PPWR-Kampagne: Musteranschreiben an EU-Parlamentarier

Die IHK-Organisation ruft Unternehmen jetzt zum Handeln auf und startet eine bundesweite Kampagne, um den Firmen in Brüssel Gehör zu verschaffen bei der zuständigen EU-Kommissarin Jessika Roswall sowie den rheinland-pfälzischen Europaparlamentariern.
Hierfür können Sie zwei Briefe mit unterschiedlichem Fokus nutzen – jeweils in deutscher und englische Sprache.
Hinweis: Der fett markierte Bereich kann ausgetauscht und ergänzt werden. In jedem Fall sollte die Markierung vor der Versendung durch Unternehmen aufgehoben werden.

Deutsche Textversion (Fokus: Pflicht zur EU-weiten Bestellung von Bevollmächtigten)

Ms. Jessika Roswall
Commissioner for Environment, Water Resilience and a Competitive Circular Economy European Commission
Rue de la Loi 200
1049 Brussels
Belgium
Sehr geehrte Frau Roswall,
als mittelständischer Unternehmer/in aus Deutschland wende ich mich heute mit einer eindringlichen Bitte an Sie. Mit der geplanten Anwendung der Packaging und Packaging Waste Regulation (PPWR) ab 12.08.2026 drohen uns erhebliche zusätzliche Belastungen, welches mein Unternehmen in der wirtschaftlichen Existenz bedrohen. Es besteht dringender Handlungsbedarf die PPWR anzupassen.
Wir fordern, den Geltungsbeginn der PPWR – analog zur Verschiebung bei der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) – um mindestens zwölf Monate zu verschieben, damit die noch offenen Auslegungsfragen geklärt, einheitliche europäische Verfahren geschaffen und den Unternehmen ausreichend Zeit für eine rechtssichere und praktikable Umsetzung eingeräumt werden kann.
Wir bekennen uns zum nachhaltigen Wirtschaften und Sehen den Handlungsbedarf Verpackungsabfälle zu reduzieren. Die Schaffung einer praktikablen und berechenbaren PPWR ist unerlässlich, um dieses Ziel zu erreichen und sicherzustellen. Dennoch muss zukünftiges Wirtschaften und Regulation Hand in Hand gehen. Dies sehen wir durch PPWR gefährdet.
So verlangt Artikel 44 Registrierungen in allen Mitgliedstaaten, in denen man als Unternehmen aktiv ist. In diesem Zusammenhang verlangt Artikel 45 die Benennung von Bevollmächtigten in anderen Ländern, wie dies bereits für den Vertrieb von Elektro- und Elektronikgeräten erforderlich ist. Angesichts des deutlich geringeren Materialwerts und der Umweltauswirkungen von Verpackungen erscheint dies unverhältnismäßig. Der zusätzliche Aufwand wäre insbesondere für uns KMU enorm und würde den freien Warenverkehr im Binnenmarkt beeinträchtigen.
Die EU hat mit dem One-Stop-Shop (OSS) bei der Umsatzsteuer bewiesen, dass grenzüberschreitender Handel auch zentral, effizient und rechtssicher geregelt werden kann: Eine Registrierung, eine Meldestelle, ein Verfahren für alle 27 Mitgliedstaaten. Bei der PPWR geht man exakt den entgegengesetzten Weg: Jedes der 27 EU-Länder betreibt ein eigenes nationales Register, ein eigenes Lizenzsystem, eine eigene Behördenstruktur – mit unterschiedlichen Fristen, unterschiedlichen Mengendefinitionen, unterschiedlichen Sprachen und unterschiedlichen Sanktionsregimen.
Und ab dem 12. August 2026 kommt in jedem Land, in dem ein Unternehmen keine lokale Niederlassung hat, die Pflicht zur Benennung eines lokalen Bevollmächtigten hinzu. Das ist kein Bürokratieabbau. Das ist Bürokratieaufbau in 27-facher Ausfertigung.
Wir schlagen daher folgende Anpassungen vor:
  1. Einführung eines EU-weiten One-Stop-Shop für EPR-Verpackungen, analog zum USt-OSS: eine Registrierung, eine Meldestelle, automatische Weiterleitung an die nationalen Systeme.
  2. Mengenschwellen, die KMU wirksam entlasten: Unternehmen mit weniger als 500 kg Verpackungen pro Land und Jahr müssen von der länderspezifischen Registrierungspflicht ausgenommen werden.
  3. Mehrsprachige, EU-einheitliche Registrierungsportale: Es kann nicht sein, dass z. B. eine Registrierung in Polen ausschließlich auf Polnisch möglich ist.
  4. Aussetzung der Sperrandrohungen auf Handelsplattformen bis ein funktionierendes, für KMU handhabbares System vorliegt.
  5. Übergangsfrist von mindestens 12 Monaten nach Einführung eines einheitlichen Verfahrens, bevor Sanktionen greifen.
Der freie Binnenmarkt ist ein Kernversprechen der Europäischen Union. Eine Verordnung, die faktisch nur von Großkonzernen mit eigenen Compliance-Abteilungen erfüllt werden kann, unterminiert dieses Versprechen. Kleine und mittelständische Unternehmen – das Rückgrat der europäischen Wirtschaft – werden durch diese Regulierung nicht geschützt, sondern vom grenzüberschreitenden Handel ausgeschlossen.

Ich bitte Sie dringend, sich dieser Thematik anzunehmen und sich für eine praxistaugliche Lösung einzusetzen.
Freundliche Grüße

Englische Textversion (Fokus: Pflicht zur EU-weiten Bestellung von Bevollmächtigten)

Ms. Jessika Roswall
Commissioner for Environment, Water Resilience and a Competitive Circular Economy
European Commission
Rue de la Loi 200
1049 Brussels
Belgium
Dear Ms. Roswall,
As a small business owner from Germany, I am writing to you today with an urgent request. The planned implementation of the Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) as of August 12, 2026, threatens to impose significant additional burdens on us, which could jeopardize my company’s economic viability. There is an urgent need to amend the PPWR.
We call for the effective date of the PPWR to be postponed by at least twelve months—similar to the postponement of the EU Deforestation Regulation (EUDR)—so that outstanding questions of interpretation can be clarified, uniform European procedures can be established, and companies can be given sufficient time to implement the regulation in a legally certain and practicable manner.
We are committed to sustainable business practices and recognize the need to reduce packaging waste. Creating a practical and predictable PPWR is essential to achieving and ensuring this goal. Nevertheless, future business operations and regulation must go hand in hand. We believe the PPWR jeopardizes this balance.
For example, Article 44 requires registration in all Member States in which a company operates. In this context, Article 45 requires the appointment of authorized representatives in other countries, as is already required for the distribution of electrical and electronic equipment. Given the significantly lower material value and environmental impact of packaging, this appears disproportionate. The additional burden would be enormous, particularly for us SMEs, and would impede the free movement of goods within the single market.
With the One-Stop Shop (OSS) for value-added tax, the EU has demonstrated that cross-border trade can also be regulated centrally, efficiently, and with legal certainty: one registration, one reporting office, one procedure for all 27 Member States. The PPWR takes exactly the opposite approach: Each of the 27 EU countries operates its own national registry, its own licensing system, and its own administrative structure—with different deadlines, different volume definitions, different languages, and different penalty regimes.
And starting August 12, 2026, in every country where a company does not have a local branch, there will be an additional requirement to appoint a local authorized representative. This is not a reduction in bureaucracy. It is the creation of bureaucracy multiplied by 27.
We therefore propose the following adjustments:
  1. Introduction of an EU-wide one-stop shop for EPR packaging, similar to the VAT OSS: a single registration, a single reporting point, and automatic forwarding to national systems.
  2. Volume thresholds that effectively ease the burden on SMEs: Companies with less than 500 kg of packaging per country per year must be exempted from country-specific registration requirements.
  3. Multilingual, EU-wide registration portals: It is unacceptable that, for example, registration in Poland is possible only in Polish.
  4. Suspension of threats of suspension on trading platforms until a functioning system that is manageable for SMEs is in place.
  5. A transition period of at least 12 months following the introduction of a uniform procedure before sanctions take effect.
The free internal market is a core promise of the European Union. A regulation that, in practice, can only be complied with by large corporations with their own compliance departments undermines this promise. Small and medium-sized enterprises—the backbone of the European economy—are not protected by this regulation but are instead excluded from cross-border trade.

I urge you to address this issue and advocate for a practical solution.
Best regards

Deutsche Textversion (Fokus: Erzeugerkennzeichnung auf Verpackungen)

Ms. Jessika Roswall
Commissioner for Environment, Water Resilience and a Competitive Circular Economy European Commission
Rue de la Loi 200
1049 Brussels
Belgium


Sehr geehrte Frau Roswall,
als mittelständischer Unternehmer aus Deutschland wende ich mich heute mit einer eindringlichen Bitte an Sie. Mit der geplanten Anwendung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ab dem 12.08.2026 drohen uns erhebliche zusätzliche Belastungen, die mein Unternehmen und zahlreiche weitere mittelständische Betriebe vor große praktische Herausforderungen stellen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, die PPWR an entscheidenden Stellen praxisgerechter auszugestalten.
Wir fordern, den Geltungsbeginn der PPWR – analog zur Verschiebung bei der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) – um mindestens zwölf Monate zu verschieben, damit die noch offenen Auslegungsfragen geklärt, einheitliche europäische Verfahren geschaffen und den Unternehmen ausreichend Zeit für eine rechtssichere und praktikable Umsetzung eingeräumt werden kann.
Wir bekennen uns zu nachhaltigem Wirtschaften und sehen die Notwendigkeit, Verpackungsabfälle zu reduzieren. Die Schaffung einer praktikablen und berechenbaren PPWR ist unerlässlich, um dieses Ziel zu erreichen. Dennoch müssen wirtschaftliche Realitäten und regulatorische Anforderungen Hand in Hand gehen. Dies sehen wir durch einzelne Vorgaben der PPWR gefährdet.
Besonders problematisch sind die Anforderungen zur Identifizierung des verantwortlichen Erzeugers auf Verpackungen. Für zahlreiche Handelsunternehmen und Großhändler, die im Streckengeschäft (Dropshipping) tätig sind, kann diese Verpflichtung erhebliche Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle haben. So beziehen viele Händler Verpackungen oder verpackte Produkte über Lieferantennetzwerke und vertreiben diese unter eigener Marktpräsenz an ihre Kunden. Werden auf der Verpackung die Kontaktdaten des tatsächlichen Lieferanten oder Herstellers sichtbar ausgewiesen, besteht die Gefahr, dass Kunden diese Informationen unmittelbar nutzen, um Geschäftsbeziehungen unter Umgehung des Großhändlers aufzubauen. Dies würde die wirtschaftliche Funktion des Großhandels erheblich beeinträchtigen.
Nach der PPWR muss ein verantwortlicher Erzeuger identifizierbar sein. In vielen Fällen wäre daher der tatsächliche Hersteller oder Lieferant auf der Verpackung zu benennen. Für Handelsunternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Vermittlung zwischen Hersteller und Endkunde beruht, führt dies jedoch zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Die Regelung läuft damit Gefahr, etablierte Vertriebsstrukturen zu beeinträchtigen, ohne dass hierdurch ein zusätzlicher Nutzen für Verbraucher oder Umwelt entsteht.
Zwar eröffnet die sogenannte Erzeugerfiktion nach Artikel 21 PPWR grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich ein Händler selbst als Erzeuger ausweist und die entsprechenden Verpflichtungen übernimmt. Damit könnte vermieden werden, dass die Kontaktdaten des tatsächlichen Lieferanten auf der Verpackung erscheinen. Allerdings führt dies in der Praxis zu einer vollständigen Übertragung der Erzeugerverantwortung auf den Händler. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen stellt dies einen zusätzlichen rechtlichen und administrativen Aufwand dar, der häufig außer Verhältnis zum angestrebten Zweck steht.
Wir schlagen daher folgende Anpassungen vor:
  1. Klarstellung der Kennzeichnungsvorschriften: Es sollte ausdrücklich zulässig sein, dass der für die Einhaltung der PPWR verantwortliche Wirtschaftsakteur angegeben wird, ohne dass zwingend die Kontaktdaten des tatsächlichen Herstellers oder Vorlieferanten offengelegt werden müssen.
  2. Schaffung einer „Responsible Economic Operator“-Lösung: Analog zu anderen EU-Rechtsakten sollte die Angabe eines verantwortlichen Wirtschaftsakteurs genügen, der für Behörden erreichbar ist und die Pflichten der PPWR erfüllt.
  3. Schutz legitimer Geschäftsinteressen: Die PPWR sollte ausdrücklich berücksichtigen, dass Handels- und Großhandelsunternehmen ihre Lieferantenbeziehungen schützen können, sofern die Rückverfolgbarkeit und Marktüberwachung weiterhin gewährleistet sind.
Der freie Binnenmarkt ist ein Kernversprechen der Europäischen Union. Regulierung sollte Transparenz und Nachhaltigkeit fördern, ohne dabei bewährte Vertriebs- und Handelsstrukturen unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Kleine und mittelständische Unternehmen bilden das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Ihre Wettbewerbsfähigkeit muss auch unter der PPWR erhalten bleiben.
Ich bitte Sie daher dringend, sich dieser Problematik anzunehmen und sich für eine praxistaugliche und verhältnismäßige Lösung einzusetzen.
Freundliche Grüße

Englische Textversion (Fokus: Erzeugerkennzeichnung auf Verpackungen)

Ms. Jessika Roswall
Commissioner for Environment, Water Resilience and a Competitive Circular Economy European Commission
Rue de la Loi 200
1049 Brussels
Belgium
Dear Ms. Roswall,
As a trade business owner from Germany, I am writing to you today with an urgent request. The planned implementation of the Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) as of August 12, 2026, threatens to impose significant additional burdens on us, which could jeopardize my company’s economic viability. There is an urgent need to amend the PPWR.
We call for the effective date of the PPWR to be postponed by at least twelve months—similar to the postponement of the EU Deforestation Regulation (EUDR)—so that outstanding questions of interpretation can be clarified, uniform European procedures can be established, and companies can be given sufficient time to implement the regulation in a legally certain and practicable manner.
We are committed to sustainable business practices and recognize the need to reduce packaging waste. Creating a practical and predictable PPWR is essential to achieving and ensuring this goal. Nevertheless, future business operations and regulation must go hand in hand. We believe the PPWR jeopardizes this balance.
The requirements for identifying the responsible producer on packaging are particularly problematic. For many retail companies and wholesalers engaged in drop shipping, this obligation could have a significant impact on existing business models. For example, many retailers source packaging or packaged products through supplier networks and sell them to their customers through their own online stores. If the contact information of the actual supplier or manufacturer is clearly displayed on the packaging, there is a risk that customers will use this information directly to establish business relationships while bypassing the wholesaler. This would significantly impair the economic function of the wholesale trade.
Under the PPWR, a responsible producer must be identifiable. In many cases, therefore, the actual manufacturer or supplier would have to be named on the packaging. For retail companies whose business model is based on acting as an intermediary between the manufacturer and the end customer, however, this leads to significant competitive disadvantages. The regulation thus risks undermining established distribution structures without providing any additional benefit to consumers or the environment.
While the so-called “producer fiction” under Article 21 of the PPWR does, in principle, allow a retailer to identify itself as the producer and assume the corresponding obligations—thereby avoiding the need to display the actual supplier’s contact information on the packaging—in practice, this results in a complete transfer of producer responsibility to the retailer. For small and medium-sized enterprises in particular, this represents an additional legal and administrative burden that is often disproportionate to the intended purpose.
We therefore propose the following adjustments:
  1. Clarification of labeling requirements: It should be expressly permitted to identify the economic operator responsible for compliance with the PPWR without being required to disclose the contact details of the actual manufacturer or upstream supplier.
  2. Creation of a “Responsible Economic Operator” solution: Similar to other EU legal acts, it should be sufficient to designate a responsible economic operator who is accessible to authorities and fulfills the obligations under the PPWR.
  3. Protection of legitimate business interests: The PPWR should explicitly recognize that retail and wholesale companies can protect their supplier relationships, provided that traceability and market surveillance remain ensured.
The free internal market is a core promise of the European Union. A regulation that, in practice, can only be complied with by large corporations with their own compliance departments undermines this promise. Small and medium-sized enterprises—the backbone of the European economy—are not protected by this regulation but are instead excluded from cross-border trade.

I urge you to address this issue and advocate for a practical solution.
Best regards