Schiffsrecycling in MV: Dialog zwischen Branche und Behörden gestartet
Wie kann Schiffsrecycling in Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich, rechtssicher und praktikabel etabliert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des „Runden Tischs Schiffsrecycling in MV“, zu dem das Maritime Cluster Norddeutschland gemeinsam mit der IHK zu Rostock eingeladen hatte.
Schiffsrecycling kann für die maritime Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern künftig ein zusätzliches Geschäftsfeld sein.
Vertreter aus Werften, Behörden, Rechtsberatung und Entsorgungswirtschaft zusammenzubringen, um die Grundlagen für ein mögliches Schiffsrecycling in Mecklenburg-Vorpommern zu diskutieren und den Aufbau eines kontinuierlichen Dialogformats zu starten – das war das Ziel des „Runden Tischs Schiffsrecycling in MV“ des Maritimen Clusters Norddeutschland und der IHK zu Rostock.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Schiffsrecycling als ergänzendes Geschäftsfeld in bestehende Werftstrukturen integriert werden kann. Ein eigenständiges Geschäftsmodell wurde von mehreren Teilnehmenden als derzeit wirtschaftlich nicht tragfähig eingeschätzt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein realer Bedarf zur Entsorgung nicht mehr reparabler Schiffe besteht, der bislang nur unzureichend regional abgedeckt wird.
Rechtliche Rahmenbedingungen als zentrale Hürde
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Diskussion waren die komplexen immissionsschutz- und abfallrechtlichen Anforderungen. Dabei wurde deutlich, dass bereits einzelne Vorgänge im Werftbetrieb – etwa wenn ein Schiff während der Reparatur als nicht mehr wirtschaftlich instandsetzbar eingestuft wird – genehmigungsrechtliche Prüfungen auslösen können.
Grundsätzlich wurde jedoch klargestellt, dass eine Erweiterung bestehender Werftgenehmigungen nicht automatisch deren Bestand gefährdet. Dennoch können zusätzliche Auflagen oder nachträgliche Anforderungen entstehen, etwa im Rahmen von Änderungs- oder Überwachungsverfahren. Diese Unsicherheiten führen dazu, dass bislang keine Werft in Mecklenburg-Vorpommern eine entsprechende Genehmigung für Schiffsrecycling beantragt hat.
Hoher Aufwand und Wunsch nach praktikablen Lösungen
Die Teilnehmenden betonten den erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand von Genehmigungsverfahren. Bereits geringe Durchsatzmengen können eine Genehmigungspflicht auslösen, was insbesondere bei schweren Schiffskomponenten als kritisch bewertet wird.
Zudem wurde auf Begriffsdefinitionen hingewiesen, die auf EU-Ebene gelten, etwa zum Abfallbegriff oder zur Einstufung von Altfahrzeugen, deren Anpassung nur auf europäischer Ebene möglich ist.
Ausblick
Als Ergebnis der Veranstaltung hielten die Organisatoren und Teilnehmenden fest, den Runden Tisch als dauerhaftes Dialogforum zu etablieren und den Austausch zwischen Wirtschaft und Behörden zu intensivieren. Unternehmen wurde empfohlen, frühzeitig das Gespräch mit Genehmigungsbehörden zu suchen, um Projekte besser vorbereiten zu können.
Die Veranstalter kündigten an, die diskutierten Inhalte weiter auszuwerten und in einem Folgetreffen in den kommenden Monaten erneut zusammenzuführen. Ziel bleibt es, tragfähige Rahmenbedingungen zu entwickeln, um Schiffsrecycling als ergänzendes Angebot in der maritimen Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns zu etablieren.
Kontakt
Dr. Björn Swinarski
