Mehr als ein gutes Gewissen
Gesellschaftliches Engagement gehört für viele Unternehmen längst zum Selbstverständnis. Sie fördern Vereine, unterstützen Bildungsprojekte oder schaffen Räume für Kultur und Begegnung. Dabei profitieren nicht nur die Regionen, sondern häufig auch die Unternehmen selbst – etwa durch motivierte Mitarbeitende, stärkere Netzwerke und eine engere Bindung an ihren Standort. Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie unterschiedlich unternehmerische Verantwortung gelebt werden kann.
Rostocker Werbeagentur macht den Firmenlauf zur Spendenaktion
Für Alexander Hopf, Geschäftsführer der Rostocker Werbeagentur WERK3, ist soziales Engagement fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Seit mehreren Jahren verbindet die Agentur den Rostocker Firmenlauf mit einem guten Zweck. „Wir machen den Firmenlauf zum Spendenlauf. Für jeden Kilometer, den meine Mitarbeiter laufen, zahle ich 100 Euro“, erzählt Hopf.
Die Idee entstand während der Coronapandemie. Gemeinsam mit einem regionalen Kunden und der DLRG machte die Agentur damals auf die Folgen der ausgefallenen Schwimmkurse aufmerksam und verband die Aktion mit einer Spendenkampagne. Aus der einmaligen Idee wurde eine feste Tradition.
Das ist für mich nicht einfach nur Teambuilding, sondern grundsätzliche Mitarbeiterbindung. Damit mache ich das Unternehmen attraktiver.Alexander Hopf, Geschäftsführer WERK3
Unterstützt werden ausschließlich Projekte aus der Region. Nach Schwimmkursen für Kinder flossen die Spenden unter anderem in Frühstücksangebote für Pflegekinder oder kulturelle Angebote für junge Menschen. In diesem Jahr setzt WERK3 einen Schwerpunkt auf politische Bildung. Anlass ist die zunehmende gesellschaftliche Spaltung, unter anderem durch immer radikalere Kommentare in den sozialen Medien, sagt der Geschäftsführer. Besonders junge Menschen seien hier stark betroffen und verunsichert und brauchen Halt und Einordnung.
Deswegen spendet das Unternehmen 1.400 Euro an den Verein Soziale Bildung für dessen Workshop „Hate Speech & Fake News“. Dort lernen Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10, Informationen kritisch zu hinterfragen, Desinformation zu erkennen und verantwortungsvoll mit sozialen Medien umzugehen.
Für Hopf ist gesellschaftliches Engagement weit mehr als eine Spende. Die Mitarbeitenden schlagen selbst Projekte vor, entwickeln Ideen für die Kampagne und gestalten die Aktion aktiv mit. „Das ist für mich nicht einfach nur Teambuilding, sondern grundsätzliche Mitarbeiterbindung. Damit mache ich das Unternehmen attraktiver“, sagt er. Einige Beschäftigte würden am Firmenlauf sogar gerade wegen des sozialen Hintergrunds teilnehmen.
Hafendommel misst sich an der Gemeinwohlbilanz
Während WERK3 das Engagement vor allem gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden lebt, ist es bei der Rostocker Hafendommel fest im Geschäftsmodell verankert. Die Betreiber der Bar setzen auf ökologisch nachhaltige und möglichst regional erzeugte Produkte, fördern Kulturangebote und stellen Vereinen Flächen für ihre Arbeit zur Verfügung.
Wie konsequent das Unternehmen diesen Weg verfolgt, zeigt eine externe Gemeinwohlbilanz. Sie folgt einer Bewertungsmatrix die unter anderem Lieferketten, Mitarbeitende, Finanzpartner, Kundenmitbestimmung und das gesellschaftliche Umfeld nach sozialen und ökologischen Kriterien einstuft. „Wir haben unser Unternehmen von Anfang an auf Grundlage dieser Werte aufgebaut. Die Gemeinwohlbilanz gibt uns dafür eine gute Übersicht und macht Entwicklungen vergleichbar“, sagt Geschäftsführer Sascha Hofmann.
Die Bar Hafendommel am Rostocker Stadthafen. Die Betreiber setzen auf ökologisch nachhaltige und möglichst regional erzeugte Produkte, fördern Kulturangebote und stellen Vereinen Flächen für ihre Arbeit zur Verfügung.
Gegründet wurde der Hafendommel mit dem Ziel, den Rostocker Stadthafen zu beleben. Dieses Konzept entwickeln Hofmann und sein Geschäftspartner Samuel Drews kontinuierlich weiter. Direkt neben der Gastronomie befindet sich eine Freifläche des Vereins KuBus – Kunst und Bildung unter'm Sternenzelt. Hier finden regelmäßig Angebote regionaler Initiativen statt – vom Swingtanzverein bis zum Yogakollektiv.
Noch sieht Hofmann Potenzial. „Wir würden es gut finden, wenn die Fläche tagsüber noch stärker genutzt würde. Kinder, Senioren oder Elterngruppen würden wir hier gern einen Raum geben.“ Gleichzeitig wünscht er sich, dass sich mehr Unternehmen mit dem Gedanken der Gemeinwohlökonomie beschäftigen. Aus seiner Sicht könne die regionale Wirtschaft davon profitieren, wenn Zusammenarbeit häufiger Vorrang vor Konkurrenzdenken hätte.
Ob Spendenlauf, Gemeinwohlbilanz oder ehrenamtliches Engagement – die Wege, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sind vielfältig. Gemeinsam ist den Unternehmen die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliches Engagement kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Wer sich für seine Region einsetzt, stärkt nicht nur das Gemeinwesen, sondern oft auch das eigene Unternehmen.
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