Kaufkraft in Rheinhessen
Die aktuelle Kaufkraftanalyse 2026 der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen zeigt: Die Menschen zwischen Mainz, Alzey, Bingen und Worms verfügen weiterhin über mehr Einkommen als der Bundesdurchschnitt. Ein Viertel des verfügbaren Einkommens in Rheinhessen wird im Einzelhandel ausgegeben.
Davon profitieren der stationäre Einzelhandel und auch Online-Shops. „Rheinhessen ist weiterhin eine Region mit hoher Kaufkraft. Das kommt auch dem Handel und den Innenstädten zugute“, sagt Dr. Florian Steidl, Geschäftsführer und Standortexperte bei der IHK für Rheinhessen.
So liegt die Kaufkraft in der Region bei 21,8 Milliarden Euro. Mit 33.600 Euro haben die Rheinhessinnen und Rheinhessen rund fünf Prozent mehr im Geldbeutel als der Bundesdurchschnitt. Im Vergleich der Kaufkraft pro Kopf landet die Stadt Mainz auf Platz 12 von den 65 Großstädten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern. Der Kreis Mainz-Bingen erreicht mit 37.569 Euro Platz 13 der 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Unter den bundesweit 1.398 Städten zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern belegt die Stadt Ingelheim Platz 14.
Insgesamt gibt jeder Rheinhesse und jede Rheinhessin jährlich durchschnittlich 8.425 Euro im Einzelhandel aus. Das entspricht rund einem Viertel des verfügbaren Einkommens und liegt 2,9 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Ingelheimerinnen und Ingelheimer tätigen mit 9.953 Euro pro Kopf die höchsten Ausgaben, gefolgt von Mainz mit 8.397 Euro und Bingen mit 8.313 Euro.
Der gesamte Umsatz im stationären Einzelhandel liegt in Rheinhessen bei 4,5 Milliarden Euro. Davon werden 39 Prozent, also rund 1,75 Milliarden Euro, in der Landeshauptstadt Mainz erzielt. Die Umsätze in Worms liegen bei 740 Millionen Euro, gefolgt von Alzey mit 255 Millionen Euro, Ingelheim mit 252 Millionen Euro und Bingen mit 169 Millionen Euro.
Wie im Bundesdurchschnitt werden 13 Prozent des verfügbaren Einkommens für Online-Käufe ausgegeben. In Rheinhessen entspricht das 722 Millionen Euro.
Die Attraktivität eines Einzelhandelsstandortes lässt sich an der Kaufkraftbindungsquote ablesen. Damit wird die Fähigkeit eines Standortes bezeichnet, die Kaufkraft der eigenen Bevölkerung zu binden und ebenso Kundinnen und Kunden von außerhalb zu gewinnen. Danach hat der Alzeyer Einzelhandel von allen Orten in Rheinhessen die größte Kaufkraftbindung. Die Quote liegt bei 172 Prozent. Das entspricht Platz 62 im Bundesvergleich der 1.593 Orte mit mehr als 10.000 Einwohnern. In der Stadt werden also 72 Prozent mehr Umsatz erzielt, als an Kaufkraft vor Ort vorhanden ist.
In Worms sind es 14 Prozent mehr. Bingen und Ingelheim verzeichnen dagegen einen Kaufkraftabfluss an andere Orte oder den Online-Handel von 20 beziehungsweise 28 Prozent. Aus der Gesamtstadt Mainz fließen sieben Prozent der Kaufkraft ab. Hier gibt es jedoch Unterschiede in den Stadtteilen. So profitieren die Mainzer Altstadt und die Wormser Innenstadt von einem starken Kaufkraftzufluss: In der Mainzer Altstadt werden fast dreimal mehr Umsätze erzielt, als Kaufkraft bei den Bewohnerinnen und Bewohnern vorhanden ist. In der Wormser Innenstadt sind es fast viermal mehr.
„Bei der Kaufkraftbindung kann die Nähe zu umliegenden Einkaufsstandorten und die eigene Standortstärke eine Rolle spielen“, sagt Steidl. Entscheidend sei aber auch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, die Bedeutung des Tourismus und der Angebotsmix aus Handel, Gastronomie und Kultur. Ebenso nennt er die verkehrliche Erreichbarkeit als wichtigen Faktor. „Ein zusätzlicher Belebungsfaktor der Innenstädte ist ein attraktives Veranstaltungsangebot.“
Der Blick auf Städte in Nachbarregionen zeigt, dass die Kaufkraft in Bad Kreuznach mit 28.423 Euro und einem Kaufkraftindex von 88,8 im Vergleich mit Bingen mit 33.078 Euro und einem Kaufkraftindex von 103,3 zwar geringer ist. Die hohe Kaufkraftbindungsquote von 155 Prozent in Bad Kreuznach zeigt jedoch, dass die Stadt stärker in der Lage ist, Kaufkraft aus der Umgebung zu binden.
Wiesbaden hat mit 35.105 Euro pro Kopf eine deutlich höhere Kaufkraft als Mainz mit 32.923 Euro. Beide Städte verlieren etwas Kaufkraft an das Umland und den Online-Handel.
Wiesbaden hat mit 35.105 Euro pro Kopf eine deutlich höhere Kaufkraft als Mainz mit 32.923 Euro. Beide Städte verlieren etwas Kaufkraft an das Umland und den Online-Handel.
Die Daten stellt die Michael Bauer Research GmbH exklusiv für die IHK zur Verfügung.