Konjunktur und Analysen
Konjunktur in Nord Westfalen – Jahresbeginn 2026
Der Konjunkturbericht der IHK Nord Westfalen zum Jahresbeginn 2026 zeigt: Die Wirtschaft verharrt im Stillstand – die wichtigsten Ergebnisse hier im Überblick.
- IHK-Wirtschaftsklima: ohne Antrieb
- Geschäftslage bleibt verhalten
- Geschäftsaussichten: Nur wenige Betriebe erwarten baldige Erholung
- Export: Auslandsgeschäft liefert keinen Rückenwind
- Investitionen: Viele Unternehmen bleiben zurückhaltend
- Beschäftigung: Schwächephase hinterlässt Spuren am Arbeitsmarkt
- Fazit: Welche Forderungen an die Politik ergeben sich daraus?
- Welche Methodik steht hinter dem Konjunkturbericht?
- Was ist der IHK-Konjunkturbericht?
- Konjunktur im Ruhrgebiet
- Noch mehr Konjunktur
IHK-Wirtschaftsklima: ohne Antrieb
Die Konjunktur in Nord-Westfalen startet ohne Schwung in das neue Jahr. Das Wirtschaftsklima stabilisiert sich zwar, doch nach wie vor scheinen nachhaltige Wachstumsimpulse für eine deutliche Stimmungsaufhellung zu fehlen. Die Industrie verliert in der angespannten geopolitischen Lage international an Wettbewerbsfähigkeit – Investitions- und Konsumzurückhaltung prägen das Wirtschaftsklima. Der IHK-Konjunkturklimaindikator verharrt mit rund 100 Punkten fast unverändert auf niedrigem Niveau.
Allerdings zeigt die konjunkturelle Tendenz in den beiden Teilregionen Münsterland und Emscher-Lippe-Region deutliche Unterschiede: Im nördlichen Ruhrgebiet bleibt sie abwärts gerichtet, die Unternehmen im Münsterland hingegen kommen ganz allmählich aus dem Tief heraus. Der Abstand zwischen beiden Regionen ist unübersehbar: Der Konjunkturklimaindikator im Münsterland steht jetzt bei nunmehr 109 Zählern (Herbst 2025: 107), der Wert für die Emscher-Lippe-Region liegt bei 77 (Herbst 2025: 81).
Geschäftslage bleibt verhalten
Nach dem konjunkturellen Stillstand der letzten Jahre hat sich die Lage am Jahresbeginn 2026 minimal verbessert, wie am Saldo aus positiver und negativer Beurteilung abzulesen ist. Dennoch liegt der Wert (=Lagesaldo) weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Ein Viertel der Betriebe berichtet von guten Geschäften, ein weiteres Viertel ist mit seiner wirtschaftlichen Situation nicht zufrieden. In der Emscher-Lippe-Region liegt der Anteil der unzufriedenen Stimmen überdurchschnittlich hoch bei 40 Prozent.
Besonders schwach läuft die Industriekonjunktur. Das belegen auch die offiziellen Zahlen: Im dritten Jahr in Folge wurde in 2025 weniger erwirtschaftet. In der Chemieindustrie und anderen energieintensiven Industriezweigen hatte die wirtschaftliche Aktivität das niedrige Niveau der Vorjahre nochmals leicht unterschritten. Im Dienstleistungssektor ist das Geschäftsklima am freundlichsten, im Handel zeigt sich Besserung gegenüber dem Herbst letzten Jahres.
Das Bild wiederholt sich im nord-westfälischen Verarbeitenden Gewerbe: Der Lagesaldo ist im Jahr 2023 in den Negativbereich gefallen und hat sich seitdem nicht nennenswert erholt. Bisherige Tiefstände waren während der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 und im letzten Frühjahr 2025 (minus 29). Von einer schlechten wirtschaftlichen Situation berichten derzeit noch 35 Prozent der Industriebetriebe und 45 Prozent aus der energieintensiven Industrie.
Auch im Handel ist die aktuelle Lage zwar besser als noch im letzten Herbst, doch die Positivmeldungen bleiben in der Unterzahl. Das wieder stabilere Preisniveau hat offenbar noch nicht dazu beigetragen, dass sich die Verbraucher wieder deutlich konsumfreudiger gezeigt und ihre Ausgaben ausgeweitet hätten.
Im heterogenen Dienstleistungssektor ist das Geschäftsklima am freundlichsten: Jeder dritte Betrieb ist zufrieden. Der Lagesaldo ist überdurchschnittlich positiv, auch wenn das Niveau unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Zu diesem Sektor gehören insbesondere die Wirtschaftsbereiche Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen oder auch Tourismus- und Freizeitwirtschaft.
Geschäftsaussichten: Nur wenige Betriebe erwarten baldige Erholung
Nach wie vor kann sich keine größere wirtschaftliche Dynamik aufbauen. Das liegt liegt vor allem an gleichbleibend herausfordernden Rahmenbedingungen. Diese stehen mit 61 Prozent an erster Stelle der genannten konjunkturellen Probleme, bei den Industrieunternehmen sogar mit 75 Prozent. Dazu kämpfen Betriebe mit hohen Kosten für Energie, Personal und Steuern und lähmender Bürokratie. Die Arbeitskosten werden mit 60 Prozent der Nennungen als Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung so hoch gewichtet wie nie. Die Energiepreise belasten jeden zweiten Industriebetrieb und 40 Prozent der Betriebe insgesamt.
Nur knapp jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) erwartet eine baldige konjunkturelle Erholung. Bei den Industrieunternehmen ist es nur jedes vierte. Skeptisch äußern sich Handelsunternehmen: 24 Prozent nennen schlechtere Geschäftserwartungen, im Einzelhandel sogar 34 Prozent. Mit gleichbleibenden Geschäftserwartungen sehen 63 Prozent der Unternehmen weder eine baldige Verbesserung noch eine weitere Verschlechterung.
Durch die Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit wird die Geschäftstätigkeit der Unternehmen auch zum Jahresbeginn weiter gebremst. So hatte sich die Entwicklung der Lohnstückkosten ab dem Jahr 2023 deutlich beschleunigt (Veränderung gegenüber Vorjahr: 2023 +7,8 Prozent, 2025 +4,8 Prozent). Die deutschen industriellen Lohnstückkosten waren im Jahr 2024 um 22 Prozent höher als im Durchschnitt der 27 Vergleichsländer und um 15 Prozent höher als im Euro-Ausland (Quellen: Destatis, IW Köln).
Auch die Sorgen um ausbleibende Nachfrage bleiben sehr groß: Industrie 69 Prozent und Handel 73 Prozent. So rechnen die Unternehmen in diesem Jahr nicht mit einer kraftvollen Erholung. Die Konjunktur kommt wohl nur langsam wieder in Fahrt. Die Erholung dürfte schwach und stark von staatlichen Impulsen abhängig bleiben. Viele strukturelle Probleme bleiben ungelöst oder werden nur zögerlich angegangen.
Export: Auslandsgeschäft liefert keinen Rückenwind
Mit konjunkturellem Rückenwind aus dem Auslandsgeschäft ist auch zum Jahresbeginn nicht zu rechnen. So bleiben die Exporterwartungen gedämpft. Während die Firmen im Münsterland eher von einer stagnierenden Entwicklung ausgehen (71 Prozent gleichbleibende Exporte), stellen sich die Betriebe in der Emscher-Lippe-Region auf weitere Rückgänge ein (39 Prozent geringe Exporte).
Geo- und handelspolitische Konflikte machen der stark exportorientierten Wirtschaft besonders zu schaffen. Die teilweise wieder anziehende Weltwirtschaft konnte die Exporte nicht beleben. Neben den im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten und einem starken Euro belasteten weitere Handelsbarrieren die Exporteure. Hinzu kommt der Konkurrenzdruck durch China.
Die EU bleibt wichtigster Absatzmarkt und Stabilitätsanker im schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeld. Die nord-westfälische Industrie erzielte hier in 2025 zwei Drittel der Auslandsumsätze. Im Münsterland sind diese im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent gestiegen, während sie in der Emscher-Lippe-Region um 7,8 Prozent zurückgingen (jeweils Januar bis Oktober). NRW-weit wurde ein Minus von 2,6 Prozent verbucht.
Investitionen: Viele Unternehmen bleiben zurückhaltend
Im letzen Jahr sind die Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland, also die Ausgaben für Bauten und Ausrüstung, wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge, gesunken. Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamts lagen sie preisbereinigt um 0,5 Prozent unter dem Vorjahr. Real entsprach das Investitionsniveau damit dem Jahr 2016. Die Bauinvestitionen, die mehr als die Hälfte aller Investitionen ausmachen, gingen 2025 um 0,9 Prozent zurück und lagen damit nur knapp über dem Niveau von 2010. Ausschlaggebend dürften vor allem die weiterhin hohen Baukosten gewesen sein.
Besonders deutlich zeigte sich die Investitionsschwäche bei den Ausrüstungen: Sie sanken 2025 preisbereinigt um 2,3 Prozent. Die Investitionen in Maschinen und Geräte gingen um 3,3 Prozent zurück – bereits zum vierten Mal in Folge. Gerade diese Investitionen sind jedoch entscheidend für Produktivitätsfortschritte am Industriestandort. Positiv entwickelte sich dagegen der Bereich „sonstige Anlagen“, insbesondere Ausgaben für Forschung und Entwicklung, mit einem realen Zuwachs von 3,8 Prozent.
Welche Impulse in diesem Jahr von den zusätzlichen Mitteln aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ausgehen, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich könnten bessere Finanzierungsbedingungen sowie erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten aus dem Sofortprogramm des Bundes die Investitionen stützen.
Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten und Hemmnisse, unter anderem durch die US-Handelspolitik. Ein gutes Viertel der Betriebe in Nord-Westfalen plant, die finanziellen Spielräume für Investitionen in den kommenden Monaten zu erweitern, bei Großunternehmen sind es 42 Prozent. Zugleich fährt etwa jedes vierte Unternehmen seine Investitionen weiter zurück. Besonders zurückhaltend sind Industriebetriebe und Händler, von denen 37 beziehungsweise 36 Prozent geringere Ausgaben planen. Rund zwei Drittel der Betriebe setzen auf Ersatzinvestitionen, mehr als die Hälfte der Industriebetriebe zudem auf Rationalisierungsmaßnahmen – ein Hinweis auf den anhaltend hohen Anpassungsdruck.
Beschäftigung: Schwächephase hinterlässt Spuren am Arbeitsmarkt
Trotz noch insgesamt robuster Verfassung des Arbeitsmarktes hinterlässt die langanhaltende konjunkturelle Schwächephase immer deutlichere Spuren. Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen und die Personalnachfrage bleibt in weiten Teilen der Wirtschaft gedämpft. Neben der fehlenden wirtschaftlichen Dynamik erschweren hohe Arbeitskosten die Einstellung. Besonders betroffen sind die Branchen Industrie und Handel – Unternehmen der Emscher-Lippe Region stärker als Betriebe im Münsterland.
Zwischen 2019 und 2025 sind in der nord-westfälischen Industrie rund 9.000 sozialversicherungspflichtige Stellen weggefallen, davon 6.000 im Münsterland. Beschäftigungsverluste gab es zuletzt im Verarbeitenden Gewerbe und in der Zeitarbeit, vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau.
Zur Jahresmitte 2025 lag die Zahl der Arbeitslosen in Nord-Westfalen mit rund 107.000 über dem Höchststand im Corona-Jahr 2020, zum Jahresende 2025 noch bei 101.000 und zum Jahresbeginn 2026 bei rund 105.000. Deutschlandweit hat die Zahl der Arbeitslosen die Drei-Millionengrenze in diesem Jahr überschritten.
Zuletzt gab es nur noch Beschäftigungssteigerungen im Dienstleistungssektor, vorrangig bei den öffentlichen Dienstleistungen (Pflege, Gesundheit). Hier plant jeder vierte Betrieb mit mehr Personal.
Fazit: Welche Forderungen an die Politik ergeben sich daraus?
Der Wirtschaft in Nord-Westfalen droht ein viertes Jahr des Stillstands. Nach dem angekündigten Herbst der Reformen ist ein Frühjahr des Aufbruchs entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Politik hat sich mit dem milliardenschweren Sondervermögen selbst erhebliche finanzielle Handlungsspielräume erschlossen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es vor allem struktureller Veränderungen bedarf, um der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen.
Aufgrund der besonderen Bedeutung der energieintensiven Industrie spürt der IHK-Bezirk Nord-Westfalen die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in besonderer Weise. Die IHK-Organisation wirbt daher dafür, dass Steuern und Abgaben auf Energiepreise sinken, der Strommarkt umfassend reformiert wird und sich die Rahmenbedingungen bei der Eigenversorgung und bei Direktlieferverträgen für Strom verbessern.
Was die Wirtschaft braucht, ist das Vertrauen auch der Politik in das marktwirtschaftliche Prinzip und in die unternehmerische Freiheit sowie verlässliche wie wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Neben den zu hohen Strom- und Energiepreisen betrifft dies gerade auch die Arbeitskosten, die hierzulande deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegen. Die Entwicklung der Lohnnebenkosten und der Lohnstückkosten geben Anlass zu großer Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit am heimischen Standort. Der Arbeitsmarkt insgesamt bedarf dazu umfassender Reformen, die die Politik unverzüglich angehen muss.
Welche Methodik steht hinter dem Konjunkturbericht?
Die Befragung fand im Zeitraum vom 8. Dezember 2025 bis zum 23. Januar 2026 statt, von 600 repräsentativ befragten Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen in Industrie, Handel und Dienstleistungen haben gut 280 geantwortet. Die IHK Nord Westfalen nutzt in ihrer Konjunkturumfrage übliche Verfahren der Marktforschung. Aus der Grundgesamtheit der gewerblichen Wirtschaft zieht die IHK eine repräsentative Auswahl von Unternehmen („geschichtete Stichprobe“). Dabei erfolgt die Selektion der Unternehmen spiegelbildlich zur Wirtschaftsstruktur im IHK-Bezirk (nach Branchen, Teilräumen und Unternehmensgrößenklassen). Die Konjunkturumfragen sind Panelerhebungen. Das heißt, dass weitestgehend derselbe Kreis von Unternehmen in regelmäßigen Abständen befragt wird. Die Verwendung eines Panels hat den Vorteil, dass eine Änderung der Konjunktureinschätzung eindeutig auf eine andere Urteilsbildung zurückzuführen ist und nicht auf eine zufällig andere Zusammensetzung der Stichprobe. Das Fragenprogramm der Konjunkturumfragen ist speziell darauf ausgerichtet, diejenigen Größen abzufragen, die ein möglichst gutes Stimmungsbild der konjunkturellen Situation liefern. Der konstante Kernfragenkatalog erfasst Geschäftslage, Geschäftsaussichten, Konjunkturrisiken, Exporterwartungen, Investitions- und Beschäftigungsplanungen. Konjunkturindikatoren aus Umfragedaten sind für die Diagnose der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von großer Bedeutung. Schließlich nehmen ökonomische Verhaltensweisen der Unternehmer – zum Beispiel ihre Ausgaben für Investitionen oder ihre Personalentwicklungsstrategien – selbst ganz entscheidenden Einfluss oder aber sie reagieren auf neue konjunkturelle Impulse.Was ist der IHK-Konjunkturbericht?
Die IHK Nord Westfalen befragt regelmäßig eine repräsentative Auswahl ihrer Mitgliedsunternehmen zur wirtschaftlichen Lage und zu ihren Erwartungen. Die Ergebnisse münden in den Konjunkturbericht der IHK Nord Westfalen. Er liefert die einzige umfassende Gesamtdarstellung der konjunkturellen Entwicklung der Region. Insbesondere durch den langfristigen Vergleich der wesentlichen Umfrageergebnisse erhält die IHK Nord Westfalen ein wichtiges Instrument zur Konjunktureinschätzung – grafisch präsentiert durch den IHK-Konjunkturklimaindikator. Darüber hinaus fließen die Ergebnisse in den bundesweiten Konjunkturbericht der DIHK, der auch vom Sachverständigenrat berücksichtigt wird. Auf Basis der Antworten von rund 23.000 Unternehmen bündelt die DIHK die Konjunkturdaten aller Industrie- und Handelskammern im Bundesgebiet.
Konjunktur im Ruhrgebiet
Gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets (IHK Mittleres Ruhrgebiet, IHK Dortmund, IHK Duisburg, IHK Essen) veröffentlicht die IHK Nord Westfalen zweimal im Jahr den konjunkturellen Bericht für das Ruhrgebiet. Im Jahr 2025 geschieht dies federführend durch die IHK zu Essen.
