IHK-Konjunkturumfrage

Stimmung bricht deutlich ein

Potsdam, 27. Mai 2026 – Die Stimmung der Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Potsdam hat sich deutlich verschlechtert. Der IHK-Konjunkturklimaindex* fällt zum Frühsommer um 16 Punkte auf 86. Die regionale Wirtschaft folgt damit dem negativen Bundestrend. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Seitwärtsbewegung ist der Abwärtstrend nun unübersehbar.
„Das ist kein Warnsignal mehr! Die Unternehmen in Westbrandenburg stehen mit dem Rücken zur Wand. Explodierende Energiepreise, unsichere Rahmenbedingungen, anhaltend hohe Arbeitskosten und lähmende Bürokratie: Viele dieser Probleme sind politisch hausgemacht und werden seit Jahren verschleppt. Wer jetzt noch zögert, handelt fahrlässig. Uns droht kein gradueller Abschwung, sondern uns droht eine Deindustrialisierung auf Raten“, sagt Dr. Christian Herzog, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam.
Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen merklich schlechter bewertet als noch vor vier Monaten. Der Saldo** der Geschäftslage sinkt von 14 auf 3 Punkte. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den Geschäftserwartungen aus: Hier liegt der Saldo nun bei minus 28 Punkten. Damit blicken die Unternehmen so pessimistisch in die Zukunft wie seit der Energiekrise 2022 nicht mehr.
Besonders stark verändert hat sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken. Energie- und Rohstoffpreise werden inzwischen wieder mit Abstand am häufigsten als Geschäftsrisiko genannt. 75 Prozent der Unternehmen sehen darin eine zentrale Belastung. Das entspricht einem Anstieg um 31 Prozentpunkte innerhalb von nur vier Monaten. Damit nähert sich die Risikowahrnehmung wieder den Werten aus dem Energiemangeljahr 2022. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben ein bedeutender Unsicherheitsfaktor. Der Fachkräftemangel wird zwar seltener genannt als in früheren Befragungen, bleibt für viele Betriebe aber weiterhin relevant.
Trotz der deutlich schlechteren Rahmenbedingungen bleiben die Beschäftigungserwartungen insgesamt stabil. Die meisten Unternehmen rechnen weiterhin mit einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl. Der regionale Arbeitsmarkt zeigt sich damit zwar belastet, bislang aber vergleichsweise robust.
Deutlich eingetrübt haben sich dagegen die Umsatzerwartungen. Die Unternehmen blicken mit größerer Zurückhaltung auf die kommenden Monate und rechnen zunehmend mit einer schwächeren Geschäftsentwicklung. Die Kombination aus hoher Kostenbelastung, geopolitischer Unsicherheit und gedämpfter Nachfrage schlägt sich in den wirtschaftlichen Erwartungen nieder.
*Konjunkturklimaindex: Geometrisches Mittel der Salden aus positiven & negativen Einschätzungen der aktuellen & der erwarteten Geschäftslage (neutral = 100).
** Entspricht dem Saldo aus den in Prozent angegebenen Anteilen der positiven und der negativen Einschätzungen