Wirtschaftslage Rheinhessen Herbst 2026
Die Stimmung in der rheinhessischen Wirtschaft hellt sich im Herbst auf. Nach dem Einbruch im Frühsommer bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage wieder positiver. Auch die Erwartungen verbessern sich, bleiben jedoch pessimistisch. Die Erholung steht auf einem wackligen Fundament: Hohe Kosten, schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine schwache Inlandsnachfrage belasten die Unternehmen weiterhin. Entsprechend zurückhaltend bleiben sie bei Investitionen und Beschäftigung. Das zeigen die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IHK für Rheinhessen zum Herbst 2026.
Kernergebnisse
- Geschäftsklima hellt sich auf: Index fast an der Wachstumsschwelle
- Geschäftslage wird positiver bewertet
- Geschäftserwartungen verbessern sich, bleiben aber pessimistisch
- Zurückhaltung bei Investition und Beschäftigung
- Rahmenbedingungen, Energie- und Rohstoffpreise sowie Arbeitskosten bilden wichtigste Risiken
Konjunkturklimaindex
Der Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, steigt in Rheinhessen gegenüber dem Frühsommer deutlich um 17 auf 98 Punkte. Damit nähert sich die regionale Wirtschaft wieder der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Der Klimaindex bildet sich aus dem Saldo der positiven und negativen Einschätzungen zu Geschäftslage und -erwartungen. Stärkste Branche ist die Industrie. Die Dienstleistungswirtschaft hat sich kräftig erholt. Den Handel belasten weiterhin die schwache Nachfrage sowie steigende Kosten.
Konjunkturindikatoren
(Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen)
Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage wieder positiver. Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate hellen sich etwas auf, bleiben aber pessimistisch. Bei Investitionen und Beschäftigung bleibt die Zurückhaltung groß: Mehr als ein Drittel der Unternehmen plant mit sinkenden Investitionen, beim Personal werden kaum Veränderungen erwartet. Die aktuelle Aufhellung geht damit weiterhin einher mit einem skeptischen Blick in die Zukunft. Positiver wird das Auslandsgeschäft bewertet: Sowohl die gegenwärtigen Auslandsaufträge als auch die Exporterwartungen der Industrie entwickeln sich günstiger.
Geschäftsrisiken
Die strukturellen Belastungen bleiben hoch. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind mit 65 Prozent das größte Geschäftsrisiko, dicht gefolgt von den Rohstoff- und Energiepreisen mit 64 Prozent. Auch die Arbeitskosten (53 Prozent) und die schwache Inlandsnachfrage (51 Prozent) belasten viele Unternehmen. Damit bleiben zentrale Standortfaktoren die größten Unsicherheiten für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.
“Die konjunkturelle Aufhellung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Probleme ungelöst bleiben. Hohe Kosten und schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bremsen Investitionen und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Es fehlt nicht an Reformankündigungen, sondern an deren Umsetzung. Bund und Land müssen jetzt liefern und die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln spürbar verbessern.”
Dreimal jährlich befragt die IHK für Rheinhessen eine repräsentative Auswahl ihrer Mitgliedsbetriebe zur wirtschaftlichen Lage. Zum Herbst 2026 wurden 701 Unternehmen befragt.