Nationaler Wasserstoffrat: Neue Bedarfsprognose

Der Nationale Wasserstoffrat (NWR) hat im Juni 2026 eine aktualisierte Prognose zum zukünftigen Wasserstoffbedarf in Deutschland veröffentlicht. Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten wird der Gesamtbedarf an Wasserstoff und dessen Derivaten in Deutschland in den späten 2040er-Jahren zwischen 275 und 555 Terawattstunden (entspricht etwa 8,25 bis 16,65 Millionen Tonnen) liegen.
Die Verteilung auf die Sektoren stellt sich wie folgt dar:
  • Industrie: 140–300 TWh
  • Verkehr: 75–135 TWh
  • Strom- und Fernwärmeversorgung: 60–120 TWh
Langfristig orientiert sich die Prognose an den Zielen der vollständigen Klimaneutralität und einer resilienten Energieversorgung der heimischen Industrie.
Der NWR stellt fest, dass der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft derzeit deutlich hinter den Erfordernissen zurückbleibt. Insbesondere:
  • ungünstige regulatorische Rahmenbedingungen sowie
  • schwierige Finanzierungsbedingungen
bremsen notwendige Investitionen erheblich. Infolgedessen geraten zahlreiche Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette unter Druck oder werden verzögert bzw. aufgegeben.

Industrie

Die Industrie wird künftig die wichtigste Rolle bei der Wasserstoffnachfrage einnehmen:
  • Stahlindustrie: Projekte zur wasserstoffbasierten Direktreduktion könnten einen Bedarf von bis zu 400.000 Tonnen pro Jahr erzeugen und damit einen zentralen Anker für die Marktentwicklung bilden. Voraussetzung ist jedoch die Verfügbarkeit von klimaneutralem Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen.
  • Chemieindustrie: Sie wird voraussichtlich der größte Einzelnachfrager bleiben, mit einem Bedarf von 107 bis 243 TWh. Dieser Wert liegt jedoch unter der Prognose von 2024, unter anderem bedingt durch Produktionsrückgänge, hohe Energiekosten und unzureichende regulatorische Rahmenbedingungen.

Verkehr

Im Verkehr wird die Rolle von Wasserstoff differenziert bewertet:
  • Im Pkw- und leichten Nutzfahrzeugbereich wird Wasserstoff künftig nur eine untergeordnete Rolle spielen.
  • Im Bus- und Schwerlastverkehr hingegen wird ein steigender Bedarf erwartet (ca. 17 TWh zu Beginn der 2030er-Jahre).
  • Impulse könnten durch die neue Förderung für Wasserstofftankstellen und -Lkw entstehen, mit dem Ziel, bis 2030 eine Infrastruktur für mehrere tausend Fahrzeuge aufzubauen.
Zusätzlich wird für die Produktion synthetischer Kraftstoffe (E-Fuels) ein wachsender Bedarf prognostiziert, insbesondere im Luftverkehr.

Energiesektor

Eine relevante Nachfrage im Energiesektor wird vor allem in der Strom- und Fernwärmeversorgung gesehen:
  • 2035: 5–30 TWh
  • 2040: 30–40 TWh
  • 2045: 60–120 TWh
(Quelle NWR, DIHK)