Keine Entwarnung: Wirtschaftliche Stimmung weniger schlecht, aber nicht gut
Konjunkturumfrage Herbst 2026
Die wirtschaftliche Stimmung in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis hat sich im Herbst etwas verbessert. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen fallen weniger negativ aus. Besonders die Industrie blickt wieder deutlich zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Bei Investitionen und Beschäftigung bleibt die Zurückhaltung der Unternehmen deutlich spürbar. Hohe Kosten, Bürokratie und schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen belasten die Unternehmen weiterhin. Die jüngsten Verbesserungen sind damit ein positives Signal - für eine nachhaltige Erholung ist es jedoch noch zu früh.
Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zeigen, dass sich die wirtschaftliche Stimmung in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis etwas verbessert hat. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der aktuellen Geschäftslage liegt inzwischen bei -8,0. Damit bleibt er zwar weiterhin im negativen Bereich, fällt aber besser aus als in der Frühsommer-Umfrage 2026, als noch ein Wert von -12,5 erreicht wurde.
Spürbar verringert hat sich der Anteil der Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht bewerten. Während in der vorangegangenen Umfrage noch 32 Prozent der Unternehmen ihre Lage negativ beurteilten, sind es inzwischen 26,8 Prozent. Damit bewertet aktuell noch gut ein Viertel der Unternehmen seine Geschäftslage als schlecht.
Weil der Anteil der Unternehmen mit einer guten Geschäftslage leicht um 0,7 Prozentpunkte zurückgegangen ist, wird der Saldo vor allem besser, weil deutlich weniger Unternehmen ihre aktuelle Lage als schlecht einschätzen.
Mehr Zuversicht für die kommenden Monate
Auch die Zukunftserwartungen der regionalen Wirtschaft haben sich verbessert. Der Saldo aus positiven und negativen Zukunftserwartungen ist von -13,5 auf -10,9 gestiegen. Damit bleibt er weiterhin im negativen Bereich, die Unternehmen blicken jedoch etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate.
Besonders hervorzuheben ist der Anteil der Unternehmen, die optimistisch in die Zukunft schauen. Mit 23,2 Prozent erreicht er den höchsten Wert seit Anfang 2022. Damit blickt inzwischen fast jedes vierte Unternehmen zuversichtlich auf die weitere Entwicklung.
Der IHK-Klimaindikator, der die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen zusammenführt, liegt aktuell bei 90,6 Punkten. Gegenüber der jüngsten Umfrage entspricht dies einem Anstieg um drei Punkte. Der Indikator bleibt damit weiterhin unterhalb der Marke von 100 Punkten, die für eine ausgeglichene wirtschaftliche Stimmung steht, zeigt jedoch eine vorsichtige Aufhellung der wirtschaftlichen Stimmung.
Industrie überrascht mit besserer Stimmung
Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt ein gemischtes, insgesamt aber etwas optimistischeres Bild. Viele Wirtschaftszweige weisen bessere Werte auf als in der jüngsten Umfrage. Besonders erfreulich ist die Entwicklung in der Industrie, die zuletzt zu den Sorgenkindern der regionalen Wirtschaft gehörte.
Der Saldo der aktuellen Geschäftslage hat sich in der Industrie deutlich von -11,6 auf -4,4 verbessert – bleibt aber negativ. Noch stärker fällt die Entwicklung bei den Zukunftserwartungen aus: Der Erwartungssaldo ist von -4,8 auf 8,7 gestiegen und liegt damit wieder im positiven Bereich. Fast ein Drittel der Industrieunternehmen (30,4 Prozent) blickt optimistisch auf die kommenden Monate.
Auch im Großhandel hat sich die Geschäftslage merklich verbessert, ohne aber wirklich gut zu sein: Der Saldo der aktuellen Lage stieg von -50,0 auf -15,4.
Die Stimmungsaufhellung trifft aber nicht alle Branchen. Im Einzelhandel sank der Saldo der aktuellen Geschäftslage von 7,1 auf -15,4. Auch die Zukunftserwartungen haben sich eingetrübt: Der Saldo fiel von -7,7 auf -15,4. Bei den Dienstleistungsunternehmen verschlechterte sich die aktuelle Geschäftslage ebenfalls deutlich. Der Saldo sank von 16,7 auf -8,3.
Weniger Zuversicht bei der Beschäftigung
Trotz einzelner Verbesserungen bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Das zeigt sich auch bei den Beschäftigungsabsichten der Unternehmen. Fast ein Drittel der befragten Unternehmen (32,4 Prozent) plant, in den kommenden Monaten eher Personal abzubauen als neue Mitarbeiter einzustellen.
Der Beschäftigungssaldo hat sich damit weiter verschlechtert. Er liegt aktuell bei -19,9 und damit leicht unter dem Wert der jüngsten Umfrage (-18,9). Eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich damit weiterhin nicht ab. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen: Während die Industrie mit einem Beschäftigungssaldo von -19,6 einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen erwarten lässt, planen die Bauunternehmen mit einem Saldo von +40,0 mehrheitlich, zusätzliche Beschäftigte einzustellen.
Auch die Arbeitslosenzahlen zeigen weiterhin eine verhaltene Entwicklung Im Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau) waren im September 2026 9.474 Menschen arbeitslos gemeldet, 111 weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,2 Prozent. Gleichzeitig wurden 1.639 offene Stellen gemeldet.
In Hanau waren im September 2026 insgesamt 5.782 Menschen arbeitslos gemeldet, 46 weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 10,1 Prozent.
Investitionssaldo: Trotz deutlicher Verbesserung noch kein Plus
Die Investitionsneigung der Unternehmen bleibt negativ, auch wenn sie sich im Vergleich zur jüngsten Umfrage deutlich verbessert. Der Investitionssaldo stieg von -10,2 auf -2,9. Seit 13 Umfragen in Folge liegt der Investitionssaldo damit im negativen Bereich.
Auch die aktuelle Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass Investitionen am Standort Deutschland für viele Unternehmen weiterhin mit Herausforderungen verbunden sind. 67 Prozent der befragten Unternehmen investieren derzeit ausschließlich oder überwiegend in Deutschland. Als wichtigste Gründe für Investitionen hierzulande nennen die Unternehmen den Absatzmarkt (45 Prozent), die Rechtssicherheit (44 Prozent) und die Infrastruktur (30 Prozent). Gleichzeitig weist das IW darauf hin, dass diese Zahlen nicht zwangsläufig für eine hohe Attraktivität des Investitionsstandorts Deutschland sprechen. Gerade kleinere Unternehmen investieren demnach häufig aus praktischen Gründen im Inland, etwa um bestehende Arbeitsplätze und Produktionsstandards aufrechtzuerhalten. Denn bei größeren Unternehmen zeigt sich ein anderes Bild: 13 Prozent investieren vor allem oder ausschließlich im Ausland. Als wichtigste Gründe gegen Investitionen in Deutschland nennen die Unternehmen insbesondere Regulierung (69 Prozent), Steuern (66 Prozent) und Arbeitskosten (45 Prozent).
Wachstum allein reicht nicht
Auch in der aktuellen Konjunkturumfrage bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen ein zentrales Risiko. 65,2 Prozent der Befragten nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Geschäftsrisiko. Dahinter folgen die Energie- und Rohstoffpreise mit 64,5 Prozent sowie die Inlandsnachfrage mit 60,1 Prozent. Auch die Arbeitskosten werden von mehr als der Hälfte der Unternehmen (52,2 Prozent) als Risiko genannt. Der Fachkräftemangel folgt mit 44,2 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Freitextantworten der Unternehmen. Besonders häufig werden die hohe Bürokratiebelastung, gestiegene Kosten und fehlende Planungssicherheit genannt. Einige Unternehmen äußern dabei deutliche Kritik an den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
So heißt es etwa:
„Durch die hohen Energiepreise und das ewige Rumgeeire der Regierung halten sich die Konsumenten extrem zurück.“
Ein weiterer Unternehmer schreibt:
„Keine klaren Entscheidungen und Taten der Regierung sorgen weiterhin für Unsicherheit. Somit wird weiterhin nur das Notwendigste investiert.“
Auch die Kostenbelastung wird in den Antworten deutlich angesprochen:
„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind eine Katastrophe, die Energiepreise sind zu hoch, ebenso die Personalnebenkosten und Abgaben sowie die Steuerlast, die uns ins Abseits der Wettbewerbsfähigkeit stellt.“
Die Rückmeldungen zeigen damit, dass die Unternehmen trotz der jüngsten Verbesserungen weiterhin erhebliche Belastungen und Unsicherheiten wahrnehmen. Die aktuelle Entwicklung bleibt damit fragil und hängt aus Sicht der Unternehmen wesentlich von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde führt weiter aus „Die aktuelle Umfrage zeigt einzelne Verbesserungen, die wirtschaftliche Lage bleibt jedoch schwierig. Von einer nachhaltigen Erholung sind wir noch weit entfernt. Zwar rechnet die Bundesregierung für dieses Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,1 Prozent. Das ist besser als nichts. Aber viel vom erwarteten Aufschwung beruht auf Staatsausgaben, z. B. für Rüstung. Wenn diese Sondereffekte ab 2028 nachlassen, wird ein breiter Aufschwung nur erreicht, wenn vor allem die Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schafft: weniger Bürokratie, niedrigere Kosten.“
Die insgesamt verhaltene Stimmung der Unternehmen zeigt sich auch bei der Bewertung der geplanten Reformen der Bundesregierung. Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen (65,4 Prozent) geben an, mit den geplanten Reformen eher unzufrieden oder sehr unzufrieden zu sein. Lediglich 2,2 Prozent sind sehr zufrieden, weitere 13,2 Prozent eher zufrieden.
Damit überwiegt die Unzufriedenheit mit den geplanten Reformen deutlich. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen derzeit nur wenig Vertrauen in die angekündigten Veränderungen setzen. Angesichts der weiterhin hohen Belastungen bei Kosten, Bürokratie und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleibt aus Sicht der Unternehmen entscheidend, dass angekündigte Reformen auch zu spürbaren Verbesserungen im Unternehmensalltag führen.
Für die kommenden Monate wird daher entscheidend sein, ob sich die jüngsten Verbesserungen bei einzelnen Konjunkturindikatoren verstetigen können. Dafür braucht es aus Sicht der Unternehmen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Belastungen und bessere Voraussetzungen für Investitionen. Die aktuelle Entwicklung zeigt zwar einzelne positive Signale, von einer nachhaltigen Trendwende kann jedoch noch nicht gesprochen werden.