Studenten sitzen zusammen und diskutieren vor einem Laptop und Dokumenten.
Nr. 7003500
Fachkräftesicherung

Gekommen, um zu bleiben:  Fachkräftesicherung mit internationalen Studierenden   

2025 haben sich mehr als 116.000 Erstsemester aus dem Ausland an einer deutschen Hochschule eingeschrieben – ein neuer Rekord. Allerdings schlägt nur knapp die Hälfte von ihnen langfristig in Deutschland Wurzeln. Damit gehen der hiesigen Wirtschaft wichtige Fachkräftepotenziale verloren.
Wie kann es gelingen, möglichst viele ausländische Hochschulabsolventen langfristig in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, und welche Rolle spielt dabei der Schulterschluss von Wirtschaft und Hochschulen?

Dem Arbeitsmarkt fehlen 55.000 MINT-Expertinnen und Experten

Trotz der insgesamt kriselnden Wirtschaftslage klagen Unternehmen hierzulande weiterhin über einen Mangel an geeigneten Fachkräften. Insbesondere in den Feldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT) ist die Situation angespannt: Schon heute fehlen auf dem Arbeitsmarkt nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft gut 55.000 akademisch qualifizierte MINT-Expertinnen und Experten – mit steigender Tendenz.
Die Gesamtlücke in diesen Berufsgruppen, inklusive Facharbeiter, Meister und Techniker, wird sogar auf über 160.000 Stellen beziffert. Besonders groß sind die Engpässe in der Informationstechnik, es fehlen aber auch Elektrotechnik-, Maschinenbau- und Bauingenieure. Der Beitrag ausländischer MINT-Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt ist immens: Ohne qualifiziertes Personal mit ausländischer Staatsbürgerschaft würde die MINT-Gesamtlücke mit rund 600.000 offenen Stellen noch deutlich größer ausfallen. 

Internationale Studierende als Schlüssel für die Fachkräftesicherung 

Die gute Nachricht ist: Jährlich schließen mehr als 50.000 Männer und Frauen aus dem Ausland ihr Studium in Deutschland erfolgreich ab – über die Hälfte davon in einem MINT-Studienfach. Doch obwohl zwei Drittel dieser Gruppe zu Studienbeginn klare Bleibeabsichten äußern und Deutschland im OECD-Vergleich neben Kanada die höchste Bleibequote von internationalen Studierenden verzeichnet, haben zehn Jahre nach Studienbeginn mehr als die Hälfte von ihnen das Land wieder verlassen. 
Nach wie vor existieren vielfältige Herausforderungen, um internationalen Studierenden nach ihrem Hochschulabschluss attraktive Bleibe- und Beschäftigungsperspektiven zu eröffnen. Neben einem großzügigeren Rechtsrahmen und besserer gesellschaftlicher Integration können die Hochschulen hier mit vielfältigen Aktivitäten unterstützen. So sollte diese Studierendengruppe noch enger als bisher begleitet werden – beispielsweise durch internationale Mentoren- oder Buddy-Programme, die Orientierung und Integration erleichtern. Einen positiven Beitrag können zudem Lehrformate mit hohem Arbeitsmarktbezug oder integrative Angebote von Fachschaften leisten. Wichtig sind auch die Verbesserung von (fach-)sprachlichen Kompetenzen sowie das Verhindern von Studienabbrüchen.
Zudem sollten Bildungsausländer frühzeitig die Gelegenheit erhalten, Praxiserfahrungen in der Wirtschaft zu sammeln. Auch dabei können Hochschulen unterstützen, indem sie Kontakte zu regionalen Unternehmen und Industrie- und Handelskammern herstellen. Gemeinsam mit weiteren Stakeholdern setzen sich diese für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration internationaler Studierender ein und nutzen dafür beispielsweise Bewerbermessen, digitale Matching-Tools oder engagieren sich im Rahmen von Hochschulkooperationen.
Auch die Unternehmen selbst sind aufgerufen, noch intensiver den Kontakt zu (Fach)-Hochschulen zu suchen und beispielsweise Praktika, Abschlussarbeiten oder Patenprogramme für die Zielgruppe anzubieten – denn nur durch gemeinsame Anstrengungen kann es gelingen, die wertvollen und dringend benötigten Arbeitsmarktpotenziale der internationalen Studierenden noch besser für die deutsche Wirtschaft zu erschließen. 
Mit einer Implementierung des Pflichtpraktika in die Studienordnung können die Länder einen wertvollen Beitrag dazu leisten auch in strukturschwächeren Regionen die Bindung, insbesondere zu kleinen und mittleren Unternehmen, herzustellen.

Hochschulen als Motoren der Fachkräftegewinnung 

Mit dem Ziel, das Potenzial internationaler Studierender für den deutschen Arbeitsmarkt besser auszuschöpfen, setzt sich der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mit der Campus-Initiative Internationale Fachkräfte aktiv für die Fachkräftegewinnung über deutsche Hochschulen ein. 
Die Initiative unterstützt über 100 deutsche Hochschulen dabei, ihre internationalen Studierenden sowie internationale Akademikerinnen und Akademiker auf den Berufseinstieg in Deutschland vorzubereiten. Ein besonderer Fokus der Initiative liegt auf dem Ausbau kooperativer Netzwerke zwischen Hochschulen und der Wirtschaft. Diese Netzwerke sind entscheidend, weil sie Unternehmen und potenzielle Nachwuchskräfte frühzeitig zusammenbringen, Transparenz über Qualifikationsanforderungen schaffen und den Übergang internationaler Hochschulabsolventinnen und -absolventen in den deutschen Arbeitsmarkt beschleunigen können. 
In unterschiedlichen Formaten, wie Karrieremessen, Matching-Veranstaltungen, Unternehmensbesuchen oder Mentoringprogrammen, werden internationale Studierende und Arbeitgeber frühzeitig zusammengebracht. Auch Praktika und Werkstudierendentätigkeiten für internationale Talente bieten ideale Anknüpfungspunkte, um qualifizierte Nachwuchskräfte gezielt zu fördern, kennenzulernen und für das eigene Unternehmen zu gewinnen.  
Zwei Zielgruppen stehen im Fokus: 
  • Internationale Studierende, die durch Deutschkurse, Bewerbungstrainings und integrative Angebote unterstützt werden (Programm FIT). 
  • Internationale Akademikerinnen und Akademiker, die bereits über einen Hochschulabschluss aus dem Ausland verfügen und mithilfe von zusätzlichen Qualifizierungsprogrammen auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet werden (Programm Profi plus). 

Vorteile für Unternehmen  

Wer sich mit regionalen Hochschulen vernetzt, gewinnt nicht nur Einblick in neue Talentpools, sondern stärkt auch seine eigene Arbeitgebermarke. Unternehmen können ihre Arbeit, Werte und Einstiegsmöglichkeiten vorstellen – und gleichzeitig frühzeitig potenzielle Fachkräfte kennenlernen. Über die FIT- und Profi plus-Projekte erhalten Arbeitgeber Zugang zu engagierten, gut ausgebildeten internationalen Absolventinnen und Absolventen – und damit zu einem klaren Vorteil im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen.