Titelthema

Mode mit ethischem Anspruch

Die Modeindustrie ist in den vergangenen Jahren zunehmend mit Negativschlagzeilen konfrontiert. Unfaire bis unwürdige Bedingungen für ihre Arbeiter, ökologisch fragwürdige Herstellungsprozesse und nicht eingehaltene Recycling-​Versprechen brachten weltweit viele Unternehmen der Branche in Erklärungsnot.
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Sten Dumaschefski betreibt das Modegeschäft in der Rostocker KTV seit 2019. © Mathias Rövensthal
Demgegenüber stehen zahlreiche Marken, die es anders und besser machen wollen – die auf gute Produktionsbedingungen und ökologische Nachhaltigkeit achten. Genau diese verkauft Sten Dumaschefski in seinem Modegeschäft Oikos in der Rostocker KTV. Sein Anspruch: Die Kleidungsstücke, die er verkauft, sollen aus umweltfreundlich angebauten Rohstoffen bestehen und sozial vertretbar sein. „Das ist für mich der Mindeststandard. Ich möchte dazu beitragen, dass moderne Sklaverei abgeschafft wird“, betont der 43-​Jährige.
Seinen Laden hat Sten Dumaschefski im März 2019 eröffnet. Vorher hat er sich lange mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Mode beschäftigt, sich auf Messen und durch Fachzeitschriften einen Überblick verschafft. „Ethisch vertretbare Mode hat in den vergangenen Jahren immer mehr Reife erlangt, diese Entwicklung habe ich über Jahre beobachtet.“
„Eine Jeans für 30 Euro, das darf einfach nicht sein“
Bei der Konzeptionierung seines Ladens machte sich der Rostocker viele Gedanken darüber, welche Zielgruppe er wie ansprechen will. „Es gibt heutzutage eine große Vielfalt an Kleidungsstilen, alles ist erlaubt. Wichtig ist mir aber vor allem, dass die Stücke überdauern, in jeglicher Hinsicht.“ So finden Kunden in seinem Laden neben aktuellen Trends auch viele klassisch geschnittene Stücke.
Die Kritik, dass die nachhaltig produzierte Kleidung um vieles teurer ist als „herkömmliche“ hält Sten Dumaschefski nicht für gerechtfertigt. „Bei einer Blue Jeans bewegen wir uns zwischen 80 und 120 Euro. So viel kosten diese bei anderen Marken auch. Eine Jeans für 30 Euro, das darf einfach nicht sein“, sagt er.
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Mittlerweile gibt es viele Modemarken, die sich nachhaltiger und sozial gerechter Produktion verschrieben haben. Das spiegelt auch das Angebot im "Oikos" wider. © Mathias Rövensthal
Damit er auch nachverfolgen kann, ob die eingekaufte Ware wirklich seinen gesetzten Standards entspricht, orientiert sich Dumaschefski an bestimmten Gütesiegeln. Es gebe auch da viele unterschiedliche Qualitäten, aber zweien vertraue er besonders: Das Siegel der Fair Wear Foundation sei in Sachen Arbeitsstandards die beste Referenz, das GOTS-​Siegel gibt zudem an, wie ökologisch wertvoll Textilien sind. „Ohne diese authentische Nachverfolgbarkeit geht es nicht“, sagt der Einzelhändler. „Sonst bleibt es am Ende nur eine Absichtserklärung.“
Wirtschaftlichkeit immer im Blick
Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken verliert Sten Dumaschefski aber auch das Wirtschaftliche nie aus den Augen. Das Geschäft, in dem neben ihm noch ein Mitarbeiter in Teilzeit und eine Studentin arbeiten, muss sich rentieren. Während der schlimmsten Pandemiemonate war das nicht gegeben. Mittlerweile habe sich die Lage aber stabilisiert, sagt Dumaschefski. Dennoch schaut er genau darauf, dass seine Öffnungszeiten sinnvoll sind, welche Ausgaben er tätigt und welche nicht.
In die Zukunft blickt er nach wie vor optimistisch, sagt er, auch wenn ihm der ungewisse Kurs für den kommenden Herbst Sorgen bereite. „Das Interesse an Nachhaltigkeit ist groß. Der Wille zu diesem Lebensstil ist eindeutig da“, sagt er. Um noch mehr dafür zu begeistern, sei sein Plan, zu diesem Thema verstärkt Öffentlichkeits- beziehungsweise Bildungsarbeit zu machen. Ich möchte deutlich machen, warum ethisch vertretbare Mode für uns alle von Bedeutung ist.“
Christina Milbrandt