Konjunktur in Rheinhessen: Neuer Dämpfer für die Wirtschaft

IHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026: Energie- und Rohstoffpreise werden zum größten Risiko – Investitionen gehen weiter zurück
8. Mai 2026 – Die Wirtschaft in Rheinhessen kommt nicht aus der Durststrecke. In der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen für den Frühsommer 2026 erreicht der Konjunkturklimaindex – der zentrale Stimmungsindikator – mit 81 Punkten einen neuen Tiefstand. Er liegt damit deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate schlechter; zudem gehen die Investitionspläne weiter zurück. Als größte Risiken nennen die Betriebe vor allem die Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die volatile weltpolitische Lage und die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkriegs.
„Unsere Unternehmen senden sehr starke Warnsignale - konkrete Impulse und Lösungen müssen jetzt endlich kommen”, sagt IHK-Präsident Dr. Marcus Walden. „Immer mehr Betriebe verschieben Investitionen, weil Energiepreise und politische Rahmenbedingungen bislang wenig planbar sind. Die neue Landesregierung kann ganz schnell für Verlässlichkeit sorgen: Bürokratie abbauen, Genehmigungen beschleunigen und die Energiekosten am Standort spürbar entlasten.“ IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede sieht die Unsicherheit als Bremsklotz quer durch die Wirtschaft: „Ob Exportgeschäft in der Industrie oder Handel vor Ort – die Unruhe an den Märkten sorgt für Zurückhaltung. Entscheidend ist jetzt Tempo: Die neue Landesregierung muss in den ersten 100 Tagen sichtbare Schritte auf den Weg bringen, damit Investitionen wieder anspringen.“
Unternehmen blicken erheblich pessimistischer auf die kommenden Monate
Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten 23 Prozent der befragten Betriebe als gut, 45 Prozent als befriedigend und 32 Prozent als schlecht. Deutlich pessimistischer blicken die Unternehmen auf die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate: Nur 11 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus, 50 Prozent erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage und 39 Prozent befürchten einen Rückgang.
Energie- und Rohstoffpreise jetzt größtes Risiko
Die Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen sind gestiegen. Auf Platz eins der größten Geschäftsrisiken liegen mit 68 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (64 Prozent). Zum Risiko werden zunehmend auch die Arbeitskosten (59 Prozent), die Inlandsnachfrage (56 Prozent) und die Finanzierung (15 Prozent, von niedrigem Niveau kommend). Der Fachkräftemangel liegt nur noch auf Platz fünf der größten Geschäftsrisiken (38 Prozent).
Wirtschaftsflaute wirkt sich auf die Finanzlage der Unternehmen aus
Die schwierige Wirtschaftslage wirkt sich bei 44 Prozent der rheinhessischen Betriebe zunehmend auch auf die aktuelle Finanzlage aus, darunter verzeichnen 22 Prozent Eigenkapitalrückgänge, 20 Prozent Liquiditätsengpässe und 12 Prozent zunehmende Forderungsausfälle. Sechs Prozent befürchten eine Insolvenz.
Unternehmen zurückhaltend bei Investitionen und Beschäftigung
Die Kostensteigerungen sowie die unsichere Wirtschaftslage halten die Unternehmen in Atem. Dementsprechend zurückhaltend sind sie bei den Planungen ihrer Investitionsausgaben. Nur 21 Prozent der Betriebe planen höhere Investitionen, 43 Prozent wollen ihr Niveau beibehalten und sogar 36 Prozent fahren ihre Investitionen zurück. Auch bei der Personalplanung sind die Unternehmen vorsichtig: Lediglich 14 Prozent rechnen mit steigenden Beschäftigtenzahlen, 65 Prozent halten ihren Personalstamm stabil und 21 Prozent planen einen Stellenabbau.
Industrie steht im harten internationalen Wettbewerb
Der Blick auf die Branchen zeigt zumindest bei den stark außenhandelsorientierten rheinhessischen Industriebetrieben einen Lichtblick: So sind die Exporterwartungen gestiegen, die allerdings sehr schwankend sind. Insgesamt berichten die Unternehmen der Branche von Lieferengpässen und kämpfen angesichts des starken internationalen Wettbewerbs mit Standortnachteilen, insbesondere durch die hohen Energiekosten.
Das Geschäftsklima hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn nicht weiter verschlechtert. So bewerten 19 Prozent der Industriebetriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 49 Prozent melden eine befriedigende Situation und 32 Prozent eine schlechte Lage. Deutlich pessimistischer wird die erwartete Geschäftsentwicklung für die kommenden 12 Monate bewertet: Nur 14 Prozent rechnen mit guten Ergebnissen, 55 Prozent kalkulieren mit einer gleichbleibenden Lage und 31 Prozent befürchten eine Verschlechterung.
Handel spürt massiv die Kaufzurückhaltung
Die steigenden Preise sorgen für Kaufzurückhaltung bei Firmen und Verbrauchern. Der Konjunkturklimaindex im Handel ist im Vergleich zum Jahresanfang um 19 Prozentpunkte auf 66 Punkte eingebrochen. Verantwortlich dafür sind die pessimistischen Erwartungen: Nur 6 Prozent der Handelsunternehmen rechnen mit einer besseren Entwicklung in den kommenden 12 Monaten, 51 Prozent kalkulieren mit gleichbleibenden Umsätzen und 43 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Lage.
Dienstleistungssektor rutscht deutlich unter die Wachstumsschwelle
Nachdem sich die Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor in den letzten Jahren stabil über der Wachstumsschwelle von 100 Punkten gehalten haben, rutscht der Klimaindex mit aktuell 86 Punkten deutlich nach unten. Zwar verzeichnen 31 Prozent der Betriebe noch eine gute Geschäftslage, 43 Prozent melden eine befriedigende Situation und 26 Prozent eine schlechte Lage, aber für die kommenden zwölf Monate korrigieren die Dienstleister ihre Erwartungen spürbar nach unten. Nur noch 12 Prozent erwarten eine bessere Geschäftsentwicklung, 46 Prozent gehen von keiner Veränderung aus und 42 Prozent kalkulieren mit einem Rückgang.
Frühjahrsbelebung bleibt auch im Gastgewerbe aus
Auch im rheinhessischen Gastgewerbe ist keine Belebung in Sicht: 15 Prozent der Betriebe geben ihrer aktuellen Lage gute Noten, 54 Prozent berichten von einer befriedigenden Situation und 31 Prozent melden eine schlechte Geschäftslage zurück. Die Geschäftsentwicklung für die kommenden zwölf Monate schätzen 8 Prozent besser ein, 46 Prozent gehen vom gleichen Niveau aus und 46 Prozent befürchten eine schlechtere Entwicklung.
Im Rahmen der repräsentativen IHK-Konjunkturumfrage zum Frühsommer 2026 wurden insgesamt 717 Unternehmen aller Größen und Branchen in Rheinhessen befragt.
Der vollständige Konjunkturbericht ist abrufbar unter www.ihk.de/rheinhessen/konjunktur