Logistikwirtschaft.

Dienstleistungsgewerbe

Das Dienstleistungsgewerbe gibt in der Herbstumfrage ein gemischtes Bild ab: 38 Prozent der Befragten beurteilen die aktuelle Lage als „gut“ (Frühsommer: 33), 44 Prozent als „befriedigend“ und 18 Prozent als „schlecht“ (plus drei Prozentpunkte). Der Geschäftslagesaldo verbessert sich im Vergleich zum Frühsommer um drei auf 21 Prozentpunkte und liegt damit deutlich über dem branchenübergreifenden Niveau von 13 Prozentpunkten. Der Großteil der befragten Dienstleistungsbetriebe geht weiterhin von gleichbleibenden Geschäften aus (64 Prozent). Zehn Prozent erwarten, bessere Geschäfte. 26 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Der Branchenklimaindex bleibt im Vergleich zur Vorumfrage nahezu konstant bei 100 Indexpunkten (Frühsommer: 101, langfristiger Mittelwert: 118).

Gastgewerbe

Die Lageeinschätzung des Gastgewerbes im IHK-Bezirk hat sich im Vergleich zur Frühsommerumfrage stark verbessert: Aktuell bewerten 36 Prozent der gastgewerblichen Unternehmen ihre Lage als „gut“. Nur 17 Prozent kommen zu einer „schlechten“ Einschätzung. Der Lagesaldo steigt im Vergleich zur Vorumfrage um 21 auf 19 Prozentpunkte, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass sich, nach einem eher schwachen Ostergeschäft, die Übernachtungszahlen im Sommer sehr positiv entwickelt haben.
Allerdings führen die Kostenbelastungen und das zurückhaltende Ausgabeverhalten vieler Gäste dazu, dass sich etliche Betriebe des Gastgewerbes – trotz steigender Gästezahlen – einer schwierigen Ertragslage gegenübersehen und weniger optimistisch in die nähere Zukunft blicken: Während zehn Prozent der befragten Gastbetriebe mit einer Verbesserung rechnen (Vorumfrage: zwölf), gehen 29 Prozent von einer negativen Entwicklung aus (Frühsommer: 44). Der Branchenklimaindex steigt dennoch um beachtliche 16 auf 100 Indexpunkte (langfristiges Mittel: 106).

Geschäftsklima in den Regionen des IHK-Bezirks

Wie schon zurückliegend, zeigt die konjunkturelle Situation im Bezirk der IHK zu Rostock ein regional deutlich abgestuftes Bild. Zwischen den beiden Landkreisen im IHK-Bezirk und Rostock, als der größten Stadt des Bundeslandes, bestehen stellenweise große Unterschiede. In der Hanse- und Universitätsstadt gestaltet sich die aktuelle Geschäftssituation erheblich positiver: Die befragten Unternehmen zeichnen ein besseres Bild der aktuellen Lage und sind im Schnitt deutlich optimistischer für die kommenden Monate als in der Vorumfrage(Lagesaldo: plus 14 auf 24, Erwartungssaldo: plus drei auf minus zehn Prozentpunkte). Der IHK-Konjunkturklimaindex für Rostock verbessert sich zur Vorumfrage um sieben auf 105 Indexpunkte. Im regionalen Vergleich am schwierigsten stellt sich der wirtschaftliche Status quo für die Firmen im Landkreis Vorpommern-Rügen dar: Der IHK-Konjunkturklimaindex kann sich dennoch um sechs auf 86 Punkte steigern. 27 Prozent der Befragten aus Vorpommern-Rügen konstatieren eine gute Lage, 28 Prozent schätzen diese negativ ein.
Bei den Erwartungen zeigt sich eine große Übereinstimmung zwischen den Landkreisen im IHK-Bezirk (Lagesaldo: minus eins, Erwartungssaldo: minus 25 Prozentpunkte). Die Lage der gewerblichen Wirtschaft im Landkreis Rostock rangiert – wie häufig in der Vergangenheit – zwischen den Ergebnissen der beiden anderen ausgewiesenen Regionen im IHK-Bezirk (IHK-Konjunkturklimaindex: plus acht auf 92 Indexpunkte). Hier beurteilen mit 32 Prozent mehr Befragte als in der Frühsommerumfrage (28 Prozent) ihre aktuelle geschäftliche Situation als „gut“ und der Anteil der „schlechten“ Lagebeurteilung sinkt um sechs Prozentpunkte auf 16 Prozent. Die Geschäftsperspektiven der Betriebe im Landkreis sind gegenüber den Wirtschaftsunternehmen im angrenzenden Rostock im Saldo signifikant schlecht: elf Prozent erwarten bessere Geschäfte und 37 Prozent rechnen mit einer negativen Entwicklung (Lagesaldo: 16 Prozentpunkte, Erwartungssaldo: minus 26 ).

Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern