Ein Mann in rotem Shirt lehnt sich an ein Geländer und lächelt in die Kamera.
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Aus- und Weiterbildung

„Azubis übernehmen zunehmend mehr Verantwortung“

Dirk Hauschild ist seit 1991 ehrenamtlicher Prüfer in der Aus- und Weiterbildung. Im Interview spricht er über die Bedeutung von Praxiswissen und verrät, was ihn an den Finalisten des IHK-Bildungspreises 2026 beeindruckt hat.
Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich als Prüfer zu engagieren?
Dirk Hauschild: Es ist für mich auch nach über 30 Jahren noch immer ein Privileg, junge Fachkräfte auf ihrem Weg zu einem höheren Berufsabschluss zu begleiten. Zu sehen, mit wie viel Fleiß und
Ehrgeiz sich die Prüflinge vorbereiten, und dann den Moment mitzuerleben, in dem sie ihr Ziel erreichen – das ist meine größte Motivation.
Warum ist Praxisnähe in Prüfungen so wichtig?
Als jemand, der selbst aktiv in der Ausbildung tätig ist, weiß ich: Theorie ist das Fundament, aber die Praxis ist das Gebäude. Eine Prüfung muss widerspiegeln, was im Arbeitsalltag wirklich zählt. Nur durch praxisnahe Aufgabenstellungen können wir sicherstellen, dass die Absolventen nicht nur "Papierwissen" haben, sondern in ihren Betrieben sofort Verantwortung übernehmen können.
Welche Verantwortung tragen Prüferinnen und Prüfer gegenüber Auszubildenden?
Wir tragen eine enorme Verantwortung, denn wir entscheiden in einer punktuellen Prüfungssituation über den weiteren Karriereweg eines Menschen. Die größte Herausforderung ist es, objektiv die Anforderungen zu prüfen, aber gleichzeitig den Menschen dahinter nicht zu vergessen. Man muss die Situation ganzheitlich betrachten und auch die Nervosität oder den individuellen Lösungsweg subjektiv richtig einordnen können. Dies gilt übrigens genauso auch für eine Weiterbildungsprüfung, zum Beispiel beim Industriemeister. Hier sind es Teilnehmer, die schon mit beiden Beinen fest im Job stehen.
Zum Bildungspreis: Was hat Sie am IHK-Bildungspreis 2026 oder den Finalisten
besonders beeindruckt?
Mich hat vor allem die Innovationskraft beeindruckt. Zu sehen, mit welcher Leidenschaft Unternehmen und Bildungsstätten Konzepte entwickeln, um die Ausbildung zukunftsfest zu machen, ist inspirierend. Aber vor allem auch die Azubis selbst, die zunehmend bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen und eigenständig an Projekten arbeiten um somit an ihrer eigenen Ausbildung mitwirken. Es zeigt, dass die berufliche Bildung lebt und sich ständig weiterentwickelt.
Was wünschen Sie sich für die Ausbildung der Zukunft?
Dass wir den hohen Standard unserer dualen Ausbildung halten und gleichzeitig flexibel auf neue digitale Anforderungen reagieren. Mein Wunsch ist, dass die Wertschätzung für handwerkliche und fachliche Berufe in der Gesellschaft weiter steigt – denn diese Fachkräfte sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.